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Migrationsdeal mit Mexiko «Die USA sind stark überfordert»

Legende: Audio USA schicken Migranten zurück nach Mexiko abspielen. Laufzeit 10:16 Minuten.
10:16 min, aus HeuteMorgen vom 27.12.2018.

Die USA haben vor Weihnachten eine neue Regelung eingeführt für Migranten, die aus Mexiko einreisen: Wer ohne Papiere über die Grenze kommt, wird nach Mexiko zurückgeschickt. Dort müssen die Migranten warten, bis ihr Asylverfahren in den USA zu Ende ist. Diese neue Praxis gilt seit gut einer Woche. SRF-Korrespondent Matthias Kündig erklärt, wie die Vereinbarung zustande kam – und warum Mexiko überhaupt mitmacht.

Matthias Kündig

Matthias Kündig

USA-Korrespondent, SRF

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Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig arbeitet seit 25 Jahren bei Radio SRF. Er studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.

SRF News: Was bedeutet die neue Regelung konkret?

Matthias Kündig: Bisher wurden Migranten nach Stellen eines Asylgesuchs in einem sogenannten «Detention Camp» interniert. Allerdings wurden Familien und Minderjährige nach zwanzig Tagen entlassen. Das verlangt das Gesetz so. Sie müssen dann eine Fussfessel tragen.

Heute sind der grösste Teil der Migranten Familien aus Zentralamerika.

Das hat dazu geführt, dass ein Grossteil der Migrantinnen und Migranten kurz nach dem Stellen eines Asylgesuches entlassen wurde. Neu werden sie aber wieder zurück über die Grenze nach Mexiko gebracht und müssen dort so lange warten, bis über ihr Asylgesuch entschieden worden ist.

Migranten am Rio Grande (Aufnahme vom 27.12.2018)
Legende: Dieses Bild zeigt Migranten, die soeben illegal den Grenzfluss Rio Grande überquert haben. Sie werden künftig zurück nach Mexiko gebracht. Reuters

Die Zahl der Asylgesuche in den USA hat im letzten Jahr enorm zugenommen. Ist es ein Zeichen der Überforderung, dass die USA diese Leute nun wieder zurück nach Mexiko schicken wollen?

Die USA sind derzeit tatsächlich stark überfordert. Die Migration hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Früher kamen vor allem mexikanische Landarbeiter, die eine Zeit lang Geld verdienen wollten. Heute sind der grösste Teil der Migranten Familien aus Zentralamerika. Die Asylgesuche haben sich in den letzten zehn Jahren verneunfacht. Der Anteil Familien an diesen Migranten ist heute über 50 Prozent.

Weshalb bietet Mexiko nun Hand? Schliesslich ist es ja nicht das Problem von Mexiko, wenn die Migrantinnen und Migranten in die USA wollen?

Mexiko tut dies, weil die US-Behörden derzeit überfordert sind. Interessant ist, dass es zu dieser Absprache mit den USA keine offizielle Information gab. Sie wurde nur auf Anfrage bestätigt. Die offizielle Position des mexikanischen Aussenministeriums ist, dass sich für das Land nichts ändern würde.

Menschen aus Zentralamerika sind in Mexiko willkommen. Sie müssen aber langfristig selber für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Schon bisher hätten Migranten aus Zentralamerika in Mexiko bleiben können. Schliesslich bekommen sie eine Aufenthalts- und auch eine Arbeitsbewilligung. Menschen aus Zentralamerika sind in Mexiko willkommen. Sie müssen aber langfristig selber für ihren Lebensunterhalt sorgen.

Mexiko hat also tatsächlich Arbeit für so viele Leute?

Ja, zum Beispiel die Grenzstadt Tijuana boomt. In den letzten Jahren haben sich in dieser und anderen Grenzstädten viele exportorientierte Fertigungs- und Verpackungsfirmen etabliert. Darunter sind auch US-Firmen. Allein in Tijuana gibt es derzeit 7000 offene Stellen. Der Staat hat in den letzten Wochen sogar eine Stellenbörse eröffnet, wo sich Migrantinnen und Migranten melden können.

Das Gespräch führte Romana Costa.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Hans König (Hans König)
    Auch Europa ist mit den 100-tausenden Wirtschaftsflüchtlingen stark überfordert. Im Gegensatz zu den USA unternimmt hier niemand etwas gegen dieses Unheil - im Gegenteil.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Das Vorgehen der USA könnte weltweit Signalwirkung auslösen: Nachweislich politisch Verfolgte aufnehmen ist ok, aus wirtschaftlichen Gründen ist ein no go. Es kommen sowieso nur die Jungen und Fiten - die Alten, Gebrechlichen und wirklich Armen haben gar keine Chance zu flüchten. Weiter sind die jungen Flüchtenden die Lebensversicherung der Ursprungsstaaten, denn ohne diese fehlen die zukünftigen Ressourcen für die Weiterentwicklung. Dies sollte auch in Europa erkannt werden.
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  • Kommentar von Walter Freiburghaus (sophisticated)
    Die USA sollen sich nicht überall einmischen ist hier oft zu lesen. Nun macht Trump einen Schritt in diese Richtung und wird selbstverständlich kritisiert. Die meisten Menschen reagieren eben emotional statt rational. Deshalb kann ja nichts gut sein bei dem Präsident Trump der Auslöser ist. Und im Umkehrschluss war natürlich bei everybodys Darling und Nobelpreisträger jeder Entscheid goldrichtig.
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