Seit Montagnachmittag gilt eine US-Blockade der Strasse von Hormus. Damit will Präsident Trump den Verhandlungsdruck auf den Iran erhöhen. Der Marine-Experte Jeremy Stöhs über die Chancen und Risiken des Unterfangens.
SRF News: Wie wollen die USA die Blockade konkret durchsetzen?
Jeremy Stöhs: Die Faktenlage ist undurchsichtig. Klar ist: Zwei US-Zerstörer haben die Strasse von Hormus durchfahren, weitere Kräfte der US Navy halten sich in der Nähe auf. Wir beobachten aber kein Stoppen, Aufbringen und Kontrollieren ziviler Schifffahrt durch die Amerikaner, was bei so einem Vorgehen eigentlich üblich wäre. Die vermeintliche Blockade wurde jedoch gerade erst ausgerufen. Dazu kommt, dass ohnehin nur wenige Schiffe durch die Strasse von Hormus fahren.
Die USA haben ihre Schiffe noch nicht direkt in der Meerenge positioniert?
Nein, das ist eine wesentliche Herausforderung. Es ist schwieriger, diese Meerenge zu öffnen, als sie selber zu kontrollieren. Der Iran verfügt noch immer über das Potenzial für Angriffe auf die zivile Schifffahrt. Deswegen meidet diese den gefährlichen Weg durch die Mitte der Meeresenge weiterhin.
Gewisse Schiffe fahren durch die Mautstationen der Iraner im Norden durch. Dafür bezahlen sie bis zu zwei Millionen US-Dollar. Die Blockade der Amerikaner zielt darauf ab, diesen Schiffsverkehr zu unterbinden. Das ist allerdings alles noch relativ vage.
Die US-Regierung behauptet, man habe die iranische Marine und Luftwaffe weitgehend ausgeschaltet. Welche Mittel hat der Iran noch, um eine US-Blockade der Meerenge zu verhindern oder zu brechen?
Auf taktischer und operativer Ebene haben die USA und Israel unglaublich viele Ziele in sehr kurzer Zeit zerstört. Nach wie vor können sie die iranischen Kommando- und Kontrollfähigkeiten aber nicht unterbinden. Der Iran hat weiterhin die Möglichkeit, von Land auf See zu wirken – sei es mit Drohnen, ballistischen Raketen oder Marschflugkörpern.
Schon allein die Möglichkeit, dass Minen ausgebracht wurden, reicht, um eine Durchfahrt zu verhindern.
Solange diese Gefahr gegeben ist, besteht nicht nur für die zivile Schifffahrt ein hohes Risiko, sondern auch für militärische Einheiten, die sich in dieses Nadelöhr hineinbegeben. Zudem gibt es seit einigen Wochen Berichte, dass Minen ausgebracht worden sein sollen. Sollte sich das bestätigen, wäre das eine grosse Gefahr für jegliche Durchfahrt.
Gibt es betreffend Minen gesicherte Informationen, kennt man etwa deren Anzahl und Standorte?
Nein. Was die vermeintliche Ausbringung von Minen betrifft, bin ich sehr skeptisch. Mir liegen zu wenige Anzeichen dafür vor, dass das tatsächlich stattgefunden hat. Es gibt unterschiedliche Meldungen, die aber alle nicht unabhängig überprüfbar sind. Noch meiden die Schiffe die «rote Bahn» in der Mitte der Strasse von Hormus – also die Zone, in der diese Minen vermeintlich ausgebracht worden sind. Aber allein die Möglichkeit reicht, um eine Durchfahrt zu verhindern.
Welche Mittel hat Trump, um zu erreichen, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge wieder frei zirkulieren kann?
Er hat Mittel zur Eskalation. So kann er die Waffenruhe aufkündigen und gemeinsam mit Israel wieder zu einer grösseren Luftkampagne zurückkehren. Die USA könnten auch Bodentruppen einsetzen – wobei sie das verhindern wollen. Darüber hinaus können sie mit maritimen Einheiten auf die Meerenge zufahren, um dort wirken zu können. All das ist aber mit hohem Risiko verbunden – und das weiss Trump. Mit der Blockade will er wohl eine Verhandlungsmasse für künftige Gespräche schaffen.
Das Gespräch führte Matthias Kündig.