Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Krieg im Iran Iran-Kennerin: «Teheran sitzt jetzt am noch längeren Hebel»

Endet der Krieg zwischen dem Iran und den USA und Israel – oder weitet er sich aus? Donald Trumps Schlingerkurs lässt alles offen. Und aus Teheran kommen unterschiedliche Signale, wie die ARD-Korrespondentin für den Iran, Katharina Willinger, beobachtet.

Katharina Willinger

ARD-Korrespondentin für den Iran

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Katharina Willinger berichtet für die ARD seit 2017 über die Türkei und die Insel Zypern und seit 2020 auch über den Iran. Sie leitet das ARD-Studio Istanbul und auch das ARD-Büro in Teheran.

SRF News: Welche Position nimmt der Iran offiziell ein?

Katharina Willinger: Derzeit gibt es keine offizielle Reaktion des iranischen Regimes auf Donald Trumps Verlängerung der Waffenruhe. Aber die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr der Revolutionsgarden, berichtete, die einseitige Verlängerung zeige, dass Trump begriffen habe, dass er diesen Krieg nicht gewinnen könne – ja, ihn bereits verloren habe. Gleichzeitig warnte Tasnim davor, dass das Ganze ein Hinterhalt der Amerikaner sein könnte, dass bald neue US-Angriffe folgen könnten. In diesem Fall werde man «dem Feind noch empfindlichere Niederlagen zufügen», verlautete es von den Revolutionsgarden.

Grosses Wandbild in einer Stadt mit Verkehr und Gebäuden.
Legende: Auf dem Propagandaplakat in Teheran heisst es: «Strasse von Hormus – für immer in iranischer Hand». Keystone/Abedin Taherkenareh

Laut Medienberichten gibt es womöglich Risse in der iranischen Führung. Wie schätzen Sie dies ein?

Das ist schwierig zu sagen. Letztendlich kommen alle Beteiligten aus dem iranischen Establishment, aus dem Regime. Dabei kann man durchaus Nuancen feststellen – doch am Ende braucht die eine Seite die andere, um die aktuelle Strategie Teherans durchsetzen zu können. Wenn es im Hintergrund also nicht eine drohende Revolutionsgarde gäbe, würde auch der Aussenminister mit seiner Art von Politik nicht durchkommen.

Der Iran spielt das Spiel ‹Good Cop, Bad Cop› schon seit vielen Jahren.

Genauso brauchen die Revolutionsgarden aber jemanden, der stets nach aussen kommuniziert, man sei für Diplomatie offen, man wolle verhandeln; es seien die Amerikaner, die sich nicht an Abmachungen gehalten hätten. Viele Experten bezeichnen dieses Spiel als «Good Cop, Bad Cop». Und dieses betreibt der Iran schon seit vielen Jahren. Ob es jetzt innerhalb des Regimes ernsthafte Risse gibt, lässt sich von aussen aber kaum beurteilen.

Wo sitzt die Macht im Iran?

Box aufklappen Box zuklappen

Eigentlich hat der Revolutionsführer das Sagen im Land. Doch der bisherige Führer Ayatollah Ali Chamenei wurde zu Beginn des Krieges Ende Februar getötet. Kurz darauf wurde sein Sohn Modschtaba als Nachfolger eingesetzt. Doch dieser ist seither nie öffentlich aufgetreten, auch hat man seine Stimme seither nie gehört. Laut Gerüchten soll er beim Angriff auf seinen Vater schwer verletzt worden sein.

Sicher ist: In den letzten Jahren hat sich die Macht im Iran stetig vom Revolutionsführer hin zu den Revolutionsgarden verschoben. Die Eliteeinheit wurde einst gegründet, um die Islamische Republik um jeden Preis zu bewahren. Und jetzt im Krieg wird deutlich, dass alle Entscheidungen, die von den Revolutionsgarden gefällt werden, auch umgesetzt werden – etwa die Sperrung der Strasse von Hormus. (Katharina Willinger)

Wie gross ist die Bereitschaft des iranischen Regimes, etwas zu tun, damit die Waffenruhe verlängert oder sogar ein Frieden möglich wird?

Oberstes Ziel des iranischen Regimes ist es, zu überleben und an der Macht zu bleiben. In Teheran hat man erkannt, dass man mit der Strasse von Hormus einen immensen Trumpf in der Hand hat, den man jetzt weiter ausspielt. Rund um die Verlängerung der Waffenruhe und mögliche Gespräche mit den USA in Islamabad hat man hoch gepokert und darauf gedrängt, dass Trump die Blockade der USA aufhebt.

Es wurde klar, dass Trump kein Interesse daran hat, den Krieg zu verlängern – und damit sitzt der Iran jetzt noch stärker als zuvor am längeren Hebel.

Mit der einseitigen Verlängerung der Waffenruhe durch Trump wurde nun klar, dass dieser überhaupt kein Interesse daran hat, den Krieg zu verlängern. Und damit sitzt der Iran jetzt noch stärker als zuvor am längeren Hebel. Man versucht jetzt, alles herauszuholen, was möglich ist: vielleicht ein Aufheben der Sanktionen, aber auch das Überleben des Regimes.

Was bedeutet das für die iranische Bevölkerung?

Für sie ist es besonders bitter. Ausgangspunkt der ganzen Krise waren ja die Massenproteste im Iran im Januar, bei denen Tausende Menschen getötet wurden. Trump versprach damals Hilfe. Und jetzt möchte er mit eben jenem Regime verhandeln, das die Demonstrierenden getötet hat. Leidtragende dieses Krieges ist also die iranische Bevölkerung – auch im Hinblick auf eine Zukunft, in der dasselbe Regime weiterhin an der Macht ist und seine Repressionen weiterhin an den Iranerinnen und Iranern auslassen wird.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Diskutieren Sie mit:

Rendez-vous, 22.4.2026, 12:30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel