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Die USA ziehen ihre Truppen ab – und die Kurden bangen
Aus Tagesschau vom 07.10.2019.
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Nach Abzug der US-Truppen Diese Interessen verfolgen die USA und die Türkei

Das Weisse Haus kündigte an, die US-Truppen aus dem umkämpften Nord-Syrien abzuziehen und die kurdischen Verbündeten nicht länger zu unterstützen. Die Türkei droht mit Einmarsch. Warum gerade jetzt – und wie geht es weiter?

Was ist passiert? Rund Tausend US-Soldaten waren zuletzt noch in Nord-Syrien stationiert. Jetzt ziehen sie ab, heute Morgen schon haben die Amerikaner mehrere Stellungen geräumt. Die USA machen so den Weg frei für den Einmarsch des türkischen Militärs. Zurück bleiben die kurdischen Verbündeten.

Warum ziehen die USA eigentlich gerade jetzt ab? US-Präsident Donald Trump ist der Einsatz in Syrien schon seit längerem ein Dorn im Auge. Die Amerikaner sind kriegsmüde. Ein Grossteil der Bevölkerung hat die Rolle des Weltpolizisten satt. Trump hatte schon im Januar angekündigt, er wolle 2000 US-Soldaten aus Syrien abziehen. «Syrien wurde vor langer Zeit verloren», erklärte er damals. «In Syrien geht es nicht um gewaltigen Reichtum. Wir reden über Sand und Tod», sagte Trump. Sein damaliger Verteidigungsminister James Mattis trat aus Protest gegen diese Ankündigung jedoch zurück. Und auch international sorgte Trumps Plan für viel Kritik. Daraufhin verschoben die USA den Abzug.

Doch nun sieht es so aus, als ob Trump seine Drohung wahr macht und die Kurden, die Seite an Seite mit den US-Soldaten gegen den IS gekämpft haben, im Stich lässt. Auf Twitter hält er jedoch dagegen, dass er die Türkei im Auge behalten werde. Dabei droht er mit der Auslöschung der türkischen Wirtschaft, sollten Soldaten in Syrien einmarschieren.

Wieso droht der türkische Staatspräsident mit dem Einmarsch in Nord-Syrien? Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag erklärt, ein militärischer Einsatz in Nord-Syrien könne in den kommenden Tagen beginnen.

Die Türkei will schon seit längerem in dem benachbarten Bürgerkriegsland eine sogenannte Sicherheitszone aufbauen und die Kurden von dort verdrängen. Erdogan bezeichnet die kurdische YPG-Miliz als Terroristen. Der syrische Ableger der PKK kämpft für ein autonomes Territorium der Kurden. Erdogan kündigte nun an, er wolle zwei Millionen syrische Flüchtlinge in Nord-Syrien ansiedeln. Die Türkei hat in den vergangenen Jahren rund 3.6 Millionen Syrer aufgenommen. Die Stimmung gegen die Flüchtlinge in der türkische Bevölkerung kippt zunehmend. Grund genug, für Erdogan den starken Mann zu markieren.

Karte von Syrien
Legende: Die USA und die Türkei hatten sich bereits vor Monaten auf die Umsetzung einer sogenannten Sicherheitszone geeinigt. In der Umsetzung vertraten sie aber bisher unterschiedliche Meinungen. SRF

Was erwartet nun die Kurden? Die Kurden haben das Unheil kommen sehen. Am Sonntag demonstrierten sie gegen eine türkische Invasion. Vor einer amerikanischen Basis appellierten sie an den Schutz durch die Internationale Gemeinschaft. Sie fürchten, von den Türken vertrieben zu werden. Der Krieg werde die Kurden zwingen zu fliehen, erklärt ein YPG-Milizionär heute. Die Bevölkerung werde ausgetauscht und es werde viel Zerstörung geben.

Die Kurden kontrollieren derzeit knapp 30 Prozent von Syrien. Mit US-Hilfe hat sich die YPG-Miliz in den vergangenen Monaten auch Richtung Süden und Osten in die ehemalige IS-Hochburg Rakka und darüber hinaus ausbreiten können. Sollten die USA nun abziehen, müssten die Kurden neue Verbündete finden. Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatte ihnen schon vor Monaten vorgeschlagen, sich auf ihre Seite zu schlagen. Angesichts der türkischen Bedrohung wird dieses Angebot wieder attraktiver.

Wie geht es weiter? Ob ein türkischer Einmarsch in Nord-Syrien tatsächlich stattfindet, ist derzeit völlig offen. Erdogan kündigte heute an, er wolle im November in Washington mit Trump zusammentreffen. Das Weisse Haus bestätigte dies bislang jedoch nicht.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Wie soll Erdogan gestoppt werden? - Das ist doch hier die grosse Frage. Und da gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Das sich die USA da vorerst einmal zumindest zurück ziehen müssen. liegt sichtlich auf der Hand. Mit nur 1'000 Mann allein kann man nichts, rein gar nichts machen und schon gar nicht den Kurden helfen. Das scheinen einige (pardon) Maulhelden, nicht zu begreifen. PS: zum Glück ist die Türkei nicht auch noch in der EU !
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    1. Antwort von E Hitz  (Amigo_Home)
      Den Verkauf von Waffen an die Türkei scheinen die Amis aber nicht satt zu haben vor denen sie sich jetzt angeblich zurück ziehen müssen.
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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Also mit nur 1'000 Mann vor Ort kann man nicht viel erreichen und verstrickt sich eh nur selber in eine gefährliche Sache. Aus einer aussichtslosen Situation zieht man sich rasch zurück. Und an all jene hier, die da nun Solidarität mit den Kurden einfordern, sie sollten doch mal selber an die Front und da ihren eigenen Kopf mal herhalten. Da wird es nämlich so sein, das Kugeln fliegen, Granaten verschossen werden. Mit Kampfsport-Schreiberei hält man keine Armee auf.
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    1. Antwort von Nunzio DiResta  (Nunzio)
      Nur schon ein toter US Soldat könnte das Fass zum Überlaufen bringen. Tausend davon, das ist eine Garantie, dass die Türken schön vorsichtig und daheim bleiben werden.
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  • Kommentar von Mark De Guingois  (MDG)
    Die Existenz der NATO wird einmal mehr strapaziert... On der Tat ist die da um ein Mitglied zu unterstützen, sollte er angegriffen werden. Wenn aber ein NATO Mitglied von einem anderen bedroht wird (ob zu Recht oder nicht, wohl verstanden) könnte dies das Ende vom Bündnis bedeuten. Wer sich darüber am meisten freuen würde? Ja richtig : Trump, aber sicher auch Putin. Wetten Wir es kommt nicht soweit?
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    1. Antwort von Luzius Brotbeck  (LuziBrot)
      Wenn hier jemand bedroht wird, dann ist es ja die territoriale Integrität Syriens, Sowohl die Türkei als auch die USA sind absolut völkerrechtswidrig in Syrien. Beide destabilisierten Syrien mit dem Ziel, dessen Regierung zu stürzten. Sie bewaffneten und finanzierten radikal-islamistische Dschihadisten à la Al-Nusra, Al-Kaida, HTS, die sie z.T. als "gemässigte Rebellen" propagierten. Das Territorium gehört auch nicht SDF oder YPG sondern einzig und allem syrischen Staat und dessem Volk!
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