Darum geht es: Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge im Südlibanon die strategisch wichtige, rund 900 Jahre alte Festung Beaufort und die umliegende Hügelkette eingenommen. Es handelt sich trotz einer vor mehr als sechs Wochen vereinbarten Waffenruhe um einen bedeutenden Vorstoss gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz. Dies ist der tiefste Vorstoss in das Land seit mehr als einem Vierteljahrhundert, so das israelische Militär.
Die strategische Bedeutung von Beaufort: Die Kreuzritterfestung Beaufort wurde im 12. Jahrhundert errichtet und liegt knapp nördlich des Flusses Litani, hinter den sich die Hisbollah laut einer Vereinbarung zurückziehen sollte. Die Festung liegt zugleich in der Nähe eines nordöstlichen Ausläufers der israelischen Grenze. Von dem in 700 Meter Höhe gelegenen Bau hat man einen guten Überblick über die Umgebung. Die israelischen Truppen hatten die Burg bereits 1982 eingenommen und hielten sie bis zu ihrem Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 besetzt.
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Bild 1 von 5. Nach der Einnahme: Eine israelische Flagge und eine Flagge der Golani-Brigade wehen auf der Burg Beaufort. (31.5.2026). Bildquelle: REUTERS/Stringer .
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Bild 2 von 5. Beaufort gilt als eine der herausragendsten noch erhaltenen Stätten des Mittelalters. Der damalige König von Jerusalem liess sie um das Jahr 1137 errichten. Die Unesco listet die Burg als kulturelles Erbe, das besonderen Schutz geniesst. (31.5.2026). Bildquelle: Reuters/Israeli Military.
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Bild 3 von 5. Bereits in den letzten Tagen stieg aufgrund der Kämpfe in der Nähe der Burg Beaufort Rauch auf. (29.5.2026). Bildquelle: REUTERS/Stringer.
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Bild 4 von 5. Vor einigen Jahrzehnten war die Burg bereits Schauplatz von Kampfhandlungen. Im Bild: Libanesische Anwohner, die die Burg betreten, nachdem sie von israelischen Streitkräften verlassen wurde. (24.5.2000). Bildquelle: AP Photo/Ahmed Mantash,.
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Bild 5 von 5. Zurück in der Gegenwart: zerstörte Gebäude in der Nähe des Ortes Metula und im Hintergrund die Burg Beaufort. (31.5.2026). Bildquelle: REUTERS/Amir Cohen.
Das sagt Israels Regierungschef: Benjamin Netanjahu sprach von einer «dramatischen Wende» in Israels Vorgehen. «Wir haben die Barriere der Angst durchbrochen», erklärte er. Israel habe «Sicherheitszonen» jenseits seiner Grenzen eingerichtet, um die Bevölkerung zu schützen. Er kündigte zudem die Kontrolle über weitere Gebiete an, die zuvor unter dem Einfluss der Hisbollah gestanden hätten.
Das sagt die israelische Armee: Das Militär warf der libanesischen Hisbollah-Miliz vor, in der Gegend Einrichtungen zu haben und von dort aus auch Angriffe ausgeführt zu haben. Israel geht in dem Gebiet laut eigenen Angaben etwa gegen Raketenabschussrampen der vom Iran unterstützten Schiitenorganisation vor. «Wir sind alle entschlossen, die Macht der Hisbollah zu zerschlagen und die Mission zu erfüllen: die Sicherheit der Bewohner im Norden» Israels zu gewährleisten, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz.
Ein Versuch, die Geschichte auszuradieren.
Das sagt Libanons Regierungschef: Nawaf Salam warf Israel vor, Südlibanon weitreichend zu zerstören. Die Angriffe seien ein «Versuch, die Geschichte auszuradieren». Die Kosten des Kriegs seien für die Libanesen immens. Das Land dürfe nicht zum «Faustpfand» in regionalen Konflikten werden. In einer Fernsehansprache erklärte Salam am Samstag, dass Israels Vorgehen «weder Sicherheit noch Stabilität bringen» werde. Er sprach sich jedoch für die Fortsetzung der Verhandlungen mit Israel aus. Eine neue Verhandlungsrunde ist für Dienstag und Mittwoch in Washington geplant.
Das sagt die Hisbollah: Die Miliz ihrerseits bekannte sich am Samstagabend zu neuen Raketenangriffen auf den Norden Israels und erklärte, sie sei in Kämpfe verwickelt, um das Vorrücken israelischer Truppen zu verhindern, insbesondere in der Region Nabatiye, nordwestlich der Burg Beaufort.
Kämpfe gehen weiter: Israel forderte zeitgleich mit der Einnahme der Burg Beaufort einen Grossteil der Einwohner im Südlibanon dazu auf, sich nördlich des Sahrani-Flusses – etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze – zu begeben. Eine solch umfassende Fluchtaufforderung hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Waffenruhe Mitte April gegeben. Israels Armee begründete den Aufruf mit den Angriffen der Hisbollah. Das Militär werde «falls nötig, die Operation ausweiten». Israels Armee meldete zugleich erneut Beschuss aus dem Libanon. In Nordisrael heulten mehrfach die Warnsirenen.