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Nähe von Córdoba Schweres Zugunglück in Spanien – Ursache möglicherweise Schienen

Möglicherweise sind die beiden Hochgeschwindigkeitszüge wegen einer defekten Schiene zusammengestossen. Der Überblick.

Das ist passiert: Ein schweres Zugunglück ereignete sich am Sonntagabend in der Nähe von Adamuz in der andalusischen Provinz Córdoba. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge entgleisten, wobei nach Angaben der Regionalregierung Andalusiens 45 Menschen ums Leben kamen und mehr als 120 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.

SRF-Auslandredaktorin: «Vertrauen in Eisenbahn leidet wieder»

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Karina Rierola, SRF-Auslandredaktorin: «‹Wie konnte das passieren?› Es ist die Frage, die man sich in Spanien gerade stellt, allen voran Verkehrsminister Oscar Puente. Denn: Der zuerst entgleiste Zug war ein relativ neues Modell, die Bahngleise wurden vor wenigen Monaten erneuert, das Ganze passierte auf einer schnurgeraden Strecke. Nichts, was auf mögliche Ursachen hindeutet. Umso mehr Fragen stellen sich, umso länger könnten die Ermittlungen zur Ursache dauern. Sie sind wichtig, um künftige Tragödien zu verhindern – und für die Angehörigen.

Diese trauern um ihre toten Liebsten, bangen um die Schwerverletzten. «Heute ist eine Nacht tiefster Trauer für unser Land», sagt Ministerpräsident Pedro Sánchez. Es sind schwere Stunden in einem Land, das sich rasch an die Zug-Tragödie bei Santiago de Compostela 2013 erinnerte, als 80 Menschen starben. Das Vertrauen in die Eisenbahn war wieder zurück, doch nun leidet es. ‹Restrisiko›, ‹Schicksal›, ‹Trauer› – es sind gerade die meistgehörten Worte.»

Der Unfallhergang: Ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Trenitalia mit über 300 Menschen an Bord entgleiste gegen 19:40 Uhr auf dem Weg von Málaga nach Madrid und geriet auf das benachbarte Gleis. Ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug der spanischen Gesellschaft Renfe, der mit rund 200 Passagieren von Madrid nach Huelva fuhr, entgleiste daraufhin ebenfalls. «Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», sagte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.

Opferzahlen und Rettungseinsatz: Der Iryo-Zug hatte über 300 Passagiere an Bord, der Renfe-Zug rund 200. Insgesamt wurden mindestens 45 Todesopfer bestätigt. Die Behörden befürchten aber, dass die Zahl noch steigen könnte. Angaben zur Zahl der Verletzten variierten. Während die Polizei nach dem Unfall von mehr als 170 gesprochen hatte, berichtete der staatliche TV-Sender später von 122 Verletzten.

Schwierige Identifizierung: Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte am Montagabend, es seien bis dahin sieben Todesopfer identifiziert worden. Die Behörden baten Familien um DNA-Proben, um die Identifikation zu beschleunigen. Im Fernsehen beklagten Angehörige mangelnde und nur schleppende Informationen über das Schicksal von Vermissten.

Defekte Schienen als mögliche Ursache: Die staatliche Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle Ciaf betonte in ihrem vorläufigen Bericht, es seien Kerben an den Laufflächen der Räder des Iryo-Zuges festgestellt worden. Diese Kerben und die beobachtete Verformung der Schienen deuteten darauf hin, dass eine Schiene bereits gebrochen gewesen sei, bevor der Iryo-Zug darüberfuhr und entgleiste, heisst es in dem vom Verkehrsministerium veröffentlichten Bericht. Ähnliche Kerben seien auch an den Rädern von drei anderen Zügen gefunden worden, die kurz zuvor diesen Streckenabschnitt passiert hätten. Schienenproben würden nun an ein metallografisches Labor geschickt, um die möglichen Ursachen für den Bruch zu ermitteln. Aber auch andere Hypothesen zur Unfallursache würden weiterhin nicht ausgeschlossen, betonte die Kommission.

Unebenheiten in Schienen waren bekannt: Der spanische Schienennetzbetreiber Adif drosselte die Höchstgeschwindigkeit für Züge auf einem Teilstück der wichtigsten Verbindung des Landes zwischen Madrid und Barcelona auf 160 Kilometer pro Stunde. Zugführer hätten von Unebenheiten in den Schienen berichtet, die nun in der kommenden Nacht untersucht werden sollten, teilte Adif mit.

EDA: Noch keine Kenntnis über Schweizer Opfer

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Das Eidgenössische Amt des Äusseren hat Kenntnis vom Zugunglück bei Adamuz in Spanien genommen. Die Schweizer Vertretung in Madrid stehe in Kontakt mit den zuständigen Behörden vor Ort, teilt das EDA mit.

Derzeit lägen keine Informationen über Schweizer Opfer vor. Entsprechende Abklärungen seien im Gang. Schweizerische Staatsangehörige vor Ort sind gehalten, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.

Bundespräsident Guy Parmelin bekundete Spanien seine tiefe Solidarität. Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien und dem gesamten spanischen Volk.

Mehrere von Medien befragte Experten zeigten sich erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, meinte etwa Ingenieur Jorge Trigueros. Die italienische Betreiberin Iryo teilte ausserdem mit, ihr Zug sei vor vier Tagen letztmals gewartet worden.

Tagesschau kompakt, 19.1.2026, 12:45 Uhr ; 

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