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#MeToo in Indien: Jede Inderin kennt das Problem
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.10.2018.
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#MeToo in Indien Minister muss den Hut nehmen

Die MeToo-Bewegung hat auch Indien erreicht. Ein Minister ist zurückgetreten, weil ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen wird.

Die Anschuldigungen gehen über 20 Jahre zurück, als der heutige Staatsekretär M.J. Akbar noch Chefredaktor einer namhaften indischen Zeitung war. Akbar nennt die Anschuldigungen gegenstandslos und hat Klage wegen Verleumdung eingereicht. Dennoch musste der Minister zurücktreten.

Das sendet eine wichtige Botschaft an die Frauen in ganz Indien.
Autor: Anoo BhuyanJournalistin

Das sei der bisher grösste Erfolg der indischen #MeToo-Bewegung, sagt die Journalistin Anoo Bhuyan, deren lautstarke Stimme. «Ein sehr mächtiger Mann musste nun die Konsequenzen ziehen. Und das sendet eine wichtige Botschaft an die Frauen in ganz Indien», ist sie überzeugt. Sie selbst hat über Twitter einen Journalistenkollegen bezichtigt, sie belästigt zu haben.

Er habe sie ohne Respekt behandelt, als sei sie ein Sexobjekt. Das verbitte sie sich. Auch der von Bhuyan angeschuldigte Journalist musste kündigen.

Aber in keinem der Fälle kam es bisher zu einer Anklage. Und das sei das Problem von #MeToo, kritisiert Tavleen Singh, eine Kolumnistin in Mumbai: Die Unschuldsvermutung sei in solchen Fällen nicht gegeben. Die Anschuldigungen der Frauen werden nicht hinterfragt und man applaudiere, wenn ein Mann den Hut nehmen müsse, obwohl es keine Beweise gebe.

Gesetz schützt nicht vor Sexting

Bhuyan auf der anderen Seite versteht, dass die Frauen nicht vor Gericht gehen. In ihrem Fall hätte es nichts gebracht. Denn das indische Gesetz verfüge über keine Massnahmen, um mit gewissen Arten von sexueller Belästigung wie etwa dem Sexting umzugehen. Zudem bestärke das soziale Umfeld viele Frauen, nicht hervorzutreten, so die Journalistin Bhuyan.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, aber auch in den überfüllten Zügen oder auf der Strasse, gehört zum Alltag vieler Inderinnen: gierige Blicke; eine fremde Hand, die kurz über die Hüfte streift. Und dennoch sei #MeToo eine Scheindebatte, geführt von privilegierten Inderinnen, sagt Kolumnistin Singh.

Denn die Probleme indischer Frauen seien viel grösser als jene, die #MeToo adressiere. Sie kritisiert, dass die Bewegung die Themen Kinderprostitution und Menschenhandel nicht aufgreife. Ob Scheindebatte oder nicht: #MeToo hat in Indien ein lang tabuisiertes Thema endlich in den Vordergrund gerückt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Der Rechtsstaat darf sich nicht aushebeln lassen. Aber genau das wird da offensichtlich gemacht. Das kann's ja wohl auch nicht sein.
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Es ist niemandem gedient, auch nicht den Frauen, eine mittelalterliche Lynchjustitz wieder einzuführen. Not-wendig sind rechtsstaatliche Mittel, wo nötig Reformen oder Anpassungen des Rechtssystems.
  • Kommentar von Stefan Trasser  (chiggifan)
    Also keiner der Männer wurde überhaupt angeklagt? Und das soll ich jetzt gut finden?
    Indien ist ein Land mit einem massiven Problem mit Vergewaltigungen und Respekt vor Frauen im Allgemeinen.
    Aber ist der Weg des digitalen Lynchmobs wirklich der Richtige?