Noch vor einer Woche klang es aus Washington ganz anders. Eine Waffenruhe im Libanon stehe nicht zur Debatte, erklärte US-Vizepräsident JD Vance bestimmt, kurz bevor er zu Verhandlungen mit der iranischen Delegation nach Islamabad reiste.
Doch diese Woche folgte die Kehrtwende. Am Dienstag trafen sich die Botschafter Libanons und Israels in Washington – das erste Treffen auf dieser Ebene seit über 30 Jahren. Nur zwei Tage später war die Waffenruhe Realität.
Zustande kam sie massgeblich auf Druck der USA. Präsident Donald Trump telefonierte nach eigenen Angaben persönlich mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun. Die Nachricht verkündete er auf seinen Social-Media-Kanälen, noch bevor sich Israel oder der Libanon offiziell äussern konnten.
Ein Punkt für Teheran
Es machte den Anschein, als könnte Trump nicht schnell genug einen Erfolg verkünden. Er steht unter Druck, in der angespannten Iran-Frage Lösungen zu präsentieren. Die gegenseitige Seeblockade in der Strasse von Hormus konnte weder die internationalen Märkte beruhigen noch seine Kritiker überzeugen. Mit der Waffenruhe im Libanon konnte der Iran nun aber faktisch eine zentrale Forderung gegenüber den USA durchsetzen. Ein klarer Punkt für Teheran.
Währenddessen hat die israelische Armee im Südlibanon noch erheblichen Schaden angerichtet. Nur Stunden vor Inkrafttreten der Waffenruhe zerstörten die Streitkräfte die letzte Brücke, die den Südlibanon mit dem Rest des Landes verband. Damit ist eine Rückkehr für die Zivilbevölkerung, die vor den Kämpfen geflohen ist, massiv erschwert.
Die entscheidende Rolle der Schutzmächte
Ob die zehntägige Waffenruhe hält, hängt weniger von der israelischen oder der libanesischen Regierung ab – zumal letztere im militärischen Konflikt ohnehin keine aktive Kriegspartei ist. Entscheidend wird sein, ob die USA ihre Verbündeten in Israel und der Iran die von ihm unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon in Schach halten können.
Zwar hatten Vertreter der Hisbollah noch im Vorfeld angekündigt, sie würden sich an keine Waffenruhe halten, solange israelische Soldaten im Libanon stehen. Doch obwohl die Soldaten nicht abgezogen sind, hat auch die Schiiten-Miliz seit Mitternacht ihre Angriffe auf Israel eingestellt – offensichtlich auf Geheiss aus Teheran. Der Iran will seine gestärkte Verhandlungsposition mit den USA nicht durch ein erneutes Aufflammen des Krieges im Libanon gefährden.
Unter dem Strich bleibt, dass der Iran in der Lage ist, den USA Bedingungen zu stellen – und die Hoffnung, dass nach einer Feuerpause in der ganzen Region nun ernsthafte Friedensgespräche möglich sind.