- Der wegen Korruption angeklagte israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Staatspräsidenten Izchak Herzog offiziell um Begnadigung gebeten.
- Das Büro von Herzog teilte mit, es habe ein formelles Gnadengesuch von Netanjahu erhalten.
- Es handle sich dabei um einen Brief Netanjahus und einen Brief seines Anwalts.
Gegen den Regierungschef läuft seit Jahren ein Korruptionsprozess. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, von befreundeten Milliardären Luxusgeschenke im Wert von umgerechnet über 160'000 Franken angenommen zu haben – Schmuck, Zigarren und rosa Champagner. Netanjahu hatte in der Vergangenheit stets alle Vorwürfe zurückgewiesen und von einer «Hexenjagd» gesprochen.
Netanjahu: «Sicherheitspolitische Herausforderungen»
Im Brief Netanjahus heisst es, der Korruptionsprozess gegen ihn sei zu einem «Brennpunkt heftiger Auseinandersetzungen» in Israel geworden. Er habe keinen Zweifel daran, «dass ein Abschluss des Prozesses dazu beitragen wird, die Intensität der entstandenen Auseinandersetzungen zu verringern».
Der Regierungschef verwies dabei auch auf die «sicherheitspolitischen Herausforderungen und politischen Chancen, denen der Staat Israel derzeit gegenübersteht». In einer Video-Botschaft (siehe oben) sprach Netanjahu zudem von einer «unmöglichen Forderung» der Richter, dass er dreimal in der Woche aussagen müsse.
Netanjahus Gesuch wird geprüft
Das Gnadengesuch werde nun an eine zuständige Abteilung des Justizministeriums weitergeleitet, so das Büro von Staatspräsident Herzog. Diese werde die Meinungen aller relevanten Behörden dazu einholen. Auf der Basis werde in einem nächsten Schritt das juristische Beratungsteam im Büro des Präsidenten eine Meinung formulieren.
«Das Büro des Präsidenten ist sich bewusst, dass es sich um ein aussergewöhnliches Gesuch mit weitreichenden Konsequenzen handelt», hiess es weiter in der Mitteilung. «Nachdem alle relevanten Stellungnahmen eingegangen sind, wird der Präsident das Gesuch verantwortungsvoll und gewissenhaft prüfen.»
Trump spricht von politisch motivierter Anklage
US-Präsident Donald Trump hatte Herzog kürzlich dazu aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Er respektiere die Unabhängigkeit der israelischen Justiz, glaube aber, dass die Anklage gegen Netanjahu politisch motiviert und nicht gerechtfertigt sei, hiess es einem von Trump unterschrieben Brief an Israels Präsidenten, den Herzogs Büro zuletzt veröffentlicht hatte.
In Israel hatte es vor dem Hintergrund der schweren politischen Verwerfungen im Land immer wieder Debatten um eine Begnadigung Netanjahus gegeben. Herzog hatte in der Vergangenheit gesagt, kein Mensch stehe über dem Gesetz, er behalte sich aber vor, in der Frage nach seinem Gewissen zu handeln. Israels Opposition hatte den Vorstoss kritisiert.