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Grenfell-Inferno: Untersuchungsbericht belastet Feuerwehr
Aus Tagesschau vom 30.10.2019.
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Nach Brand mit 72 Toten Grenfell-Turm bleibt ein Mahnmal

Noch heute ragt der Grenfell-Turm wie ein Mahnmal in den Londoner Himmel und ist von weit herum sichtbar. Der heutige Bericht ist ein wichtiger erster Schritt für die Aufarbeitung der Brandkatastrophe. Viele Angehörige und Überlebende trauten der Untersuchung nicht, sie fürchteten die Fehler der Verantwortlichen könnten unter den Tisch gewischt werden.

Der heutige Bericht ist in den Formulierungen scharf und macht die Entscheidungen der Feuerwehrkommandanten, wie etwa die späte Evakuierung, klar für die Tragödie mitverantwortlich.

Zweiter Bericht wird mehr Klarheit bringen

Das hat prompt für Kritik gesorgt. Für viele Einsatzkräfte der Feuerwehr ist es schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet sie, welche ihr Leben riskiert haben um dieses Feuer zu löschen nun kritisiert werden. Doch dies ist auch der Aufteilung der Aufarbeitung geschuldet.

Erst ein zweiter Bericht wird den Fokus auf die Isolationsmaterialien, die Kontrollorgane und die Bauvorschriften richten. Dort sind vermutlich Fehler zu finden, die dazu geführt haben, dass die Feuerwehr überfordert war, weil sich ein harmloses Küchenfeuer zu einem tödlichen Flammeninferno ausbreitete.

Warum wollte niemand auf sie hören?

Was diese Untersuchung aber wohl kaum leisten kann, sind die übergeordnete gesellschaftspolitischen Fragen, welche diese schreckliche Tragödie ebenfalls an die Oberfläche brachte. Grenfell bot mit seinen Sozialwohnungen eine Wohnmöglichkeit für Menschen der unteren Einkommensgruppe.

Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn solche Menschen nicht gehört werden und letztlich umkommen? Denn die Bewohner hatten schon Monate vor dem Brand die Behörden aufgefordert, den Brandschutz zu verbessern und Sprinkleranlagen einzubauen. Warum wollte niemand auf sie hören?

Wohnmöglichkeiten wären vorhanden

Nach der Brandkatastrophe war es für die Überlebenden kaum möglich, neue Wohnungen im Stadtteil zu finden. Und dies, obwohl Grenfell in einem der reichsten Bezirke des Landes steht, in welchem über 1000 Wohnungen leerstehen.

Die leerstehenden Wohnungen kosten meist weit über eine Million. Wenn sie bewohnt sind, dann von Millionären und Milliardären. Um die Wohnmöglichkeiten für die ärmeren Bevölkerungsgruppen haben sich viele Londoner Stadtbezirke über Jahre kaum gekümmert.

Viele Angehörige und Bewohner des Stadtteils Kensington fühlen sich bis heute von den Behörden im Stich gelassen, fühlen sich als Bürger zweiter Klasse. Der Grenfell-Turm bleibt über den Untersuchungsbericht hinaus ein Mahnmal. Nicht nur für eine schreckliche Brandkatastrophe, sondern auch für soziale Ungerechtigkeit und gesellschaftspolitische Probleme.

Henriette Engbersen

Henriette Engbersen

Grossbritannien-Korrespondentin, SRF

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Engbersen ist seit Frühling 2017 Grossbritannien-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Schweizer Fernsehen tätig, zuerst als Ostschweiz-Korrespondentin und später als Redaktorin der «Tagesschau».

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Ich bin weder Baufach- noch Feuerwehrmann, aber stets fällt auf, ob ein Flugzeug abstürzt oder ein Wohnturm abbrennt: Schuld ist der Pilot und die Feuerwehr. Tote können sich schlecht verteidigen, aber mit Haftungsfragen, also Geld, hat das nichts zu tun, gar nichts, . Was auch auffällt: Wohntürme brennen bekanntlich ab, aber nicht hierzulande. Die Hochhausdebatte wird bei uns als eine der Ästhetik geführt, Sicherheit, Energie- (auch graue), Ressourcenverbrauch, soziale Eignung, kein Wort davon.
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    1. Antwort von Peter Singer  (P.S.)
      Dass ein Hochhaus auf diese Weise ab rennt ist schon einzigartig. Schuld ist die hoch brennbare Isolationsschicht an der Aussenfassade, da wollte man wohl Kosten sparen. Man kann wohl schon davon ausgehen, dass das bei uns nicht passieren könnte, weil diese Materialien nicht verwendet werden.
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