In den frühen Morgenstunden sind die Gespräche zwischen dem Iran und den USA auf dem Bürgenstock zu Ende gegangen. Weitere Beratungen auf Arbeitsebene sollen folgen. Die Delegationen waren politisch hochkarätig besetzt. Für die USA war Vizepräsident J.D. Vance und für den Iran Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf vor Ort. Überschattet wurde das Treffen von der Situation im Libanon, wo die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz anhalten. Trotz allem herrscht heute früh positive Stimmung auf dem Bürgenstock. Auslandredaktor Philipp Scholkmann hat das Treffen in der Zentralschweiz beobachtet.
Was wurde konkret vereinbart?
Zum einen ein Fahrplan, wie das Rahmenabkommen mit konkreten Inhalten gefüllt werden könnte. Die beiden Seiten hatten sich dafür eine Frist von 60 Tagen gesetzt, als sie das Rahmenabkommen letzte Woche unterschrieben. Die beiden Vermittler Katar und Pakistan melden in einer gemeinsamen Erklärung eine Verständigung, wie diese Detailarbeit in all den komplizierten Dossiers laufen soll. Vonseiten der USA gibt es noch keine Stellungnahme. Zum anderen wurde offenbar auch eine Art Krisenforum beschlossen, mit dem das Wiederaufflammen der Kämpfe im Libanon verhindert werden soll. Das werde ein Test für alles Weitere, warnte der iranische Aussenminister Araghchi. Aber auch er spricht heute früh von grossen Fortschritten. Ganz anders als gestern: Da hatte sich die iranische Delegation noch sehr kurz angebunden und kritisch gezeigt.
Warum drohte die Konferenz kurzzeitig fast zu kollabieren?
Während US-Vizepräsident Vance vor Ort gute Stimmung zu verbreiten versuchte, goss Präsident Trump von Washington aus Öl ins Feuer. Er drohte der iranischen Führung via Medien einen neuen Krieg an für den Fall, dass sie die Strasse von Hormus nicht sofort öffne und die Hisbollah im Libanon nicht in die Schranken weise. Das kam auf der iranischen Seite gar nicht gut an. So sah es gestern Abend einen Moment tatsächlich so aus, als könnte die iranische Delegation die Konferenz platzen lassen.
Wie kam es zu den positiven Signalen von heute früh?
Das beidseitige Interesse ist ausschlaggebend, den Faden des Dialogs nicht reissen zu lassen – bei allem Misstrauen, das über Nacht nicht einfach verschwunden ist. Für die US-Seite ist entscheidend, die Strasse von Hormus möglichst schnell wieder vollständig aufzubekommen. Da hängt zu viel daran für die US-amerikanische und die globale Wirtschaft. Für das iranische Regime winken als Gegenleistung internationale Anerkennung und Milliarden zur Stabilisierung der eigenen Herrschaft. Das sind starke Anreize. Was nicht heisst, dass dieser Dialog zwischen Erzfeinden nicht bei nächster Gelegenheit schon wieder aus der Bahn geworfen werden könnte.
Wie geht es jetzt weiter?
Mit Gesprächen in konkreten Arbeitsgruppen, insbesondere zum iranischen Atomprogramm. Das sind noch praktisch alle Fragen offen. Die politischen Spitzen verlassen die Zentralschweiz. Die technischen Teams aber sollen bis Ende der Woche auf dem Bürgenstock weiterverhandeln, entlang des Fahrplans, der in dieser Nacht beschlossen wurde.