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Musk vs. OpenAI «Altman und Musk erschienen vor Gericht beide glaubwürdig»

Im Prozess zwischen Tech-Unternehmer Elon Musk und OpenAI könnte ab dieser Woche jederzeit ein Urteil gefällt werden. Die Jury hat mit ihren Beratungen begonnen. Nicolas Killian hat den Prozess vor Ort mitverfolgt und erklärt, welche Gefahr OpenAI drohen könnte und was Elon Musk mit seinen Anschuldigungen bezweckt.

Nicolas Killian

KI-Experte

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Nicolas Killian studierte Wirtschaft und Informatik in München und China (M.Sc.) und arbeitete mehrere Jahre in der Techbranche. Er absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Seit 2024 schreibt er für das Digitalressort der ZEIT über künstliche Intelligenz, seit Anfang 2025 aus San Francisco und dem Silicon Valley. Seit 2026 ist er KI-Korrespondent der ZEIT.

SRF News: Elon Musk wirft OpenAI vor, aus Geldgier die Non-Profit-Vision fallengelassen zu haben. Wie glaubwürdig war diese Position vor Gericht?

Nicolas Killian: Sie wirkte insofern glaubwürdig, weil OpenAI 2015 als gemeinnützige Firma gegründet wurde, mit dem Ziel, KI zum Wohle der Menschheit zu entwickeln. 2026 ist OpenAI eines der wertvollsten Unternehmen der Welt und macht Milliardenumsätze. Elon Musk hat in dem Gerichtsprozess versucht, OpenAI-Chef Sam Altman und seinen Vize Greg Brockman möglichst schlecht dastehen zu lassen. Im Zuge des Prozesses kamen Tagebucheinträge an die Öffentlichkeit, in denen etwa Brockman schreibt, er wolle mal Milliarden verdienen – heute gehören ihm Anteile von OpenAI im Wert von 30 Milliarden. Zudem gab es etliche Zeugenaussagen von langjährigen Begleitern, in denen Altman nicht sonderlich gut wegkam. All dies stellt für OpenAI ein Problem dar, weil das Unternehmen dieses Jahr an die Börse möchte.

Hintergründig will er seinen grossen Konkurrenten schwächen und möglicherweise Rache ausüben.

Was bezweckt Musk?

Laut eigenen Aussagen möchte er das Beste für die Menschheit, und ihm bereitet die schnelle Entwicklung von KI Sorgen. Aber all das darf man bezweifeln, Musk hat mit xAI eine Konkurrenzfirma zu OpenAI gegründet, hintergründig will er seinen grossen Konkurrenten schwächen und möglicherweise Rache ausüben.

Wie glaubwürdig war Sam Altman vor Gericht?

Auch Altman erschien vor Gericht durchaus glaubwürdig, das ist das Spannende an diesem Prozess. Er konnte vor Gericht darlegen, dass auch Musk, etwa um den Zeitpunkt 2018 herum, also lange vor ChatGPT, einer eigentlichen «For Profit»-Ausrichtung von OpenAI zugestimmt hatte. Ausserdem konnte er vor Gericht darlegen, dass die Entwicklung von KI eben nur durch riesige Summen von Investoren zu bewerkstelligen ist. Nach wie vor gibt es diese gemeinnützige Organisation, welcher ein grosser Anteil der Tochtergesellschaft gehört, welche nun an die Börse gehen möchte.

Altmans Ruf hat durch die Dokumente und Zeugenaussagen gelitten, und das ist für einen Börsengang nicht förderlich.

Viele gehen davon aus, dass OpenAI den Prozess gewinnen könnte. Bliebe trotzdem ein Reputationsschaden zurück?

Altmans Ruf hat durch die Dokumente und Zeugenaussagen gelitten, und das ist für einen Börsengang nicht förderlich. Aber genau darum geht es mutmasslich Musk, also möglicherweise gar nicht um zu gewinnen, sondern lediglich darum, dass diese Dinge an die Öffentlichkeit kommen und der Ruf seines Konkurrenten leidet.

Gibt es Anzeichen, dass Gerichte oder Regierungen die grosse Macht der Tech-Milliardäre im KI-Bereich einschränken wollen?

Die Trump-Regierung hat diese Industrie im vergangenen Jahr geschützt und ihr versprochen, jegliche Regulierung abzubauen oder gar nicht erst einzuführen. Aber aktuell bewegt sich etwas: Die Technologie wird immer besser, insbesondere im Programmieren und bei Cyberangriffen. Gewisse Leute in der Trump-Regierung sind alarmiert und es wird doch wieder offen über Regulierungen gesprochen. Aber das Narrativ hier in den USA ist schon eher, dass sich die USA in einem technologischen Wettrennen mit China befinden und man diese Industrie auf keinen Fall bremsen darf. Ich denke, dass die Macht der KI-Chefs weiterhin sehr gross bleibt und die Industrie auch nicht sonderlich reguliert wird, zumindest nicht in den USA.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

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SRF 4 News, 18.5.2026, 6:15 Uhr ; 

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