Am Nato-Gipfel in Ankara war vieles darauf ausgerichtet, US-Präsident Donald Trump zu schmeicheln und mögliche Konfrontationen zu vermeiden. Doch der Plan scheint nicht aufgegangen zu sein. Am Vormittag ist Donald Trump aufgetreten und hat seinem Unmut Luft gemacht: Er hat die iranische Regierung als Abschaum bezeichnet und die Nato und einzelne Mitgliedstaaten scharf kritisiert. Fredy Gsteiger beobachtet den Gipfel vor Ort.
War Donald Trumps Auftritt ein spontaner Wutausbruch?
Der US-Präsident ist offenkundig wütend auf den Iran, die Nato und besonders auf einzelne Mitgliedstaaten. Es war aber kein spontaner Wutausbruch, sondern ein durchaus kalkulierter. Schon bei einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte Trump gegen die Nato ausgeteilt. Die Hoffnung, ihn während des Gipfels besänftigen und wie ein rohes Ei behandeln zu können, ist misslungen.
Wen griff Trump besonders scharf an?
Er attackierte erneut jene Länder, die den USA im Krieg gegen den Iran nicht geholfen hätten. Am schärfsten kritisierte er Spanien. Die Handelsbeziehungen mit dem Land sollen sogar gekappt werden. Zudem brachte Trump erneut eine Besetzung Grönlands durch die USA ins Spiel. Dieses Thema scheint ihn fast obsessiv zu beschäftigen. Auch der Waffenstillstand und das Rahmenabkommen mit Teheran seien hinfällig, nachdem der Iran erneut Schiffe in der Strasse von Hormus attackiert habe.
Sind die Verhandlungen mit dem Iran nun tatsächlich beendet?
Nach Trumps Aussagen scheint es so. Ob er bei dieser Haltung bleibt, ist allerdings nie sicher. Grundsätzlich hat er ein grosses Interesse daran, den Krieg zu beenden. Denn als Erfolg kann er ihn selbst vor seinen Anhängern nicht darstellen. Allerdings beleidigte er die iranische Führung diesmal explizit und bezeichnete ihre Vertreter als kranke Menschen. Das klingt nach einem nachhaltigen Bruch. Doch den USA fehlt eine Alternative zu Verhandlungen mit dem Iran.
Gibt es bereits eine Reaktion aus dem Iran?
Auf Trumps persönliche Angriffe gibt es noch keine direkte Antwort. Aber nach den US-amerikanischen Gegenangriffen in der vergangenen Nacht lässt das iranische Aussenministerium verlauten, das Rahmenabkommen sei unwirksam geworden. Es ist schwer vorstellbar, dass die iranischen Unterhändler nach Trumps jüngsten Beleidigungen derzeit zu weiteren Verhandlungen bereit sind.
Wie reagierte Nato-Generalsekretär Mark Rutte?
Rutte hat mehrfach versucht, Trump zu besänftigen, allerdings erfolglos. Beim Iran stellte er sich jedoch hinter den US-Präsidenten und bezeichnete die amerikanischen Gegenangriffe als berechtigt. Er verwies zugleich darauf, dass die Nato-Staaten ihr militärisches und finanzielles Engagement deutlich erhöht hätten. Auch Spanien nahm er in Schutz. Bei Grönland erinnerte er daran, dass die Nato die Insel gemeinsam gegen mögliche russische oder chinesische Angriffe schützen wolle. Daher brauche es keine amerikanische Annexion. Trump lobte Rutte zwar als hervorragenden Nato-Generalsekretär, liess sich aber davon nicht umstimmen.