Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Boeing 737 Max 8 bleibt in einigen Ländern am Boden abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.03.2019.
Inhalt

Nach Absturz in Äthiopien «Boeing wollte Piloten mit der Automatisation Arbeit abnehmen»

Die Boeing 737 ist ein bewährtes Modell – bei der Version Max 8 gab es Änderungen. Eine Aviatik-Experte hat Erklärungen.

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien mit 157 Todesopfern müssen Dutzende Maschinen des relativ neuen Flugzeugtyps Boeing 737 Max 8 in mehreren Ländern am Boden bleiben. Die Boeing 737 ist eigentlich ein bewährtes Modell. Bei der neuen Version Max 8 gab es aber Anpassungen. Aviatik-Experte Michel Guillaume gibt Antworten.

SRF: Wo liegt der Unterschied zwischen der Boeing 737 und der 737 Max 8?

Michel Guillaume: Der Unterschied ist, dass die Motorgondel (Triebwerk) einen grösseren Durchmesser hat. Um die gleiche Bodenfreiheit einzuhalten, musste das Triebwerk nach vorne versetzt und höher angesetzt werden. Das führt dazu, dass bei der Maschine im Steigflug beim Start die Strömung früher abreisst als beim Vorgängermodell.

Es gibt da ja auch eine Automatik, inwiefern kann diese für den Piloten problematisch sein?

Es gibt eine Automatik. Boeing hat eine Softwarelösung gewählt, das heisst, der Pilot sollte eigentlich gar nichts merken davon. Wenn ich an diese Grenze komme, sollte die Software das Flugzeug automatisch in die gute Position bringen, wo die Strömung nicht abreisst.

Wenn da die Sensoren nicht funktionieren, was ist dann das Problem?

Dann bekommt der Computer falsche Daten, er glaubt nämlich, er sei in einem anderen Zustand und reagiert entsprechend falsch. Und der Pilot ist überrascht, er hat kein Training dafür gemacht, er weiss von nichts, er hat keine Chance zu reagieren. Er macht praktisch einen Blindflug.

Diese Automatik war den Piloten bis vor kurzem nicht bekannt, sagen sie. Warum kann so etwas fatal sein?

Es kann fatal sein, weil es in der kritischen Flugphase wesentlich ist, dass der Pilot sein Flugzeug beherrschen kann – mit oder ohne Automatik. Und darum ist es wichtig, dass er informiert ist. Eigentlich wollte Boeing mit der Automatisation den Piloten Arbeit abnehmen.

Warum hat Boeing das nicht kommuniziert?

Boeing wollte keine Verwirrung stiften. Es ist das Ziel von Boeing, dass die Piloten das alte wie das neue Modell fliegen können. Und es hätte nur Verwirrung gestiftet im Cockpit, wenn man das kommuniziert hätte.

Prof. Dr. Michel Guillaume

Prof. Dr. Michel Guillaume

Michel Guillaume ist Professor für Aviatik, Leiter des Zentrums für Aviatik an der ZHAW und Physiker.

Das Gespräch führte Christian Rentsch.

Legende: Video Erste Konsequenzen nach Flugzeugabsturz abspielen. Laufzeit 02:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.03.2019.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

11 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.