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Einschätzung von Sebastian Ramspeck
Aus Tagesschau vom 23.03.2021.
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Nato-Treffen Die USA umarmen ihre Verbündeten wieder – das kann auch wehtun

An seinem ersten Nato-Treffen als US-Aussenminister hat Anthony Blinken in Brüssel die Arbeit der transatlantischen Verteidigungsallianz gelobt, seinen Amtskollegen Engagement und Bündnistreue in Aussicht gestellt – aber auch gleich eine lange Liste mit Erwartungen vorgetragen.

Zum Beispiel in Sachen Nord Stream 2. Die beinahe fertiggestellte Pipeline, die bald schon russisches Erdgas nach Deutschland transportieren soll, sei eine «schlechte Idee», befand Blinken, der oberste US-Diplomat, ganz undiplomatisch. Mehr noch: Die Pipeline sei nicht einmal im Interesse Deutschlands. Die USA würden weitere Sanktionen gegen Nord Stream 2 in Betracht ziehen.

Die USA betonen ihren Führungsanspruch

Die Botschaft ist klar: Mit dem neuen Präsidenten Joe Biden und seiner Regierung soll die Nato wieder werden, was sie für die USA jahrzehntelang gewesen war – ein zentraler Baustein der Aussenpolitik, das wichtigste Verteidigungsbündnis. Aber auch eine Organisation, in der die USA den Ton angeben. Die USA umarmen ihre Verbündeten wieder, aber die Umarmung tut bisweilen auch weh.

Die Zweifel an der Bedeutung der Nato, die bereits unter Ex-US-Präsident Barack Obama leise und dann lautstark von Donald Trump gesät worden waren: Sie sind vorerst Geschichte. Die Nato-Partner der USA – Kanada und 28 europäische Länder – sollen sich im Konfliktfall ohne Wenn und Aber auf das Bündnis verlassen können. Sie sollen in wichtigen Fragen frühzeitig informiert und angehört werden, die USA aber bitteschön auch als Führungsmacht anerkennen.

Damit verschwinden alte Konflikte freilich nicht, und neue sind programmiert. Denn die Nato ist mit ihren 30 Mitgliedern unübersichtlich geworden. Wo man hinsieht, tun sich Gräben auf. Für Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist Russland nach wie vor die Hauptbedrohung – und damit Daseinsberechtigung des Bündnisses. Trotzdem will Deutschland mit Nord Stream 2 mehr russisches Erdgas kaufen, und die Türkei hat im grossen Stil russische Waffen bestellt.

Nato sucht nach Neuausrichtung

Überhaupt sorgt die Türkei innerhalb der Nato immer wieder für heftige Konflikte. Im vergangenen Jahr drohte gar eine militärische Auseinandersetzung mit den Bündnispartnern Frankreich und Griechenland. Für die alte neue Führungsmacht USA gibt es viel zu kitten. Zumal Blinken heute über die Beistandspflicht hinaus die gemeinsamen Werte der Nato-Staaten betonte.

Bis Ende Jahr wollen die Staats- und Regierungschefs eine neue Strategie, «Nato 2030», ausarbeiten. Geht es nach dem Willen der USA, soll sich die Nato künftig mehr um China kümmern. Das transatlantische Bündnis mit den USA in einer transpazifischen Rivalität mit China: Nicht alle Nato-Staaten werden über diese Neuausrichtung erfreut sein.

Sebastian Ramspeck

Sebastian Ramspeck

Internationaler Korrespondent, SRF

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Sebastian Ramspeck ist internationaler Korrespondent für SRF. Zuvor war er Korrespondent in Brüssel und arbeitete er als Wirtschaftsreporter für das Nachrichtenmagazin «10vor10». Ramspeck studierte Internationale Beziehungen am Graduate Institute in Genf.

Tagesschau, 23.03.2021, 19:30 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Nordstream 2:
    Ich verstehe bis heute nicht, wie man den Bau einer zweiten Gasleitung als Bedruhung durch Russland oder Abhängigkeit von Russland werten kann.

    Warum sollte EU/Europa von Russland mehr abhängig werden, wenn sie mehr (bzw zuverlässiger) Gas liefern werden können?

    Ist EU/Europa schon mit einer Gasleitung nicht auch schon abhängig?
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Sorry an die "Freunde" von Russland: Demokratien und repressive Staaten (Diktaturen) driften so stark auseinander, dass Verflechtungen jeglicher Art (wirtschaftlich, militärisch, politisch wie auch konfessionell) nur zu unlösbaren Problemen führen. Ideologisch passt Russland (seit Jelzin) nicht mehr in die Landschaft von demokratischen Prozessen, ergo auch nicht mehr zu Europa, geschweige den die Schweiz. Die Verbindung zu den USA ist von allen "schlechten Optionen" die Beste.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Was für Russland gilt, gilt auch für die Türkei.
      Und trotzdem ist sie nicht raus aus dem NATO-Bündniss
    2. Antwort von Peter M Haller  (Peter M Haller)
      Wenn Sie jung genug sind, könnten Sie diese Aussage vielleicht eines Tages bereuen. Denn ein Krieg wrid nicht in den USA stattfinden sondern in Europa.
  • Kommentar von Marco D'Ercole  (Marco D)
    Man kann ja bekanntlich versch. Meinung sein.
    Was mich aber schon sehr nachdenklich stimmt ist, dass die Europ. Staaten alleine nicht fähig sein sollen einer allf. fremden Aggression standzuhalten. Ich finde, dass ein russischer Überfall auf die baltischen Staaten nur verlierer bringen würde aber Putin provoziert dort schon länger in bedenklicher Weise. Norwegen wäre ein anderes Beispiel. Eigentlich lächerlich aber leider Realität.
    Der Mensch ist kein friedliches Geschöpf! Leider....
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Was würde den die EU/Nato/USA machen, wenn Russland Estland, Lettland oder Litauen besetzen würde ?
      Was haben sie bei der Besetzung der Krim gemacht ?

      Selbt wenn Russland die ganze Ukraine besetzen würde, würde die Nato nichts machen.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Was glauben Sie was die Bürger dieser betroffenen Länder machen würden, wenn Russland sich erdreisten würde, sie zu erobern. Sie würden massiven Widerstand leisten. Der letzte estnische Widerstandskämpfer liquidierte der KGB erst 1978. Immerhin 33 Jahre nach dem offiziellen Kriegsende 1945! Die Balten sind diesmal vorbereitet, auch ohne Nato! Sie wissen, dass sie alleine kämpfen werden! Das würde auch ohne Nato wie 1945 sehr blutig!
    3. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      @Maciej Panie Macku! Wer sagt es, dass Russland baltischen Staaten und Ukraine besetzen will? Die Russen sind doch nicht so dumm. Für Putin ist es bequemer V Kolonne der Stammrussen (14 Millionen auf der Ukraine) in allen dieser Ländern zu haben als für diese Ländern selbst zu sorgen. So sorgt für diese Ländern EU. Ohne EU hätten die schlimmer als Kosovo: wirtschaftlich nicht überlebensfähig. Inzwischen Zeit alle Esten, Litauer, Letten tun nach Westen auswandern und bleiben nur die Russen.