Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Kreuzritterfestung Beaufort Israel nimmt wichtige Burg im Südlibanon ein – was bedeutet das?

Es ist der tiefste Vorstoss in das Land seit mehr als 25 Jahren. Derweil gehen die Kampfhandlungen weiter. Eine Übersicht.

Darum geht es: Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge im Südlibanon die strategisch wichtige, rund 900 Jahre alte Festung Beaufort und die umliegende Hügelkette eingenommen. Es handelt sich trotz einer vor mehr als sechs Wochen vereinbarten Waffenruhe um einen bedeutenden Vorstoss gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz. Dies ist der tiefste Vorstoss in das Land seit mehr als einem Vierteljahrhundert, so das israelische Militär.

Die strategische Bedeutung von Beaufort: Die Kreuzritterfestung Beaufort wurde im 12. Jahrhundert errichtet und liegt knapp nördlich des Flusses Litani, hinter den sich die Hisbollah laut einer Vereinbarung zurückziehen sollte. Die Festung liegt zugleich in der Nähe eines nordöstlichen Ausläufers der israelischen Grenze. Von dem in 700 Meter Höhe gelegenen Bau hat man einen guten Überblick über die Umgebung. Die israelischen Truppen hatten die Burg bereits 1982 eingenommen und hielten sie bis zu ihrem Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 besetzt.

Das sagt Israels Regierungschef: Benjamin Netanjahu sprach von einer «dramatischen Wende» in Israels Vorgehen. «Wir haben die Barriere der Angst durchbrochen», erklärte er. Israel habe «Sicherheitszonen» jenseits seiner Grenzen eingerichtet, um die Bevölkerung zu schützen. Er kündigte zudem die Kontrolle über weitere Gebiete an, die zuvor unter dem Einfluss der Hisbollah gestanden hätten.

Das sagt die israelische Armee: Das Militär warf der libanesischen Hisbollah-Miliz vor, in der Gegend Einrichtungen zu haben und von dort aus auch Angriffe ausgeführt zu haben. Israel geht in dem Gebiet laut eigenen Angaben etwa gegen Raketenabschussrampen der vom Iran unterstützten Schiitenorganisation vor. «Wir sind alle entschlossen, die Macht der Hisbollah zu zerschlagen und die Mission zu erfüllen: die Sicherheit der Bewohner im Norden» Israels zu gewährleisten, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz.

Ein Versuch, die Geschichte auszuradieren.
Autor: Nawaf Salam Libanesischer Ministerpräsident

Das sagt Libanons Regierungschef: Nawaf Salam warf Israel vor, Südlibanon weitreichend zu zerstören. Die Angriffe seien ein «Versuch, die Geschichte auszuradieren». Die Kosten des Kriegs seien für die Libanesen immens. Das Land dürfe nicht zum «Faustpfand» in regionalen Konflikten werden. In einer Fernsehansprache erklärte Salam am Samstag, dass Israels Vorgehen «weder Sicherheit noch Stabilität bringen» werde. Er sprach sich jedoch für die Fortsetzung der Verhandlungen mit Israel aus. Eine neue Verhandlungsrunde ist für Dienstag und Mittwoch in Washington geplant.

Das sagt die Hisbollah: Die Miliz ihrerseits bekannte sich am Samstagabend zu neuen Raketenangriffen auf den Norden Israels und erklärte, sie sei in Kämpfe verwickelt, um das Vorrücken israelischer Truppen zu verhindern, insbesondere in der Region Nabatiye, nordwestlich der Burg Beaufort.

Frankreich verlangt Dringlichkeitssitzung zu Libanon

Box aufklappen Box zuklappen

Nach der Ausweitung der israelischen Militäreinsätze im Libanon hat Frankreich eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats gefordert. «Nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen», sagte Aussenminister Jean-Noël Barrot dem Sender BFMTV.

Er habe die Einberufung des Sicherheitsrats beantragt, da die Entwicklung eine weitere Eskalation darstelle, sagte Barrot. Zwar erkenne Frankreich das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegen Angriffe der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz an, «doch nichts rechtfertigt diese Entwicklung», erklärte er. Sie stelle einen «schwerwiegenden Fehler» und einen Verstoss gegen das Völkerrecht dar.

Kämpfe gehen weiter: Israel forderte zeitgleich mit der Einnahme der Burg Beaufort einen Grossteil der Einwohner im Südlibanon dazu auf, sich nördlich des Sahrani-Flusses – etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze – zu begeben. Eine solch umfassende Fluchtaufforderung hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Waffenruhe Mitte April gegeben. Israels Armee begründete den Aufruf mit den Angriffen der Hisbollah. Das Militär werde «falls nötig, die Operation ausweiten». Israels Armee meldete zugleich erneut Beschuss aus dem Libanon. In Nordisrael heulten mehrfach die Warnsirenen.

Viele Todesopfer und Vertriebene im Libanon

Box aufklappen Box zuklappen

Seit Anfang März wurden im Libanon nach Angaben der lokalen Behörden mehr als 3000 Menschen getötet und über eine Million Menschen vertrieben.

Die israelische Armee gab ihrerseits den Tod eines Soldaten bekannt, der am Samstag durch eine Sprengdrohne der Hisbollah getötet worden war. Somit steigt die Zahl der im Libanon getöteten Israelis auf 25.

SRF 4 News, 31.5.2026, 12:30 Uhr; sda/dpa/afp/flal;blac

Meistgelesene Artikel