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Keine Waffenruhe im Libanon «Ein Rezept für neue Spannungen im Libanon»

Im Süden und Osten des Libanon sind bei schweren israelischen Luftangriffen gegen die radikalislamische Hisbollah am Dienstag mindestens 31 Menschen getötet und 40 weitere verletzt worden. Und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigt eine Intensivierung des Militäreinsatzes im Libanon an. Die Journalistin Meret Michel erläutert die Hintergründe.

Meret Michel

Freie Journalistin

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Meret Michel ist freie Reporterin und lebt in Beirut, der Hauptstadt Libanons. Von dort aus schreibt sie über die arabischen Länder, mit Fokus auf Libanon, Syrien und den Irak.

SRF News: Seit Beginn der Waffenruhe im April wird diese sowohl von der israelischen Armee als auch von der Hisbollah im Libanon verletzt. Wieso gerade jetzt die israelische Intensivierung der Angriffe?

Meret Michel: Einerseits erhöht Israel den Druck wohl im Hinblick auf die nächste Verhandlungsrunde zwischen der libanesischen und der israelischen Regierung. Diese soll am Freitag in Washington stattfinden.

Die gegenseitigen Angriffe haben gar nie aufgehört.

Andererseits setzt die Hisbollah in letzter Zeit in grosser Zahl und offenbar mit Erfolg Drohnen gegen die israelischen Soldaten ein. Die Armee wiederum hat Schwierigkeiten, sich dagegen zu verteidigen. Ausserdem ist es ja so, dass die auf dem Papier seit über einem Monat bestehende Waffenruhe gar keine ist. Die gegenseitigen Angriffe haben gar nie aufgehört.

Eigentlich gilt seit fünf Wochen eine Waffenruhe

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Eigentlich wurde im Krieg zwischen Israel und dem Libanon im April eine Waffenruhe verkündet, die seitdem zweimal verlängert wurde. Faktisch läuft der Krieg aber weiter, und zwar zwischen der israelischen Armee und der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon. Die als schwach geltende libanesische Armee hält sich aus den Kämpfen raus, sie hält ihre Stellungen im Süden des Libanon nur so lange, wie sich Zivilisten vor Ort befinden. Wenn israelische Soldaten vorrücken, zieht sie sich zurück, um Kämpfe mit den Israelis zu vermeiden.

Israel will die Hisbollah entwaffnen. Die libanesische Regierung will das eigentlich auch. Wieso gelingt das nicht?

Zum einen liegt das am militärischen Kräfteverhältnis: Die Hisbollah ist der libanesischen Armee militärisch überlegen. Die Hisbollah weigert sich darum, die Waffen abzugeben. Ausserdem droht sie damit, die Leute auf die Strasse zu bringen, um die Regierung zu stürzen, sollte diese doch Ernst machen mit der Entwaffnung.

Viele Schiiten im Libanon denken, die Hisbollah sei die einzige Gruppierung, die den israelischen Angriffen etwas entgegensetzen kann.

Zum anderen hält sich die libanesische Armeeführung nicht nur wegen der Schwäche ihrer Armee zurück, sondern auch, weil sie sonst einen konfessionellen Konflikt riskieren würde. Ein Drittel der Armeeangehörigen sind Schiiten, wie die Leute der Hisbollah. Und viele Schiiten im Libanon denken, die Hisbollah sei die einzige Gruppierung, die den israelischen Angriffen etwas entgegensetzen kann.

Wie sehen das die anderen Religionsgruppen im Libanon, etwa die Christen?

Viele Leute, die nicht direkt von der Hisbollah abhängig oder Anhängerinnen und Anhänger der Hisbollah sind, machen diese vom Iran unterstützte Gruppierung für den Krieg verantwortlich. Sie sagen, mit ihrem Angriff auf Israel am 2. März habe die Hisbollah den aktuellen Krieg überhaupt erst provoziert. Deswegen müsse die Lösung in einer Entwaffnung der Hisbollah liegen, das Gewaltmonopol müsse wieder beim Staat liegen.

Laut der ‹New York Times› sind im Süden des Landes inzwischen mehr als zwei Dutzend Dörfer und Städte komplett zerstört.

Wie ist eigentlich die Lage im Süden des Libanon, wo Israel eine sogenannte Sicherheitszone errichten will?

Im von Israel besetzten Gebiet zeigt sich ein Bild weitgehender Zerstörung. Israel hat im Süden des Libanon nicht nur viele Häuser zerbombt – jene, die noch stehen, werden jetzt gezielt mit Bulldozern oder durch Sprengungen zerstört. Laut der «New York Times» sind im Süden des Landes inzwischen mehr als zwei Dutzend Dörfer und Städte komplett zerstört. Das ist ein Riesenproblem, weil aus diesen Gebieten Hunderttausende Menschen vertrieben wurden.

Selbst wenn sich die israelische Armee also irgendwann zurückziehen sollte, können diese Menschen nicht einfach zurück. Sie müssen womöglich in einem dauerhaften, innerlibanesischen Exil verharren. Und das wiederum ist ein Rezept für neue interne Spannungen im Libanon.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

 

Rendez-vous, 27.5.2026, 12:30 Uhr ; 

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