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Verwirrung um Truppenabzug
Aus Tagesschau vom 07.01.2020.
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Mission im Nahen Osten Dafür sind US-Truppen im Irak stationiert

Das irakische Parlament will, dass die US-Soldaten im Land abziehen. Doch weshalb sind sie dort? 4 Fragen und Antworten.

Warum sind US-Truppen im Irak? Die USA marschierten 2003 in den Irak ein. Zeitweise waren dort mehr als 170’000 US-Soldaten stationiert. Der Militäreinsatz führte zum Sturz des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein.

«Es war ein Krieg ohne völkerrechtliche Grundlage»

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Einschätzung von SRF-Auslandredaktor Philipp Scholkmann: «Es war ein Krieg ohne völkerrechtliche Grundlage. Die USA stürzten nicht nur den Staatschef, sie zerschlugen auch sämtliche staatlichen Strukturen, lösten insbesondere die irakischen Sicherheitskräfte auf. Das Land stürzte in eine lange Phase des konfessionellen Bürgerkriegs. Vom Chaos, das die amerikanische Invasion hinterliess, profitierte Iran als schiitische Regionalmacht. Über die schiitische Bevölkerungsmehrheit und ihre politischen Vertreter aber auch über schiitische Milizen gewann das Nachbarland immer grösseren Einfluss.»

2011 zogen sich die USA aus dem Irak zurück, nur ein kleines Truppenkontingent blieb zurück. 2014 brachten die Extremisten des Islamischen Staates (IS) weite Teile des Iraks unter ihre Kontrolle. Die USA führten in der Folge eine Militärkoalition gegen den IS an und erhöhten ihr Truppenkontingent im Irak wieder.

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Aus dem Archiv: USA rüsten sich für Kampf gegen IS-Extremisten
Aus Tagesschau vom 08.09.2014.
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Wie viele US-Soldaten sind derzeit im Land? Die USA haben rund 5000 Mann in ganz Irak stationiert, einschliesslich der Grünen Zone, dem Diplomatengebiet von Bagdad und dem Luftwaffenstützpunkt al-Asad. Wie viele Truppen es aber genau sind, beziehungsweise wo sie im Land stationiert sind, wird von offizieller Seite nicht bekanntgegeben. Unter der US-Präsenz befinden sind nicht viele Kampftruppen, sondern vor allem Ausbilder, Berater, Techniker und Geheimdienstleute.

Karte von Nahost
Legende: Mehrere hundert US-Militärs sind noch in Oman stationiert. Die US-Truppengrösse in der Türkei ist unbekannt. Zudem hatten die USA im Herbst 2019 angekündigt, tausende Soldaten nach Saudi-Arabien zu schicken. Im Zuge der Zuspitzung im Konflikt mit dem Iran will Washington ausserdem 3500 zusätzliche Soldaten in die Region verlegen. SRF

Welches sind die Hauptaufgaben der US-Truppen? Die internationalen Truppen sind auf Einladung des Iraks im Land. Die Mission ist zwischen den Regierungen in Form eines Memorandums festgehalten, welches Irak eigenhändig aufkündigen kann. Zu den Schlüsselaufgaben der Truppen gehören:

  • Kampf gegen den IS: Die US-Soldaten unterstützen – zusammen mit den Koalitionspartnern – die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen die Extremistenmiliz IS. Sie helfen etwa bei der Planung von Militäroperationen, der gemeinsamen Nutzung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse, der Integration von Luftunterstützung und Landoperationen, der Logistik sowie der Führung und Kontrolle der Streitkräfte. Zudem sorgen die US-Truppen für die Stabilisierung der vom IS befreiten Gebiete, wie das Pentagon schreibt. Aktuell haben die USA jedoch den Kampf gegen den IS zugunsten der Sicherung der Stützpunkte ausgesetzt. Grund sind die jüngsten Drohungen des Iran und die einhergehenden Sorgen, die US-Soldaten im Irak könnten angegriffen werden.
  • Aufbau der irakischen Armee: Die USA helfen mit Kursen und Trainings beim Wiederaufbau der irakischen Sicherheitskräfte. Die Ausbildung umfasst laut «New York Times» Grundkenntnisse wie etwa Kartenlesen oder das Sammeln von Informationen bis hin zu Themen wie Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Die Soldaten werden auch technisch und operativ geschult, um unter anderem Anti-Terroreinsätze ausführen und die Grenzsicherung wahrnehmen zu können. Gemäss den USA hat das Koalitionsbündnis im Irak und in Syrien bisher über 210'000 Sicherheits- und Polizeikräfte ausgebildet und ausgerüstet.
  • Schutz von Stützpunkten: Die Soldaten sorgen für die Sicherheit der internationalen Koalitionstruppen, die sich dem Kampf gegen den IS widmen.
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Aus dem Archiv: US-Trainingszentren für irakische Streitkräfte
Aus Tagesschau vom 30.12.2011.
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Werden die US-Truppen nun abziehen? Während die Spannungen zwischen den USA und dem Iran immer mehr zunehmen, will der Irak nicht zwischen die Fronten geraten. Um die «irakische Souveränität» zu schützen, forderte das irakische Parlament nun den Abzug der US-Kontingente. Das verlangen vor allem die Iran-nahen Schiiten, jedoch nicht die sunnitischen und kurdischen Minderheiten im Irak, wie SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger sagt. Derweil zeigen sich die USA nicht bereit, ihre Politik der Truppenpräsenz im Irak zu verändern. Ob und in welchem Umfang ein US-Abzug stattfindet, ist deshalb ungewiss.

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So reagiert Trump auf die Forderung der Iraker
Aus Tagesschau vom 06.01.2020.
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50 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Es wird hier vor allem belichtet, für was die USA im Irak zuständig ist seit 2014. Was genau zwischen 2003-2011 passierte, bedürfte natürlich einer eigenen Ausführung und da müsste nebst der USA auch Grossbritannien erwähnt werden. Für was die USA sicherlich nicht zuständig war, ist einen iranischen General auf irakischem Boden zu ermorden. Wie dem auch sei, man kann da stundenlang herumdiskutieren. Wenn der Irak die USA weghaben will, dann ist das ihr Recht und muss respektiert werden!
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  • Kommentar von Walter Foletti  (Walter Foletti)
    Was China in Afrika betreibt ist nichts anderes als Neokolonialismus pur, Herr Szabo.
    China investiert in Afrika und pachtet 100‘000 von Ha um Ackerbau zu betreiben. Die Ernte aber wird nach China exportiert und ausserdem sucht China nach Bodenschätzen!
    China macht die Staaten abhängig von ihnen, in dem grosszügige Darlehen gewährt werden, wohlwissend, dass die Staaten die Schulden nicht zurückzahlen können.
    Siehe Sri Lanka etc. etc.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Es ist doch besser wenn etwas Angebaut wird als wenn das Land brach liegen würde.
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  • Kommentar von Walter Wieser  (Walt)
    Einer der besten und sachlichsten Beitraege des SRF bezueglich des Iraks seit langem! Das Verwirrung um Abzug oder Nichtabzug der US Truppen herrscht ist kein Zufall. Ein guter Stratege schafft bewusst Verwirrung ueber seine Plaene und ueberrascht seine Feinde unerwartet. Das ist ja wohl nicht neues. Vorherige US "Strategen" (Politiker),haben es jeweils umgekehrt gemacht, sie haben meist veroeffentlicht was sie vorhaben. Gut hat dieser Unsinn unter der neuen Fuehrung ein Ende gefunden.
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    1. Antwort von Willi Fetzer  (wi)
      Walti, na klar wenn man ALLES gut heisst, was aus dem "gelobten" Land kommt, der USA ! Auch wenn es noch so verkommen und verbrecherisch ist ! Aber Krimi-Serien haben uns ja schon jahrzehntelang darauf vorbereitet, unser Rechtsempfinden umzukrempeln! Z.B. 24 Hours mit K. Sutherland, da darf gemordet und gefoltert werden von Gesetzes wegen! ALLES zum Wohle der Nation! AMERIKA FIRST !
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