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Warten, Hoffen, Überleben Südlibanon: Das tägliche Leid der Vertriebenen

Die humanitäre Lage im Süden des Libanon ist katastrophal. Die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz haben viele Familien gezwungen, aus dem Gebiet zu fliehen. Anne Valand ist stellvertretende Landesdirektorin des Welternährungsprogramms (WFP) der UNO im Libanon. Sie spricht über die dramatische Situation der Vertriebenen – und wie versucht wird, ihnen zu helfen.

Anne Valand

World Food Programme (WFP) im Libanon

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Die Österreicherin Anne Valand ist stellvertretende Landesdirektorin des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) im Libanon. 2009 startete sie ihr Engagement für das WFP als Programmbeauftragte im Gazastreifen. Vor ihrer aktuellen Tätigkeit war sie unter anderem Landesdirektorin des Welternährungsprogramms für Syrien.

SRF News: Welches sind die grössten Bedürfnisse der Menschen im Südlibanon?

Anne Valand: In den letzten Wochen hat sich die Sicherheitslage etwas verändert. Es gibt nun besseren Zugang zu einigen Regionen im Süden. Trotzdem können Grundbedürfnisse nur begrenzt abgedeckt werden, vor allem in den südlichsten Gebieten. Dazu zählen Nahrung, Wohnraum, Wasserversorgung und der Zugang zu den grundlegendsten Dienstleistungen.

Zwei Kinder stehen vor einem zerstörten Auto in einem Trümmerfeld.
Legende: Viele Vertriebene stehen vor einer ungewissen Zukunft. Bild: Kinder vor Trümmerhaufen nach einem israelischen Luftangriff im südlibanesischen Dorf Maaroub (15. Juni). Keystone/EPA/Wael Hamzeh

Viele Menschen sind auf der Flucht, wurden vertrieben. Wie erreichen die Hilfsorganisationen diese Binnenflüchtlinge?

Zur schlechtesten Zeit während des Konflikts gab es etwa 1.2 Millionen Binnenflüchtlinge. Viele von ihnen suchen Zuflucht mit Familien und Freunden in anderen Regionen des Libanon. Andere kamen in Gemeinschaftsunterkünften unter. Das WFP versucht – wie auch andere Partner – die Lebensmittelversorgung der Menschen zu gewährleisten.

In einigen Dörfern, wenn auch sehr wenigen, haben Menschen entschieden, nicht zu fliehen.

Wo Märkte funktionieren, versuchen wir Bargeld an die Binnenflüchtlinge zu schicken. In Gemeinschaftsunterkünften haben wir ein Programm für warme Mahlzeiten aktiviert. In Dörfern im Süden Libanons, die schwer zu erreichen sind, aber noch Kochmöglichkeiten vorhanden sind, haben wir humanitäre Konvois organisiert. Diese verteilen Lebensmittelpakete an die Menschen.

Wer wohnt überhaupt noch in diesen Dörfern im Südlibanon?

In einigen Dörfern, wenn auch sehr wenigen, haben Menschen entschieden, nicht zu fliehen. Diese Dörfer waren nicht direkt von militärischer Aktivität betroffen. Obwohl das umliegende Gebiet sehr unsicher ist. Die dortige Bevölkerung erzählt uns immer wieder, dass es keine Märkte mehr gibt und sie fast ausschliesslich auf humanitäre Hilfe angewiesen ist.

Sieht es in den Städten anders aus als in den Dörfern?

Viele Städte dienen als Zufluchtsorte. So zum Beispiel Tyros, obwohl es auch selbst von Angriffen getroffen wurde. Auch in Sidon gibt es nach wie vor viele Gemeinschaftsunterkünfte.

Zelte mit Menschen, vor städtischen Gebäuden, und eine wehende Flagge.
Legende: Der Grossteil der Binnenflüchtlinge hat Zuflucht in Beirut und in der mittleren Region des Libanon gesucht. Bild: Vertriebene aus dem Südlibanon in Beirut. Keystone/AP/Bilal Hussein

Wovon leben die Menschen, haben sie überhaupt ein Einkommen?

Die meisten der Geflüchteten haben ihre Einkommensmöglichkeiten verloren. Diejenigen, die in Beirut oder anderen Grossstädten Zuflucht gefunden haben, schlagen sich manchmal als Tagelöhner durch.

Mit unserer humanitären Hilfe versuchen wir nicht nur, den täglichen Nahrungsbedarf zu decken. Wir wollen auch ein gewisses Gefühl der Normalität zu vermitteln.

Im Süden ist die Landwirtschaft ein wichtiger Einkommensbereich. Nach Schätzungen sind derzeit etwa 50 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen nicht zugänglich. Auch wenn sich die Sicherheitslage verbessern sollte, werden diese Menschen noch immer auf humanitäre Hilfe angewiesen sein.

Neben dem täglichen Kampf um Nahrung müssen die Menschen auch mit der Angst vor Luftangriffen und militärischen Handlungen leben. Gelingt ihnen das?

Die Krise hat nicht nur physische, sondern auch psychische Auswirkungen. Angst ist ein Teil davon, und vor allem die Unsicherheit, der alle ausgesetzt sind. Sie wissen nicht, wie es weitergehen wird. Gerade auch, was eine allfällige Rückkehr betrifft. Wir versuchen nicht nur, den Nahrungsbedarf zu decken. Wir wollen auch ein gewisses Gefühl der Normalität zu vermitteln. Die Menschen sollen eine Sorge weniger haben. Schliesslich haben sie mit vielen anderen Dingen zu kämpfen.

Das Gespräch führte Iwan Lieberherr.

Echo der Zeit, 27.07.2026, 18 Uhr ; 

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