Im Libanon ist die Situation erneut eskaliert: Am Mittwochabend hat die israelische Armee grosse Teile im Süden des Landes zur Kampfzone erklärt und die dortige Bevölkerung zur Flucht aufgerufen. Seit Anfang März sind mehr als 3000 Libanesinnen und Libanesen getötet worden.
Wir wollen einfach leben und unsere Heimat wieder aufbauen.
Auch die Bevölkerung im Norden Israels lebt seit gut zweieinhalb Jahren in Angst und Unsicherheit. Sie wird immer wieder von Drohnen und Geschossen der Hisbollah-Miliz bedroht. Wie blicken die israelischen Bewohnerinnen und Bewohner in der Grenzregion auf die neuerliche Eskalation der Kämpfe?
Bedrohung durch Hisbollah beseitigen
Heftzibah Spirt ist Lokaljournalistin in Kiryat Shmona, der nördlichsten Stadt Israels mit gut 25'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Spirt sagt, sie seien alle erschöpft. «Und sehr, sehr müde. Emotional, mental, wirtschaftlich», so die 39-jährige Mutter eines Kindes. «Wir wollen endlich Stabilität und Sicherheit haben. Wir wollen einfach leben und unsere Heimat wieder aufbauen.»
Spirt, die sich politisch rechts der Mitte einordnet, hat eine klare Forderung: Wenn die israelische Armee eine neue Angriffswelle starte, dann müsse diese die Bedrohung durch die Hisbollah ein für alle Mal beseitigen.
Nur Diplomatie kann den Konflikt lösen
Ori Mogel lebt im Kibbuz Misgav Am, direkt an der Waffenstillstandslinie. Der 32-jährige Doktorand und Vater von drei Kindern betont, Israel sei nicht im Krieg mit dem Libanon, sondern mit der Hisbollah-Miliz. Und diese wolle nicht, dass sie, die Israeli, dort lebten. «Die Hisbollah will uns töten.»
Mogel unterstützt die Offensive der israelischen Armee. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass letztlich nur die Diplomatie den Konflikt dauerhaft lösen kann.
Die tapferen Soldaten der israelischen Armee unternehmen alles, um uns zu beschützen.
So denkt auch der 57-jährige Hagai Rozenbaum. Er steht politisch links und unterstützt Friedensverhandlungen. Doch im Moment gehe es nicht ohne Militäroffensive: «Die tapferen Soldaten der israelischen Armee unternehmen alles, um uns zu beschützen.» Der Verkaufsleiter einer Firma für Wasserzähler lebt mit seiner Familie in Metulla, dem nördlichsten Dorf Israels. Sein Haus ist in den vergangenen drei Jahren zweimal durch Geschosse der Hisbollah beschädigt worden.
Hisbollah entwaffnen
Ron Hod aus Kiryat Shmona fühlt sich von der Regierung Netanjahu im Stich gelassen. Hod arbeitet im Bildungsbereich, ist orthodoxer Jude und politisch links. Auch er setzt auf eine Mischung aus militärischem und diplomatischem Druck. «Die libanesische Regierung soll ein Abkommen mit Israel unterzeichnen und die Hisbollah entwaffnen».
Alle Gesprächspartner äussern sich differenziert. Sie wünschen sich Frieden und ein Ende des Konflikts mit der Hisbollah. Und Ori Mogel aus dem Kibbuz Misgav Am träumt davon, im benachbarten libanesischen Dorf Adaysseh Kaffee zu trinken.
Neue Satellitenaufnahmen zeigen allerdings, dass das Dorf weitgehend zerstört ist.