Zum Inhalt springen

Header

Video
USA und Russland wollen Gespräche zu Cybersicherheit aufnehmen
Aus Tagesschau vom 17.06.2021.
abspielen
Inhalt

Nach Genfer Gipfel Tabuzonen für Sabotage-Angriffe im Interesse von USA und Russland

Die Grossmächte USA und Russland könnten eine Eskalation von gegenseitigen Cyber-Attacken verhindern, sagt ein ETH-Experte.

Jetzt reicht es. Aus Sicht der USA scheinen die Angriffe, deren Täterschaft in Russland vermutet wird, ein Mass überstiegen zu haben, auf das man nicht mehr nur im Verborgenen – etwa mit Cyber-Verteidigung – reagieren kann. Nein, das Thema drängte an die Öffentlichkeit, war eines der Drängendsten des gestrigen Treffens der Präsidenten Putin und Biden in Genf.

Ich habe vorgeschlagen, gewisse kritische Infrastrukturen sollen tabu sein für Cyber-Attacken. Punkt. Tabu für Attacken aller Art.
Autor: Joe BidenUS-Präsident

Der US-Präsident sagte denn auch: «Ich habe vorgeschlagen, gewisse kritische Infrastrukturen sollen tabu sein für Cyber-Attacken. Punkt. Tabu für Attacken aller Art.»

Erst im Mai hat es eine Lebensader der USA getroffen, eine Pipeline. Die Betreiberfirma war mit einer Ransomware erpresst worden. Warteschlangen an Tankstellen waren die Folge. Die verdächtigen Täter: eine kriminelle Gruppe aus Russland.

Gegenseitige Beschuldigungen

Es war der jüngste einer ganzen Reihe von Angriffen, deren Hinterleute US-Behörden in Russland vermuteten. Wie weit diese mit dem Segen oder sogar, wie teils vermutet, sogar auf Anweisung der russischen Führung handelten, lässt sich unabhängig nicht verifizieren. Präsident Putin wies entsprechende Vorwürfe stets zurück. Und er betonte gestern in Genf, die meisten Cyber-Angriffe weltweit würden vom Gebiet der USA ausgehen.

Dem gestrigen Gipfel waren gegenseitige Beschuldigungen von Cyberattacken vorausgegangen, doch schienen sich Putin und Biden in einem Punkt gefunden zu haben: Das Thema Cybersecurity soll auf die Agenda einer gemeinsamen Arbeitsgruppe kommen.

Eskalation von Sabotage-Angriffen verhindern

Das scheint ein bescheidener Schritt zu sein. Aber immerhin. Das findet auch der Cybersecurity-Forscher Florian J. Egloff vom Center for Security Studies CSS der ETH Zürich. Es gebe durchaus Bereiche, in denen sich die Interessen der zwei Grossmächte auch im Cyber-Raum deckten, sagte er im Interview mit der «Tagesschau»: «Möglichkeiten gibt es insbesondere im Bereich der Cyber-Kriminalität, da hat man gemeinsame Interessen, da könnte man in gewissen Fällen auch zusammen kooperieren.»

Wenn die gemeinsame Arbeitsgruppe den ernstgemeinten Auftrag erhält, die Spannung im Cyber-Raum zumindest zu entschärfen, so könnten, wie von Biden gefordert, gewisse Tabuzonen definiert werden, etwa Energieversorgung, Gesundheitswesen, Verkehr, die Sicherheit der Atomwaffen. Das könne auch im Interesse Russlands sein – eine Eskalation fortwährender Sabotageangriffe und Gegenangriffe sei es kaum, so Egloff.

Wohl keine Eindämmung der Spionage

Man dürfe aber auch nicht zu hohe Erwartungen in eine entsprechende Übereinkunft setzen, sagt der Cybersecurity-Forscher. Bestimmt nicht einschränken lassen würden sich weder Russland noch die USA in einem Punkt: «Was eher nicht der Fall sein wird, wird eine Eindämmung der Spionagetätigkeit, gerade im Rüstungssektor, da werden sich beiden Seiten weiter gegenseitig ausspionieren.»

Denn: auch die USA nutzten den Cyberraum für ihre Interessen, sagt Egloff: «Die USA sind sehr aktiv im Spionagebereich, sie haben grosse Aufklärungsfähigkeiten, die sie in Russland auch einsetzen.» Russland nutze Cyber-Kapazität ebenfalls für Spionage, hinzu kämen Einflussnahmen sowie Störaktionen. «Und dann gibt es auch kriminelle Gruppierungen, die aus Russland heraus arbeiten, und das ist den Amerikanern ein Dorn im Auge.»

Was Cybersecurity angeht, so haben wir beschlossen, Gespräche zu beginnen. Meiner Meinung nach ist das sehr wichtig. Nur: Wer geht welche Verpflichtungen ein?
Autor: Wladimir PutinRussischer Präsident

Wladimir Putin parierte in Genf zwar die Vorwürfe, zeigt sich aber auch kooperativ. So einige man sich auf die Absicht, eben jene Arbeitsgruppe zu gründen. «Was Cybersecurity angeht, so haben wir beschlossen, Gespräche zu beginnen. Meiner Meinung nach ist das sehr wichtig. Nur: Wer geht welche Verpflichtungen ein?», sagte Putin an seiner Pressekonferenz und traf damit wohl die Kernfrage.

Tagesschau vom 17.06.2021, 19.30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Roger Gründler  (Roger G.)
    Fairerweise sollte man hier nicht unerwähnt lassen, dass V. Putin eine solche Zusammenarbeit bei Cybersecurity schon lange gefordert hat. Am G20 Gipfel in Hamburg 2017 gab es sogar einen Vorschlag von Trump eine amerikanisch-russische Sondereinheit zu bilden. Doch sein Vorstoss sorgte in den USA umgehend für harsche Kritik auch in den eigenen Reihen. Der Vorschlag wurde von Trump zurückgezogen.
  • Kommentar von Peter Steiner  (Stein des Anstosses)
    Auch ein interessantes Verständnis- Militär und Infrastruktur sind tabu, Firmen und Bürger dürfen ausspioniert und attackiert werden, oder wie?
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Bemerkenswerter Gegensatz: einerseits sollen wir digitalisieren bis zum geht nicht mehr, anderseits präsentiert man uns die super Drohung Cyberattacke.
    Bestes Gegenmittel : Digitalisierung bremsen und stoppen.
    Wir leben ja schon inmitten einer "Update Tsunami".