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Waffenruhe im Libanon Ein diplomatischer Sieg für den Iran?

Noch vor einer Woche klang es aus Washington ganz anders. Eine Waffenruhe im Libanon stehe nicht zur Debatte, erklärte US-Vizepräsident JD Vance bestimmt, kurz bevor er zu Verhandlungen mit der iranischen Delegation nach Islamabad reiste.

Doch diese Woche folgte die Kehrtwende. Am Dienstag trafen sich die Botschafter Libanons und Israels in Washington – das erste Treffen auf dieser Ebene seit über 30 Jahren. Nur zwei Tage später war die Waffenruhe Realität.

Iran öffnet Strasse von Hormus, USA halten an Blockade fest

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Nach wochenlanger Blockade wegen des Iran-Kriegs öffnet Teheran die Strasse von Hormus wieder für Öltanker und Handelsschiffe. Irans Aussenminister Abbas Araghchi erklärte, Handelsschiffe könnten während der verbleibenden Waffenruhe, die am Mittwoch endet, durch die Meerenge fahren, allerdings nur auf vorgegebenen Routen. Als Grund für die Öffnung führte Araghchi die Waffenruhe im Libanon an. Diese trat in der Nacht zum Freitag in Kraft.

US-Präsident Donald Trump betonte auf «Truth Social», die USA würden ihre eigene Seeblockade gegen den Iran aufrechterhalten. Diese betreffe nur Schiffe mit Start- oder Zielhafen im Iran und bleibe bestehen, «bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran».

Der Iran hatte die Strasse nach Beginn des militärischen Konflikts am 28. Februar blockiert. Hunderte Tanker und Frachtschiffe liegen seither im Persischen Golf fest. Unklar ist, ob Schiffe für die Durchfahrt Mautgebühren zahlen müssen. Die Ölpreise sanken nach Bekanntwerden der Nachrichten deutlich.

(sda)

Zustande kam sie massgeblich auf Druck der USA. Präsident Donald Trump telefonierte nach eigenen Angaben persönlich mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Die Nachricht verkündete er auf seinen Social-Media-Kanälen, noch bevor sich Israel oder der Libanon offiziell äussern konnten.

Ein Punkt für Teheran

Es machte den Anschein, als könnte Trump nicht schnell genug einen Erfolg verkünden. Er steht unter Druck, in der angespannten Iran-Frage Lösungen zu präsentieren. Die gegenseitige Seeblockade in der Strasse von Hormus konnte weder die internationalen Märkte beruhigen noch seine Kritiker überzeugen. Mit der Waffenruhe im Libanon konnte der Iran nun aber faktisch eine zentrale Forderung gegenüber den USA durchsetzen. Ein klarer Punkt für Teheran.

Währenddessen hat die israelische Armee im Südlibanon noch erheblichen Schaden angerichtet. Nur Stunden vor Inkrafttreten der Waffenruhe zerstörten die Streitkräfte die letzte Brücke, die den Südlibanon mit dem Rest des Landes verband. Damit ist eine Rückkehr für die Zivilbevölkerung, die vor den Kämpfen geflohen ist, massiv erschwert.

Die entscheidende Rolle der Schutzmächte

Ob die zehntägige Waffenruhe hält, hängt weniger von der israelischen oder der libanesischen Regierung ab – zumal letztere im militärischen Konflikt ohnehin keine aktive Kriegspartei ist. Entscheidend wird sein, ob die USA ihre Verbündeten in Israel und der Iran die von ihm unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon in Schach halten können.

Zwar hatten Vertreter der Hisbollah noch im Vorfeld angekündigt, sie würden sich an keine Waffenruhe halten, solange israelische Soldaten im Libanon stehen. Doch obwohl die Soldaten nicht abgezogen sind, hat auch die Schiiten-Miliz seit Mitternacht ihre Angriffe auf Israel eingestellt – offensichtlich auf Geheiss aus Teheran. Der Iran will seine gestärkte Verhandlungsposition mit den USA nicht durch ein erneutes Aufflammen des Krieges im Libanon gefährden.

Unter dem Strich bleibt, dass der Iran in der Lage ist, den USA Bedingungen zu stellen – und die Hoffnung, dass nach einer Feuerpause in der ganzen Region nun ernsthafte Friedensgespräche möglich sind.

Thomas Gutersohn

Nahost-Korrespondent

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Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hat er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

Rendez-vous, 17.04.26. 12:30 Uhr; noes

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