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Besuch in Washington Darum wurde Netanjahu von Trump eher kühl empfangen

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu war bei US-Präsident Donald Trump in Washington. Ihre Beziehung hat sich in den letzten Monaten wegen des nicht enden wollenden Iran-Kriegs verändert. Erläuterungen dazu von SRF-Auslandredaktorin Susanne Brunner.

Susanne Brunner

Leiterin Auslandsredaktion von Radio SRF

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Susanne Brunner leitet die Auslandredaktion von Radio SRF. Das zirka 20-köpfige Team setzt Radiobeiträge aus allen Weltregionen um – und sie hält die Fäden zusammen.

Wie war Netanjahus Besuch bei Trump?

Netanjahu wurde mit merklich weniger Pomp und Wärme empfangen als bei früheren Besuchen in Washington. Es gab keinen roten Teppich vor dem Weissen Haus, Israels Premier betrat dieses durch einen Seiteneingang. Israelische und US-Medien spekulierten, ob ihn dort überhaupt jemand gebührend in Empfang genommen habe. Im Vorfeld hatte Trump öffentlich nicht gerade gut über Netanjahu gesprochen. Man bekam fast den Eindruck, dass der Besuch Trump unangenehm sei. Vielleicht demonstrierte Trump auch absichtlich etwas Distanz zu Netanjahu, weil der Krieg, den er mit Israel gegen den Iran führt, bei seiner eigenen Wählerbasis an Unterstützung verliert.

Wie ernst sind die Anzeichen der Verstimmung?

Wie die beiden wirklich miteinander reden, weiss man nicht. Und bei Trump weiss man ohnehin nie, was ihm gerade über die Leber gekrochen ist. Fakt aber ist, dass in den USA die Unterstützung für den Iran-Krieg bröckelt, und auch das Ansehen Netanjahus ist in den USA auf einem Tiefpunkt. Laut einer Umfrage des Pew Research Center war fast die Hälfte der Befragten US-Bürgerinnen und -Bürger der Meinung, Netanjahu hätte bei seinem Besuch in den USA verhaftet werden müssen, so wie das der Internationale Strafgerichtshof verlangt. Misstrauen und Ablehnung gegen den israelischen Premier sind im linken Spektrum zwar viel grösser, aber beides hat auch bei Trumps Wählerbasis zugenommen. Zudem färbt Netanjahus Unbeliebtheit auf Israels Ansehen in den USA und in der Welt ab. Das ist keine gute Nachricht für Israel. Netanjahu sieht Krieg und Gewalt als einziges Mittel, um mit Gegnern umzugehen, ohne Rücksicht auf Kosten und Auswirkungen auf Verbündete. Und selbst Trump ist klar, dass ein solcher Weg zu kostspielig und gefährlich ist.

Person mit Schild bei Protest mit Palästina-Flagge im Hintergrund.
Legende: Gegen den Besuch Netanjahus bei Trump im Weissen Haus gab es auch Proteste – wie hier in Washington, D.C. Reuters/Elizabeth Frantz

Ist Netanjahu für Trump zur Hypothek geworden?

Manchmal bekommt man fast diesen Eindruck. Trump hat in letzter Zeit wiederholt durchblicken lassen, Netanjahu habe ihn in den Krieg mit dem Iran hineingezogen und er wolle jetzt einen Deal mit dem Iran, Netanjahu aber partout nicht. Das führte offenbar auch zu dem berüchtigten Telefongespräch vor einigen Wochen, bei dem geschrien worden sein soll. Trump wollte die Waffen ruhen lassen, um Gesprächen mit dem Iran eine Chance zu geben. Doch Netanjahu liess in dieser Zeit den Libanon bombardieren. Was Trump sicher nicht will, ist den Eindruck erwecken, dass ihm Netanjahu diktiert, was er – der Präsident der USA – zu tun habe.

Mann in Anzug hinter Gitterstäben neben einem Auto.
Legende: Netanjahu betrat das Weisse Haus durch einen Seiteneingang. REUTERS/Elizabeth Frantz

Könnte das alles für Netanjahu Folgen bei den anstehenden Wahlen haben?

Das ist schwierig zu sagen. Israels Verhältnis zu Trump ist kompliziert. Trump war vor einigen Monaten noch sehr beliebt, weil er quasi als Geiselbefreier galt – als der Mann, der sich im Gegensatz zu Netanjahu wirklich bemüht hat, dass die israelischen Geiseln aus der Gewalt der Hamas befreit wurden. Umfragen in Israel sagen Netanjahu im Moment eine Wahlniederlage voraus. Aber das will noch gar nichts heissen, schliesslich wird erst Ende Oktober gewählt. Sicher aber wird sich Netanjahu darum bemühen, nicht den Anschein zu erwecken, sein Verhältnis zu Trump sei nicht mehr so gut.

Echo der Zeit, 29.7.2026, 18 Uhr ; 

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