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Netanjahu verärgert Tauziehen um Verwaltung des Gazastreifens – der Stand der Dinge

Israel stösst sich an der personellen Besetzung der Exekutivgremien durch Donald Trump – ein Überblick.

Was gerade passiert: Nachdem US-Präsident Donald Trump trotz unabgeschlossener erster Phase die nächste Phase seines Gaza-«Friedensplans» eingeleitet hat, hat nun die Ernennung der Mitglieder seines «Friedensrats» und der zwei ihm unterstellten Exekutivgremien begonnen. Diese sollen den Wiederaufbau im vom Krieg zwischen Israel und der Hamas zerstörten Gazastreifen steuern sowie die 15-Köpfige palästinensische Technokraten-Regierung beaufsichtigen. Israel stösst sich an der personellen Besetzung der Exekutivgremien, insbesondere des «Gaza Executive Board». Währenddessen wirft die Besetzung des zweiten Exekutivgremiums sowie des Friedensrates Fragen auf.

So soll der Gazastreifen regiert werden

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Technisch ist der Gaza-Exekutivrat sowie ein weiteres Exekutivkomitee dem «Friedensrat» unterstellt, der sich aus führenden Politikern aus aller Welt zusammensetzen und von US-Präsident Donald Trump geleitet werden soll. Die Exekutivgremien werden jedoch direkter mit der Aufsicht über die Nachkriegsverwaltung in Gaza befasst sein. Der «Friedensrat» ist also vor allem das Aushängeschild des Apparats.

Der «Friedensrat» ist Teil der zweiten Phase von Trumps Friedensplan für Gaza, die ein dauerhaftes Kriegsende und die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas vorsieht, was diese noch immer ablehnt.

Die Exekutivorgane sollen die aus palästinensischen Technokraten bestehende neue Übergangsregierung des im Krieg weitgehend zerstörten Küstenstreifens beaufsichtigen.

Netanjahu ist verärgert: In einer ungewöhnlich deutlichen Stellungnahme des Büros von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu heisst es, die Ankündigung bezüglich der Zusammensetzung des sogenannten «Gaza Executive Board», der dem «Friedensrat» unterstellt ist, sei «nicht mit Israel abgestimmt und widerspricht dessen Politik».

Trump und Netanjahu
Legende: Trump und Netanjahu in Mar-a-Lago im Dezember letzten Jahres. Reuters / Jonathan Ernst

Netanjahu habe Aussenminister Gideon Saar angewiesen, sich in dieser Angelegenheit mit seinem US-Kollegen Marco Rubio in Verbindung zu setzen. Netanjahu stösst sich offensichtlich daran, dass dem Gremium der türkische Aussenminister Hakan Fidan und der ranghohe katarische Diplomat Ali Thawadi angehören. Die Türkei und Katar hatten Israels Krieg im Gazastreifen scharf kritisiert.

So reagiert die USA: Auf Netanjahus Einwände angesprochen, sagte ein ranghoher US-Beamter der US-Nachrichtenseite «Axios»: «Das ist unsere Show, nicht seine Show. Wir haben in den vergangenen Monaten in Gaza Dinge erreicht, die niemand für möglich gehalten hätte, und wir werden weitermachen.»

Das ist unsere Show, nicht seine Show.
Autor: Ranghoher US-Beamter gegenüber US-Medium

Netanjahu sei nicht zur personellen Besetzung des Exekutivgremiums konsultiert worden, weil er in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht habe. «Er soll sich auf den Iran konzentrieren und uns Gaza überlassen. Wir werden uns nicht mit ihm streiten.»

Wer sitzt im Friedensrat? Mehrere Staats- und Regierungschefs wurden nach eigenen Angaben von Trump eingeladen, im «Friedensrat» mitzuwirken. Eine Einladung wollen unter anderem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und Argentiniens Präsident Javier Milei erhalten haben. 

Das sind die Mitglieder der Komitees

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Nach offiziellen Angaben des Weissen Hauses sind folgende Mitglieder der neuen Organe bekannt:

«Founding Executive Board»

Jedes Mitglied soll ein Portfolio, ähnlich einem Departement, übernehmen.

  • Vorsitzender: Donald Trump
  • Leiter Tagesgeschäfte: Nickolay Mladenov, Bulgarischer Politiker
  • US-Aussenminister Marco Rubio
  • US-Sondergesandter Steve Witkoff
  • Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
  • Sir Tony Blair, ehemaliger Premier Grossbritanniens
  • Marc Rowan, CEO von Apollo Global Management
  • Ajay Banga, Präsident der Weltbank
  • Robert Gabriel, Trumps Berater

«Gaza Executive Board»

Soll die palästinensische Technokratenregierung unterstützen und «dazu beitragen, eine effektive Regierungsführung» zu gewährleisten.

  • US-Sondergesandter Steve Witkoff
  • Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn
  • Hakan Fidan, Türkischer Aussenminister
  • Ali Al-Thawadi, Katarischer Diplomat
  • General Hassan Rashad, Direktor des Ägyptischen Geheimdienstes
  • Sir Tony Blair, Ehemaliger Premier Grossbritanniens
  • Marc Rowan, CEO von Apollo Global Management
  • Reem Al-Hashimy, Emiratische Aussenministerin
  • Nickolay Mladenov, Bulgarischer Politiker
  • Yakir Gabay, Israelischer Geschäftsmann
  • Sigrid Kaag, Niederländische Diplomatin

«International Stabilization Force (ISF)»

  • US-Generalmajor Jasper Jeffers

Mark Carney habe ebenfalls eine Einladung erhalten und wolle diese annehmen, so der kanadische Ministerpräsident. Auch Jordaniens König Abdullah ist nach Angaben seines Aussenministeriums von US-Präsident Donald Trump in den Friedensrat eingeladen worden. Eine offizielle Bestätigung von US-Seite fehlt zurzeit noch.

Das Gerücht mit der Milliarde: Die US-Regierung will einem Medienbericht zufolge von Staaten, welche mehr als drei Jahre im «Friedensrat» bleiben wollen, eine Milliarde Dollar für einen Sitz verlangen. Dies berichteten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters unter Berufung auf einen Charta-Entwurf. Das Weisse Haus wies den Bericht zunächst als «irreführend» zurück:

Zerstörte Gebäude in einer städtischen Umgebung.
Legende: Der Wiederaufbau des Gazastreifens dürfte Jahrzehnte dauern. Reuters / Mahmoud Issa

Es gebe keine Mindestgebühr für die Mitgliedschaft im Friedensrat. «Dies bietet lediglich Partnerländern eine dauerhafte Mitgliedschaft, die sich nachdrücklich zu Frieden, Sicherheit und Wohlstand bekennen», hiess es in einer Erklärung auf der Online-Plattform X. Es wird nicht abschliessend klar, ob und wann eine Milliarde fällig würde. Dem Bloomberg-Bericht zufolge soll Trump der erste Vorsitzende des Gremiums sein.

SRF 4 News, 18.01.26, 1 Uhr ; 

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