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USA-Korrespondentin Isabelle Jacobi über Ruth Bader Ginsburg
Aus Nachrichten vom 19.09.2020.
abspielen. Laufzeit 01:27 Minuten.
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Nachruf Ruth Bader Ginsburg – US-Richterin mit Kultstatus

Ruth Bader Ginsburg war eine richtungsweisende Juristin und eine Ikone der US-Frauenrechtsbewegung. Im hohen Alter wurde sie gar zum Superstar der sozialen Medien.

Gifs, Memes, Kaffeetassen, T-Shirts und ein preisträchtiger Dokumentar-Film: Die eigentlich als introvertiert geltende Ruth Bader Ginsburg genoss im hohen Alter ihren Kultstatus sichtlich. «Notorious RBG» nannten ihre jungen Fans die oberste Richterin, nach dem bekannten Rapper Notorious BIG.

Ruth Bader Ginsburg studierte als eine der ersten Frauen in Harvard und an der Columbia Universität das Recht. Nach dem Studium fand sie zuerst keinen Job. Sie lernte früh, was Diskriminierung heisst.

«Eine Person immensen Charakters»

Als Bürgerrechts-Anwältin gewann sie später gleich mehrere Gleichstellungsprozesse vor dem Obersten Gerichtshof und erreichte, dass hunderte von frauenfeindlichen Gesetzen in den US-Gliedstaaten abgeschafft wurden. Danach amtierte sie als Bundesrichterin in Washington DC.

1993 nominierte sie ein sichtlich beeindruckter Präsident Bill Clinton fürs Oberste Richteramt. Er nannte sie eine Person «immensen Charakters». In der darauffolgenden Anhörung im Senat erklärte Ruth Bader Ginsburg ihr dynamisches Rechtsverständnis.

Generell glaube ich, dass wirklicher Gesellschafts-Wandel Schritt für Schritt erfolgt, und nicht auf einen Schlag.
Autor: Ruth Bader GinsburgRichterin am Obersten US-Gerichtshof

Ruth Ginsburg sprach sich klar für ein Abtreibungsrecht aus und wurde trotzdem von fast allen Republikanern bestätigt. Die Bewunderung für die zierliche Frau mit überragendem Intellekt sprengte die Parteigrenzen.

Trump will bald Nachfolge bekannt geben

In den letzten Jahren fand sich die liberale Oberste Richterin oft in der Minderheit im zunehmend konservativ geprägten Obersten Richtergremium. Aber auch ihre abweichenden Meinungen zu Urteilen des Supreme Court gelten als Meilensteine in der US-Rechtsprechung.

So kommentierte sie die Aufhebung der Wählerschutz-Gesetze für Minderheiten in den Südstaaten 2013 messerscharf: «Das ist, wie wenn man einen Regenschirm im Sturm wegwirft, weil man noch nicht nass geworden ist.»

Video
Trump und Biden über Bader Ginsburg (engl.)
Aus News-Clip vom 19.09.2020.
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Die oberste Richterin nahm ihr Amt trotz erneuter Krebserkrankung bis kurz vor ihrem Tod wahr. Sie äusserte den letzten Willen, dass ihre Nachfolge erst durch einen neu gewählten Präsidenten geregelt werde.

Doch dieser Wunsch geht sehr wahrscheinlich nicht in Erfüllung. Präsident Trump, will in den nächsten Tagen schon die Nachfolge bekannt geben. Er hat versprochen, eine streng konservative Wahl zu treffen, wie schon mit den von ihm ernannten Richtern Gorsuch und Kavanaugh.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

SRF 4 News, 19.09.2020, 06:00 Uhr

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Eine grossartige Frau ist abgetreten. Die Neubesetzung hängt vom Zeitpunkt der Neuwahl ab, um die sich demokratische und republikanische Politiker nun streiten dürften. Ruth Bader Ginsburg ist tot. Ihr innigster Wunsch ist es, dass ihre Position nicht neu besetzt wird, bis ein neuer Präsident im Amt ist. Für US-Präsident Donald Trump ist das die Chance, einen konservativen Richter als ihren Nachfolger für den Supreme Court zu nominieren. Aber reicht die Zeit dafür vor der Wahl noch aus?
  • Kommentar von Marc Grut  (Mr.G.)
    Richter sollten sich eigentlich nicht in die Politik einmischen. Ihr Wunsch keinen Nachfolger zu bestimmen bis ein neuer President gewählt wird, steht nicht in ihrem Kompetenzbereich.
    Parteien ernennen Richter welche ihnen nahe stehen, deshalb kann man erwarten das die Reps jemanden Konservativen ernennen.
    Die Dems ernennen ja auch liberale Richter, ich sehe nicht warum dies den Reps jetzt nicht zustehen sollte.
    Übrigens schlagen auch die Partein in der Schweiz ihnen nahestehende Richter vor.
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      z.b. weil Moscow Mitch noch vor nicht allzu langer Zeit vehement argumentierte, dass im Wahljahr keine neuen Richter ernannt werden? Bin aber nicht überrascht, dass diese doch ziemlich offensichtliche Heuchelei nicht alle erkennen. Obwohl Sie ja auch gerade selber keine Probleme haben Heuchelei zu erkennen laut ihren Aussagen anderswo, anscheinend kommt es einfach darauf an von welchem Lager. Von wegen Heuchelei.
    2. Antwort von Hans Peter Bruppacher  (Hans Peter Bruppacher)
      @Odermatt: Ich kenne Beijing Nancy und China Joe, aber wer ist Moscow Mitch? ;-)
    3. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Bruppacher: Wenn Sie sich breit informieren würden, würden Sie wissen, dass hier von Mitch McConnell, dem Speaker des Senats, die Rede ist. McConnell wird in seinem Heimatstaat offenbar stark mit russischem Kapital unterstützt, und verhilft im Gegenzug russischen Firmen sich in Kentucky zu etablieren.

      Anmerkung: bei MoscowMitch McConnell ist die Bezeichnung zutreffend. Bei den anderen beiden genannten Personen ist sie schlichtwegs erlogen und pure Propaganda!
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    herzliches Beileid allen, die die Zeit mit dieser grossen Frau und ihrem Wirken im In- und Ausland miterleben durften, und nun (wie mir scheint) noch nicht einmal genug Zeit für eine besinnliche Trauerarbeit haben. Betroffen bin ich über die Reps: Da gab es doch auch ganz vernünftige, dem Wohl des ganzen Landes, all seiner Menschen und Welten zugewandte Leute: alle still! und zwar nicht still in Würdigung eines Abschieds, sondern einfach verstummt. Und das Wort haben allsogleich die Lauten!