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Luzerner Nothelferin in Beirut «Die Kinder malen ihre Flucht – aber es gibt noch Hoffnung»

Heute gehen die Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon weiter. Doch die Diplomatie ist weit weg vom Alltag der Menschen.

Andrea Isenegger von Ärzte ohne Grenzen ist nach sechs Wochen vor Ort zurück in der Schweiz. Sie berichtet von einer katastrophalen Lage, täglicher Lebensgefahr und dem Trauma der Menschen.

Andrea Isenegger

Projektkoordinatorin Ärzte ohne Grenzen

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Die Luzernerin leitete im Libanon ein Team von rund 60 Personen, davon sind 57 aus dem Libanon selbst. Zum Team gehören u.a. Ärztinnen, Pflegende, Hebammen, Psychologen und Logistiker.

SRF News: Sie sind gerade aus dem Libanon zurück. Wie erleben die Menschen dort die aktuelle Lage?

Andrea Isenegger: Die Verhandlungen sind für die Menschen kein grosses Thema. Sie sind extrem mit dem Überleben beschäftigt. Viele wissen nicht, wie ihre Zukunft aussieht.

Wie würden Sie die humanitäre Situation beschreiben?

Sie ist katastrophal. Es gibt immer mehr Binnenvertriebene, die nach Beirut fliehen. Die Stadt ist mit den zusätzlichen Flüchtlingen total überfordert. Es fehlt an allem: Wasser, Nahrung, Matratzen, Medikamente und psychologische Unterstützung.

Zerstörung und Flucht im Libanon

Sie haben Kinderzeichnungen aus den Notunterkünften gesehen. Was erzählen diese?

Unser Psychologenteam malt mit den Kindern. Sie können zwischen den Farben Rot für Wut, Schwarz für Angst, aber auch Blau für Ruhe und Grün für Hoffnung wählen. Viele Kinder haben natürlich Schwarz und Rot gewählt. Aber es gab immer wieder welche, die zu Grün gegriffen haben. Es gibt also noch eine gewisse Hoffnung. Eine Sechsjährige hat ihr Haus am Meer gezeichnet und daneben sich selbst, wie sie davon wegrennt. Ihre Flucht.

Israel warnt die Zivilbevölkerung oft vor Angriffen. Haben die Menschen eine Chance, sich in Sicherheit zu bringen?

Ja, diese Evakuierungsnachrichten über Social Media oder Whatsapp funktionieren erstaunlich gut. Ältere Menschen ohne Zugang werden von Nachbarn gewarnt, die an die Türen klopfen. Das Problem ist die knappe Zeit. Man hat meist nur 10 bis 15 Minuten, um sich 300 bis 500 Meter zu entfernen. Zu Fuss ist das kaum zu schaffen, zumal man versucht, noch die wichtigsten Dinge wie Pass, Geld und Telefon mitzunehmen.

Der Krieg prägt Ihren Alltag. Wie entscheiden Sie jeden Morgen, ob ein Einsatz sicher ist oder nicht?

Mein Tag beginnt um sechs Uhr mit dem Lesen der News. Um sieben Uhr telefoniere ich mit meinem libanesischen Einsatzleiter, der exzellent vernetzt ist und die Lage einschätzt. Um acht Uhr gibt es ein Briefing mit dem Team, in dem wir entscheiden, ob die mobilen Kliniken an die vorgesehenen Orte fahren können oder ob wir kurzfristig neue, sicherere Standorte suchen müssen.

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Ärzte ohne Grenzen musste in Gaza Spitäler verlassen, weil die Hamas sie militärisch nutzte. Es gibt Beobachtungen, dass auch die Hisbollah im Libanon zivile und militärische Einrichtungen nicht trennt. Wie gehen Sie mit dieser Gefahr um?

Unser Einsatzleiter hat Kontakte zu allen Akteuren in der Region, auch zur Hisbollah, vor allem wegen der Sicherheit. Er würde uns darauf hinweisen und sagen: Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, in diesem Gebiet zu arbeiten. Aber ich muss sagen, dass ich das in den letzten sechs Wochen nie erlebt habe.

Das Gespräch führte David Karasek.

Tagesgespräch, 3.6.2026, 13 Uhr ; 

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