Was ist passiert? Die USA haben in der Nacht auf Dienstag zum dritten Mal in Folge Ziele im Iran angegriffen und damit den Konflikt am Persischen Golf erheblich verschärft. US-Präsident Donald Trump kündigte die Angriffe persönlich an und erklärte zudem, eine Seeblockade gegen den Iran wieder in Kraft zu setzen. Darüber hinaus schlug er vor, für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, eine Gebühr von 20 Prozent auf alle Frachtgüter zu erheben.
Wie hat sich der Iran verhalten? Der Iran hat in der Meerenge zwei Tanker mit Marschflugkörpern attackiert. Bei der Attacke auf die Schiffe der mit den USA verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate wurde nach Angaben des dortigen Verteidigungsministeriums ein indisches Besatzungsmitglied getötet, zudem habe es acht Verletzte gegeben.
Was ist nun mit der Waffenruhe zwischen den USA-Iran? US-Präsident Donald Trump hat diese Waffenruhe für beendet erklärt, wie Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten. Das Rahmenabkommen, das vor 30 Tagen als Grundlage für vertiefte Verhandlungen für ein dauerhaftes Kriegsende geschlossen wurde, enthält eine Frist von 60 Tagen. Sie ist zur Hälfte verstrichen. Iranische Medien meldeten in der Nacht mehrfache Explosionen an der Südküste der Islamischen Republik.
Wieso will Trump nun eine Gebühr für die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus erheben? «Der US-Präsident will Geld für Sicherheit, dafür, dass die USA alle Schiffe durch die Strasse von Hormus begleiten würde», sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart. Laut internationalem Recht sind internationale Gewässer aber für alle kostenlos passierbar. Deshalb kommt Trumps Idee nicht bei allen gut an: «Der brasilianische Präsident Lula da Silva bezeichnet die Idee von Gebühren als ‹Piraterie›», so Jacquemart. Der Iran – der selbst schon Gebühren für die Durchfahrt erhoben hat – reagierte auf Trumps Ankündigung eher spöttisch: Der Iran sei schon immer der Wächter der Strasse von Hormus gewesen und werde es auch bleiben.
Wie möchte Trump die 20 Prozent Durchgangsmaut berechnen? SRF-Wirtschaftsredaktorin Jacquemart erklärt, wie sich US-Präsident Trump das vorstellt: Es gehe darum, 20 Prozent des Cargo-Wertes (d.i. der Wert der transportierten Güter) der entsprechenden Schiffsladung zu bezahlen. «Die ‹New York Times› hat berechnet, wie viel die Durchfahrt einen grossen Öltanker kosten würde: 30 Millionen Dollar.» Auch deshalb kann der Iranische Aussenminister in seinem Tweet auf X schreiben: «20 Prozent ist zu viel. Wir werden fair sein.»
Alle Güter, die durch die Strasse von Hormus geschifft werden, würden mit Sicherheit deutlich teurer werden.
Wer würde diese Gebühr bezahlen? Vor Ort bezahlen müssten sie Reedereien, Schiffsbesitzer, Logistiker. «Doch diese würden die Kosten den Kunden weitergeben, und diese würden sie an die Endkundinnen und –kunden weitergeben, also an uns alle», so Jacquemart. «Alle Güter, die durch die Strasse von Hormus geschifft werden, würden mit Sicherheit deutlich teurer werden. Dadurch würde auch die Inflation wieder angeheizt.»
Was bringt Trump diese Sicherheitsabgabe innenpolitisch? Im Herbst finden in den USA Zwischenwahlen statt. Einen Gefallen tue sich Trump mit der Ankündigung dieser Gebühren nicht, so die Wirtschaftsredaktorin. Sie sagt: «Die USA haben sonst schon Löcher im Budget, darum müssen sie immer mehr Geld am Kapitalmarkt aufnehmen und machen damit immer mehr Schulden. Für die neuen Schulden müssen sie immer mehr bezahlen, weil die Investoren der Sache nicht mehr trauen.»