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Spektakuläre Schiffsenterung Hollywood meets Hormus: Wie der Iran die sozialen Medien kapert

KI-Slop, Memes, filmreifes Entern eines Frachters: Der Iran verinnerlicht das Handbuch der Autokraten – und geht viral.

Zwischen dem Iran und den USA herrscht eine brüchige Waffenruhe. Eine andere Front ist allerdings aktiver denn je: diejenige im Netz. Was mit «KI-Slopaganda» begann, wird nun Realität. Am Dienstag setzten die US-Streitkräfte einen Tanker mit iranischem Öl fest. Prompt verbreitete das Pentagon Aufnahmen der Aktion: 

Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Wenige Stunden, nachdem Trump die Waffenruhe mit dem Iran verlängert hatte, griff Teheran einen griechischen Frachter an. In filmreifer Inszenierung.

Maskierte Männer, Schnellboote und schnelle Schnitte:

Tit for tat – also «wie du mir, so ich dir»? Für Myriam Dunn Cavelty geht es um mehr als das – nämlich um asymmetrische Kriegsführung. «In den Köpfen der iranischen Militärs ist die Strategie fest verankert, auf diese Art die Informationsumgebung zu beeinflussen», sagt die Forscherin am Center for Security Studies der ETH.

Maskierte Soldaten klettern Leitern hoch.
Legende: Teheran und Washington nehmen für sich in Anspruch, die Strasse von Hormus zu blockieren. Aus Blockade und Gegenblockade wird nun Propaganda und Gegenpropaganda – und zwar im Netz. Screenshot X / verbreitet von den Iranischen Revolutionsgarden

Der Iran ist international isoliert und ächzt unter Sanktionen. Das Know-how im digitalen Raum ist aber schon lange vorhanden. «Seit dem Stuxnet-Angriff von 2010 hat sich der Iran zu einem bedeutenden Akteur im Cyberraum entwickelt», sagt Cavelty.

Weckruf für Teheran? Der Stuxnet-Angriff

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Person mit gelbem Helm in technischem Raum gesehen durch runde Türöffnung.
Legende: Stuxnet sabotierte gezielt die iranische Atomanlage Natanz. Keystone/AP/Ebrahim Nourouzi

Der Stuxnet-Angriff war eine hochkomplexe Cyberoperation, die um das Jahr 2010 bekannt wurde und speziell darauf abgezielt hat, das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Es war der erste bekannte digitale Angriff, der physische Zerstörung an industriellen Anlagen verursachte. Es gilt als gesichert, dass die USA und Israel den Computerwurm gemeinsamen entwickelt haben.

Spionage, Hacking, Repression: So lautete das «klassische» Instrumentarium der Cybereinheit der iranischen Revolutionsgarden. Spätestens mit dem Krieg gegen die USA und Israel wird klar, dass sie auch im Informationskrieg im Netz dazugelernt haben.

«Warum die Waffenruhe verlängert wurde»: KI-Propaganda geht viral

Die iranischen Propagandisten verfolgen laut Cavelty intensiv, welches Storytelling und welche Präsentation im Netz funktionieren. «Und durch die Möglichkeiten der KI findet hier eine ‹Demokratisierung› statt.» So lässt sich heute mit wenig Mitteln grosse Wirkung erzielen.

Botschaften als Propagandabeschleuniger

Teheran versucht auch, Trump mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Die Analystin und Factcheckerin Maria Flannery zeichnet für EBU/Spotlight nach, wie iranische Botschaften rund um den Globus KI-generierte Propaganda verbreiten. Gerne auch in Trumps typischer Tonalität.

Das iranische Regime bedient sich laut ETH-Forscherin Cavelty einem Handbuch, auf das auch andere Autokratien und Diktaturen zurückgreifen. So treten der Iran oder auch das stalinistische Nordkorea im Innern absolut «humorbefreit» auf und unterdrücken die freie Meinungsäusserung.

Nach aussen geben sie Internet-Trollen Futter und stören sich offenbar nicht daran, wenn der Ajatollah oder der «Oberste Führer» zum Meme werden. Oder sie transportieren eine Kulisse, die mit der Realität in ihren Ländern nichts zu tun hat.

«Dieses Vorgehen haben die Russen schon lange perfektioniert», sagt Cavelty. Als Inspiration galten etwa berühmt-berüchtigte Internetforen wie 4chan, den Archetypen des modernen Trollings im Netz.

Das Handbuch der Autokraten

«In diesem Bereich agiert der Iran durchaus smart», schätzt die Forscherin. Die gleichzeitig auf eine Art Wettbewerbsvorteil der Autokraten hinweist: «Stellen Sie sich vor, der Bundesrat würde solche Memes und KI-Videos verbreiten.»

Ausnahme: Donald Trump. «Sein Vorgehen erinnert an das ‹Playbook› der Autokraten», sagt Cavelty. Der US-Präsident werde allerdings durch die (Medien-)Öffentlichkeit und die politische Opposition eingehegt.

Lego-Figuren USA und Iran, sarkastische Darstellung.
Legende: Wo Regierungen liberaler Demokratien Gefahr laufen, sich lächerlich zu machen, können Autokraten Likes sammeln. X-Konto «Explosive Media», via EBU/Spotlight

Überschätzen sollte man den Propaganda-Effekt jedoch nicht. Eine Sympathiewelle für das iranische Regime führten solche Kampagnen im Westen kaum herbei, sagt Cavelty. Aber: «Sie können bestehende antiamerikanische oder antiwestliche Reflexe verstärken.»

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Machen sich die Medien zum Erfüllungsgehilfen?

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In den sozialen Medien verbreiten sich KI-generierte Clips, Memes und Propagandavideos wie ein Lauffeuer. Die ETH-Forscherin Myriam Dunn Cavelty macht auch auf einen Effekt abseits der Algorithmen aufmerksam: Auch die Medienberichterstattung über die «KI-Slopaganda» und Desinformationskampagnen verstärkt deren Reichweite.

Autokratische Regime würden mit ihren Kampagnen bewusst darauf abzielen, auch in den traditionellen Medien thematisiert zu werden. «Diese Akteure nehmen auch ein Monitoring der Medienlandschaft vor», so Cavelty. Es stellt sich also die Frage, ob auch klassische Medien zu Erfüllungsgehilfen der Propaganda werden – und nicht nur die sozialen Medien, die Inhalte millionenfach multiplizieren.

SRF 4 News, 23,04.2026, 8:40 Uhr;liea

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