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Mohammed Ghalibaf Irans neuer starker Mann: ein konservativer Pragmatiker

Mohammed Ghalibaf führt für den Iran die heiklen Verhandlungen mit den USA. Wer ist der Mann der Revolutionsgarden?

Anfang Monat schwor Mohammed Bagher Ghalibaf seine Delegation noch auf einen harten Kurs ein und bezeichnete sie als «Soldaten auf dem Schlachtfeld der Diplomatie». Man dürfe den Worten und Versprechen des Feindes nicht trauen, betonte er mit scharfer Stimme. Es gehe um konkrete Zugeständnisse, die man den Vereinigten Staaten abringen müsse – nicht um leere Worte.

Diese kämpferische Haltung hat ihm in den Führungszirkeln Teherans viel Respekt verschafft. Dabei war Ghalibaf keineswegs die erste Wahl für die Rolle des Verhandlungsleiters, wie Mehrzad Bouroujerdi, Iran-Experte an der Universität von Missouri, erklärt. Ghalibaf habe kaum Erfahrung mit internationalen Verhandlungen. Doch nach der gezielten Tötung politischer Schwergewichte durch die USA und Israel sei er nachgerückt.

Ein Mann des Militärs und der Politik

Mohammed Ghalibaf ist eine typische Figur, wie sie die Islamische Republik bereithält, um in kritischen Situationen Lücken zu füllen. Seine Karriere begann er bei den einflussreichen Revolutionsgarden. Als 19-Jähriger kämpfte er im Krieg gegen den Irak und verlor seinen Bruder. Später stieg er zum Chef der Nationalen Polizei und zum Kommandanten der Luftstreitkräfte der Revolutionsgarden auf. Parallel dazu baute er seine politische Macht aus: Über zwölf Jahre war er Bürgermeister von Teheran, heute ist er der mächtige Sprecher des iranischen Parlaments.

Drei Männer in Uniformen stehen hinter Schreibtischen, erheben Fäuste.
Legende: Ghalibaf (rechts) im iranischen Parlament am 1. Februar 2026. In Militäruniform skandieren Abgeordnete ihre Unterstützung für die Islamische Revolutionsgarde. Reuters / Islamic consultative assembly news agency

Er ist also beides, Mann des Militärs und der Politik. «Ghalibaf pflegt langjährige Verbindungen sowohl zum politischen Establishment als auch zum Militär, das ist entscheidend», so Experte Bouroujerdi. Politische Figuren ohne eine solche Karriere bei den Revolutionsgarden, wie der amtierende Präsident Massoud Peseschkian, stünden im Moment im Abseits. Im Gegensatz zum Präsidenten habe Ghalibaf das nötige Gewicht, um Beschlüsse vom Verhandlungstisch auch innerhalb des iranischen Machtapparates durchzusetzen.

Zwischen Korruption und Pragmatismus

Es ist also kein Zufall, dass ausgerechnet Ghalibaf das iranische Team leitet, auch wenn er selbst nicht über alle Zweifel erhaben ist. Während seiner Amtszeit als Bürgermeister wurde ihm Korruption vorgeworfen, und er war später in diverse Skandale verwickelt. So auch 2022, als seine Tochter in der Türkei teure Hochzeitsgeschenke einkaufte, während die Bevölkerung unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der internationalen Sanktionen litt.

Die Revolutionsgarden

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Die Islamischen Revolutionsgarden wurden nach der Islamischen Revolution von 1979 gegründet, um das politische System des Landes gegen innere und äussere Feinde zu verteidigen. Sie agieren als parallele Streitkraft zur regulären Armee und unterstehen direkt dem Revolutionsführer.

Über die Jahre haben die Garden ihre Macht massiv ausgebaut und kontrollieren heute weite Teile der iranischen Wirtschaft, Politik und des Sicherheitsapparates. Eine Karriere innerhalb der IRGC, wie sie Mohammed Ghalibaf durchlaufen hat, ist für viele iranische Politiker ein entscheidendes Sprungbrett, um in die höchsten Machtzirkel des Regimes aufzusteigen. Sie sichert nicht nur Loyalität, sondern auch den nötigen Einfluss, um politische Entscheidungen durchzusetzen.

Seinen politischen Ambitionen hat dies nicht geschadet. Ghalibaf kandidierte bereits mehrmals für das Präsidentenamt. Ein erfolgreiches Abkommen mit den USA könnte seine Chancen bei den Wahlen in zwei Jahren deutlich verbessern. Insofern ist ein Erfolg der Verhandlungen für Ghalibaf innenpolitisch genauso wichtig wie für Donald Trump. Denn selbst im Regime hat Ghalibaf Feinde im radikalen Lager, die jegliche Gespräche mit Washington ablehnen.

Ein älterer Mann in einem Anzug sitzt in einem elegant dekorierten Raum mit einer Karte im Hintergrund.
Legende: Mohammed Ghalibaf (rechts) bei einem Treffen mit dem pakistanischen Innenminister Mohsin Naqvi. (17.6.2025) Hamed Malekpour/Iranian Parliament Speaker Office/WANA/REUTERS

Im iranischen Spektrum gilt er deshalb nicht als Hardliner, sondern als «konservativer Pragmatiker», sagt Mehrzad Bouroujerdi. Genau das mache ihn zu einem geeigneten Verhandlungspartner: ein Pragmatiker mit genügend Macht, um ein Abkommen im Iran auch umzusetzen. Angesichts der verfügbaren Kandidaten sei er für die USA derzeit der akzeptabelste Partner, meint der Kenner der iranischen Elite.

Echo der Zeit, 17.06.2026, 18 Uhr; herb;noes

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