Nairobi: Forensiker sollen Identität der Geiselnehmer klären

Die Geiselnahme im kenianischen Einkaufszentrum Westgate ist zu Ende. Nun soll ein Team von Forensik-Experten klären, wer die Angreifer waren. Der Geheimdienst Kenias sei vor so einem Angriff gewarnt worden, hat SRF-Korrespondent Patrik Wülser in Nairob gehört.

Ein Rauchsäule steigt hinter den Dächern von Gebäuden auf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Während der Geiselnahme kam es auch zu mehreren Explosionen, die Teile des Gebäudes einstürzen liessen. Keystone

Ein Tag nach dem Ende des Geiseldramas in der kenianischen Hauptstadt Nairobi haben Forensik-Experten damit begonnen, das teilweise eingestürzte Einkaufszentrum zu durchsuchen. Zu dem Team gehören unter anderem Spezialisten aus den USA, Grossbritannien und Israel. Die oberste Priorität sei es, die Trümmer zu räumen und die Leichen zu bergen, teilte Kabinettssekretär Francis Kimemia per Twitter mit.

Tweet des Kabinettssekretärs Francis Kimemia

Die Forensiker sollen unter anderem die Identität der Angreifer klären. Mehrere von ihnen sollen unter den Trümmern des zum Teil eingestürzten Gebäudes liegen. Nach Angaben des kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta kamen fünf Täter bei Schusswechseln mit den Spezialkräften ums Leben.

Es spreche vieles dafür, dass Exil-Somalis an dem Überfall beteiligt gewesen sind, sagt Patrik Wülser, SRF-Afrika-Korrespondent. Das Gerücht, eine junge Britin sei als Terroristin beteiligt, sei auch in Nairobi aufgetaucht. Es sei sicher sinnvoll, die Ergebnisse der Obduktionen abzuwarten, meint der Korrespondent.

Zahl der Angreifer nicht bekannt

Es ist noch immer unklar, wie viele Islamisten bei dem Anschlag beteiligt waren. Kenyatta hat eine Sondersitzung des Kabinetts und des Nationalen Sicherheitsrates einberufen, um das weitere Vorgehen zu klären.

Seit Samstag hielten Kämpfer der radikal islamischen Al-Shabaab-Miliz die Welt in Atem. Bei ihrem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi und der anschliessenden Geiselnahme kamen 72 Personen ums Leben. Darunter 61 Zivilisten, sechs Soldaten und fünf Terroristen. Dutzende werden noch vermisst. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte.

Al Shabab spricht von 137 Getöteten

«Al Shabab hat vermeldet, dass die Kämpfer 137 Menschen umgebracht hätten», sagt SRF-Korrespondent Wülser. Das würde bedeuten, dass doppelt so viele Menschen umgekommen sind als offiziell angegeben wird.

«Beängstigend professionell sind die Terroristen vorgegangen», sagt er. Nun sei klar: Es seien nicht irgendwelche Fanatiker gewesen, die in das Zentrum reinspaziert seien und dann Waffen gezogen hätten. «Es gibt Hinweise, dass diese Täter vor drei Monaten in diesem Einkaufszentrum einen Laden gemietet hatten und dort Sprengstoff und Munition gehortet haben.» Die Terroristen hatten sich mit der Architektur des Gebäudes vertraut gemacht und seien modern ausgerüstet gewesen.

Warnungen erhalten?

Ob das Drama zu verhindern gewesen wäre, bleibt offen. Wülser sagt dazu: «Es gibt tatsächlich Hinweise, dass der Geheimdienst vor drei Monaten gewarnt worden war.»

Ein kenianischer Politiker, ein Ständerat, habe den kenianischen Geheimdienst vor drei Monaten vor einem solchen Anschlag gewarnt, hat der SRF-Korrespondent gehört. Der Politiker habe gesagt: Es seien zwei Frauen in sein Büro gekommen und hätten ihn darüber informiert, dass in der Nachbarschaft Ausländer eingezogen seien. Sie würden Waffen und Granaten anschaffen und horten. «Wenn das tatsächlich stimmt, dann muss der Nachrichtendienst noch einige kritsiche Fragen beantworten», sagt Wülser.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Geiseldrama in Nairobi: der Tag danach

    Aus Tagesschau vom 25.9.2013

    Nach dem Ende des mehrtätigen Geiseldramas in einem Einkaufszentrum in Nairobi haben die Aufräumarbeiten begonnen. Ein Team von Forensik-Experten soll die Identität der Angreifer klären. Über die Opferzahl gibt es unterschiedliche Angaben, über 60 Menschen werden noch vermisst.

  • Uhuru Kenyatta: «Wir haben die Angreifer besiegt und gedemütigt»

    Aus Rendez-vous vom 25.9.2013

    Mit einer dreitägigen Staatstrauer reagiert Kenia auf das Blutbad, das die islamistischen Al-Shabaab Milizen in einem Einkaufszentrum Nairobis angerichtet haben. Präsident Kenyatta sieht sich derweil als Sieger über die Terroristen.

    In seinem TV-Auftritt verlor er aber kein Wort über das Schicksal der vielen Geiseln. Warum nicht?

    Patrik Wülser

  • Die Al-Shabaab-Miliz

    Aus Tagesschau vom 24.9.2013

    Im Bürgerkriegsland Somalia sind Anschläge der Al-Schabaab-Miliz an der Tagesordnung. Die radikal-islamistische Gruppierung ist aber auch in Nachbarländern aktiv. Seit Kenia vor zwei Jahren im Nachbarland einmarschiert ist, um zusammen mit den dortigen Truppen die Al-Shabaab zu bekämpfen, häufen sich Terroranschläge. Einschätzungen von Patrick Wülser aus Nairobi

  • Geiseldrama in Kenia beendet

    Aus Tagesschau vom 24.9.2013

    Laut Kenias Präsident Uhuru Kenyatta ist die Geiselnahme in einem Einkaufzentrum Nairobis beendet. Fünf der Terroristen seien getötet worden, elf von ihnen verhaftet. Beim Überfall, der seit Samstag andauerte, sind über 60 Zivilisten ums Leben gekommen.