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Nach Gipfeltreffen mit Putin Harsche Kritik an Trumps Aussagen – auch aus eigenen Reihen

Legende: Audio Selbst als «Verräter» wird Trump in der Heimat beschimpft abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
02:09 min, aus HeuteMorgen vom 17.07.2018.
  • Selbst Unterstützer von Donald Trump kritisieren dessen Auftritt an der Medienkonferenz nach den Gesprächen mit Kreml-Chef Putin.
  • Trump solle seine umstrittenen Äusserungen klarstellen.
  • Trump selbst rechtfertigt seine Vorgehensweise: Er habe sowohl in seine Geheimdienste als auch in Putin Vertrauen. Er wolle das angespannte Verhältnis zwischen den Ländern verbessern.

Nach dem Gipfel mit Kreml-Chef Wladimir Putin wächst der Druck auf US-Präsident Donald Trump, umstrittene Äusserungen klarzustellen. Während aus Russland viel Lob kam, schlägt Trump in der Heimat eine Welle parteiübergreifender Kritik an seinem Kuschelkurs gegenüber Putin entgegen.

Selbst einer der grössten Trump-Unterstützer, der Republikaner Newt Gingrich, sprach vom bislang ernsthaftesten Fehler des Präsidenten seit Amtsantritt vor rund anderthalb Jahren.

Trump müsse seine Äusserungen über die US-Geheimdienste und Putin umgehend korrigieren, verlangte Gingrich via Twitter. Andere Politiker beschrieben Trumps Auftreten mit Worten wie «beschämend», «schändlich», «verräterisch», «gefährlich» oder «schwach». Der Mehrheitsführer von Trumps Republikanern im US-Senat, Mitch McConnell, sagte: «Russland ist nicht unser Freund.»

Vertrauen in beide Parteien

Putin hatte bei der Pressekonferenz mit Trump jede Einmischung in die US-Präsidentenwahlen von 2016 dementiert. Für Empörung sorgte in den USA dann, dass Trump sich nicht auf die Seite der US-Geheimdienste stellte, die wie die Ermittlungsbehörden von einer russischen Urheberschaft überzeugt sind.

«Ich habe grosses Vertrauen in meine Geheimdienstleute», sagte Trump. «Aber ich werde Ihnen sagen, dass Präsident Putin in seinem Dementi heute extrem stark und kraftvoll war.» Er fügte hinzu: «Ich habe Vertrauen in beide Parteien.»

«Er hat das Wort des KGB über die Männer und Frauen der CIA gestellt», sagte der Oppositionsführer im US-Senat, Chuck Schumer. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Senat, der Republikaner John McCain, kritisierte: «Die heutige Pressekonferenz in Helsinki war eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken.»

Der republikanische Kongressabgeordnete und frühere CIA-Mitarbeiter Will Hurd schrieb auf Twitter: «Ich habe in meiner beruflichen Karriere viele Menschen gesehen, die vom russischen Geheimdienst manipuliert wurden, und ich hätte nie gedacht, dass der US-Präsident einer derjenigen sein würde, die von routinierten KGB-lern über den Tisch gezogen wurden.»

Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte zu Trumps Auftritt auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin, er habe die Chance vertan, eine klare Warnung an Russland zu senden, solche Einmischungen künftig zu unterlassen. Trumps Äusserungen dürften als Schwäche interpretiert werden und mehr Probleme schaffen als sie lösten.

Der frühere Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John Brennan, kritisierte auf Twitter, die Pressekonferenz Trumps mit Putin sei «nicht weniger als verräterisch» gewesen. «Er ist vollständig in der Tasche Putins.»

Trump rechtfertigt sich via Twitter

Angesichts der Kritik meldete sich Trump während seines Rückflugs in die USA bei Twitter zu Wort: «Wie ich heute und oft davor gesagt habe, »ich habe RIESIGES Vertrauen in MEINE Geheimdienstleute«.

Allerdings muss ich auch anerkennen, dass wir uns nicht ausschliesslich auf die Vergangenheit konzentrieren können, um eine hellere Zukunft zu bauen – als die beiden weltgrössten Atommächte müssen wir miteinander auskommen.»

Mehr als zwei Stunden lang sprachen die beiden Präsidenten am Montag in Helsinki zu zweit, nur von Dolmetschern begleitet. Anschliessend kamen die Aussenminister Sergej Lawrow und Mike Pompeo sowie zwei weitere Berater auf jeder Seite dazu.

Trump und Putin versuchten nach eigenen Worten, in Helsinki einen Neuanfang in den schwer belasteten Beziehungen beider Länder zu finden. «Unsere Beziehungen waren nie schlechter als sie es jetzt sind. Das hat sich vor vier Stunden geändert», sagte Trump.

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