Die Strasse von Hormus steht erneut im Mittelpunkt des Kriegs zwischen dem Iran, den USA und Israel. Nach militärischen Eskalationen und Blockaden gibt es zaghafte Anzeichen einer Entspannung, doch die Lage bleibt äusserst fragil. SRF-Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn ordnet die aktuellen Entwicklungen ein.
Was ist der aktuelle Stand in der Strasse von Hormus?
Der Iran hat angekündigt, die Durchfahrt für Handelsschiffe wieder zu erlauben, solange die zehntägige Waffenruhe im Libanon, die am Donnerstagabend in Kraft trat, eingehalten wird. Dies wurde vom iranischen Aussenminister auf X bestätigt. Auch US-Präsident Donald Trump spricht von einer geöffneten Meerenge. Allerdings hält die US-Marine an ihrer Blockade iranischer Häfen fest, bis die Verhandlungen vollständig abgeschlossen sind. Zuvor war die Passage seit Ende Februar faktisch blockiert, was die globalen Energiepreise stark in die Höhe getrieben hat.
Warum kommt es gerade jetzt zu dieser teilweisen Öffnung?
Die Öffnung ist ein Zeichen des gegenseitigen Entgegenkommens in einem hoch angespannten Umfeld. Die USA sind einer zentralen Forderung des Irans nachgekommen: einer Waffenruhe im Libanon. Als Reaktion darauf zeigt sich Teheran bereit, einen Schritt auf die USA zuzugehen und die Seestrasse zu öffnen. Beide Seiten suchen offenbar einen Ausweg aus der direkten Konfrontation. Dies geschieht jedoch schrittweise, da keine Seite ihre Verhandlungsposition schwächen will.
Was sind die verbleibenden Knackpunkte in den Verhandlungen?
Trotz der jüngsten Deeskalation bleiben die wesentlichen Konfliktpunkte ungelöst:
- Atomprogramm: Die USA fordern, dass der Iran sein hochangereichertes Uran aushändigt und auf den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur zur Urananreicherung verzichtet.
- Sanktionen: Teheran fordert die Aufhebung der internationalen Sanktionen. Die Sanktionen lähmen die Wirtschaft des Iran und führen zu einer hohen Inflation.
Was bedeutet das für ein mögliches Ende der Konfrontation?
Die Waffenruhe und die Öffnung der Seestrasse sind klare Zeichen der Deeskalation. Beide Parteien verschaffen sich Zeit und Raum für Verhandlungen. Allerdings hat die iranische Führung gemerkt, dass die Blockade der Strasse von Hormus ein wirksames Druckmittel gegen die USA ist. Sollte der Iran in den Verhandlungen keine Zugeständnisse bei den Sanktionen erreichen können, ist es wahrscheinlich, dass die Führung die Schraube wieder anzieht und die Meerenge erneut blockieren wird. Neuesten Meldungen zufolge droht der Iran bereits damit, weil die USA die iranischen Häfen weiter blockieren.
Welche Auswirkungen hat dies auf die Schifffahrt und die Weltwirtschaft?
Für die internationale Schifffahrt bedeutet die aktuelle Situation vorerst keine echte Erholung. Solange die Streitpunkte nicht geklärt sind und keine verbindlichen Sicherheitsgarantien von allen Konfliktparteien vorliegen, werden Reedereien und Händler wahrscheinlich weiterhin zögern, die Route zu nutzen. Jede Störung in der Strasse von Hormus, durch die etwa ein Fünftel der weltweiten Ölexporte transportiert wird, hat unmittelbare Auswirkungen auf die Energiepreise und die globalen Lieferketten.