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Neue US-Zölle gegen China Eine gefährliche Abwärtsspirale droht

Der Schritt war erwartet worden. Dennoch hatten grosse Teile der US-Wirtschaft, aber auch der Finanzminister bis zuletzt versucht, ihn noch abzuwenden – am Ende ohne Erfolg: Präsident Donald Trump verhängt schon ab kommender Woche Zölle auf chinesische Importe in die USA im Wert von 200 Milliarden Dollar.

Als Präsident sei es seine Aufgabe, die Interessen amerikanischer Arbeiter, Bauern und Firmen zu schützen, sagte er in einer schriftlichen Erklärung. Mündlich äusserte sich Trump nur kurz: Seine Zölle würden sehr viel Geld in amerikanische Kassen spülen.

Auch US-Konsumenten werden leiden

Anders als die bisherigen, wesentlich weniger umfangreichen Zölle, die vor allem Produktebestandteilen oder Stahl und Aluminium galten, trifft das neue, grosse Sanktionspaket auch Konsumgüter: Reinigungsprodukte, Spielwaren, Elektrogeräte, Lebensmittel, Lederwaren und manches mehr.

Der US-Detailhandelsverband geht davon aus, dass die Konsumenten unter Trumps Zöllen leiden und insgesamt sechs Milliarden Dollar mehr für chinesische Produkte bezahlen werden.

Sollte China auf die Zölle mit Gegenmassnahmen antworten, so droht Trump an, die Abgaben auf bisher noch ausgeklammerte Importprodukte zu erweitern. Damit unterstünden dann praktisch sämtliche chinesische Ausfuhren in die USA Zöllen von zunächst zehn, ab Anfang 2019 aber gar 25 Prozent.

Geplante Verhandlungen wohl hinfällig

Dutzende von Branchenverbänden und Grossunternehmen wollten diese Woche eine aufwendige Kampagne gegen die Zölle lancieren, mit Inseraten, intensivem Lobbying und öffentlichen Kundgebungen. Zu spät, zumindest was Waren aus China betrifft.

Hinfällig werden dürften auch die für nächsten Tage angekündigten Verhandlungen mit China. Der Weltwährungsfonds IWF sieht aufgrund der US-Zölle gar das weltweite Wirtschaftswachstum in Gefahr.

Die Mehrheit sieht ein gewaltiges Risiko

Ganz generell wird Trumps Strafaktion sehr unterschiedlich bewertet. Manche, darunter auch durchaus angesehene Wirtschaftsprofessoren, glauben, so könne erfolgreich Druck auf China gemacht werden, damit es seine unfairen Handelspraktiken ändere. Das hätten frühere US-Regierungen nicht gewagt – und die Europäer wagten es bis heute nicht. Doch es sei überfällig.

Andere, wohl die Mehrheit, sehen im neuen Zollbeschluss Washingtons ein gewaltiges Risiko. Zum einen für die US-Wirtschaft selber, zum andern auch für die globale Wirtschaft, die aufgrund solch protektionistischer Massnahmen in eine lange, gefährliche Abwärtsspirale geraten könnte. Wer Recht hat, dürfte sich schon sehr bald zeigen.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Legende: Video Handelsstreit USA-China abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 18.09.2018.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic (Alex)
    Mit den USA sollte man sowieso keine Geschäfte machen! Für China wäre es am besten wenn China sich auf die Länder Eurasiens, Afrikas, Südamerikas und Zentralamerikas konzentrieren würde! Immerhin verhängen diese Länder keine Strafzölle und ermöglichen dadurch einen fairen Handel! Ich bin mir sicher China wird es noch besser gehen wenn sie sich in der Wirtschaft neue Partner suchen!
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Es ist tragisch, wenn Wirtschaftsfachleute nur noch nach politischem Gusto ihre Sicht der Dinge von sich geben. Die USA ist in Sachen China klar am längeren Hebel, da es in China keine freie Binnenwirtschaft gibt und die der USA mächtig ist. Die Chinesen geben irgendwann, wenn die Schmerzgrenze erreicht ist nach, ansonsten wäre die Börse längst kollabiert und das ist sie nicht.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Während man in Europa noch immer die Wahl hat aus europäischer Produktion zu kaufen, ist es in den USA mittlerweile so, dass sogar Schrauben und andere Kleinteile Made in ..... nur nicht in den USA sind. Das ist aber von den Handelsketten so gewollt weil die Gier nach Profiten ungebrochen ist. Keiner hat da an die Arbeiter in ..... gedacht. Es ist nicht die arbeitende Masse, es sind die Profiteure a la APPLE, AMAZON u.a. insofern fallen die Aktivitäten von DT wohl auf fruchtbaren Boden.
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    1. Antwort von Michel Koller (Mica)
      Man macht es sich schon sehr einfach, wenn man die Schuld den bösen Konzernen zuschiebt. Hatte vor einiger Zeit eine Diskussion mit einem befreundeten Schmied und Werkzeugbauer in den USA. Er meint, dass gut 80% seiner Laufkundschaft nicht mehr bereit ist, angemessene Preise für Messer, Werkzeuge etc. zu bezahlen und sie dann lieber günstige Produkte bei den Grossverteilern kaufen. Dann aber meckern, dass die Industrie verschwindet und damit auch die Arbeitsplätze.
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