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Neuer NRA-Präsident «Eine Heldenfigur für politisch rechts Gerichtete»

Legende: Audio Der neue Präsident der National Rifle Association (NRA) abspielen. Laufzeit 04:00 Minuten.
04:00 min, aus Info 3 vom 08.05.2018.

Die amerikanische Vereinigung der Waffenfreunde, die NRA, hat fünf Millionen Mitglieder. Sie alle erwarten, dass sie ihre Leidenschaft auch weiterhin frei ausleben können. Um eine Verschärfung der Waffengesetze zu verhindern, investieren sie Millionen Dollars und nehmen Einfluss auf Politiker in Washington. Der neue Präsident der NRA, Oliver North, sei kein unbeschriebenes Blatt, sagt SRF-Experte Fredy Gsteiger.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

SRF News: Wer ist Oliver North?

Fredy Gsteiger: North wurde weltweit mit einer Sache bekannt, die im Grunde total unglaubwürdig klingt, aber doch wahr ist. Die Rede ist von der sogenannten Iran-Contra-Affäre Mitte der 1980er-Jahre. Damals lieferten die USA gegen alle internationalen Embargos Waffen ausgerechnet an ihren Feind Iran, der damals schon unter der Kontrolle der Mullahs stand. Die Idee dahinter war, dass man damit amerikanische Geiseln in Libanon freibekommen wollte.

Oliver North war der Mann, der dahintersteckte.

Mit dem Geld, das die Amerikaner mit diesem Waffenverkauf verdienten, wurden rechte bis rechtsextreme Rebellen in Nicaragua unterstützt – auch das gegen amerikanische Parlamentsbeschlüsse. Der Mann, der diese ganzen Sachen koordinierte, war Oliver North. Am Ende wurde er deswegen angeklagt und verurteilt. Das Urteil wurde am Ende wegen technischer Mängel aufgehoben, aber im Grunde genommen wissen alle: Oliver North war der Mann, der dahintersteckte.

Wie wurde North dann zur Kultfigur der Rechten?

Aus der internationalen Aufmerksamkeit verschwand North. Er hatte ja kein öffentliches Amt mehr. Aber in Amerika war er immer sehr aktiv. Er war präsent auf rechten Radiostationen in den USA und im rechten Fernsehsender Fox News. Dort gab es sogar eine Serie «Kriegsgeschichten mit Oliver North».

Die Waffenlobby fürchtet, dass die Anhänger strengerer Waffengesetze Auftrieb haben.

Er blieb für politisch rechts gerichtete Leute sogar eine Heldenfigur. North begeisterte viele Leute im rechten Lager vielleicht auch deswegen, weil sie die ganze Iran-Contra-Affäre letztlich ganz gut fanden. Denn jemand hatte dem internationalen Recht, dem Völkerrecht und sogar den Mächtigen in Washington ein Schnippchen geschlagen.

Ein Mann schwenkt eine Fahne mit einem Gewehr.
Legende: Für die NRA ist das Recht auf Waffenbesitz das bedeutendste Bürgerrecht in den USA. Keystone

Was soll North als Präsident der NRA erreichen?

Es soll dieser Lobby wieder mehr Sichtbarkeit verschaffen. Der letzte wirklich prominente Präsident der Waffenlobby war Charlton Heston, Schauspieler in Monumentalfilmen wie «Ben Hur». In der Zwischenzeit gab es eine ganze Abfolge von eher blassen Figuren. Mit North möchte man jetzt wieder eine im rechten Lager wirklich bekannte Figur, fast schon Heldenfigur, an der Spitze haben.

Die Waffenlobby fürchtet, dass die Anhänger strengerer Waffengesetze Auftrieb haben. Dies, weil viele Jugendliche, Schüler und Studenten für strengere Gesetze lobbyieren und damit auch auf den sozialen Plattformen Resonanz entwickeln. Man fühlt sich ein Stück weit unter Druck und will im eigenen Lager maximal mobilisieren.

Das Gespräch führte Karin Britsch.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Amthauer (Peter.A)
    Das ist ein Glücksgriff für die US-Waffenlobby. Einen geeigneteren Vertreter ihrer Interessen hätten die "Hobby"schützen nicht rekrutieren können. MfG
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  • Kommentar von Hans Klein (HansKlein)
    Also jemand, der als Armeeangehöriger die offiziellen Feinde seines Landes mit Waffen beliefert, dann internationale Terrorbanden (die Contras) unterstützt und mit Sicherheit auch gewusst hat, dass die Flugzeuge auf den Lieferungen im Dienst der CIA Kokain in die USA geflogen haben … so jemand bekommt so einen "ehrenwerten" Posten. Tja, das nennt man dann wohl "gelungene Resozialisierung" eines Landesverräters, Kriegsverbrechers und Kriminellen, oder?
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Typen im Range eines Oberstleutnants North sind Protokollfuehrer und Gehilfen ihrer militaerischen, geheimdienstlichen und politischen Befehlskette. Sie duerfen auch Anregungen unterbreiten. Aber ueber deren Durchfuehrung entscheiden nur Generaele, Politiker und Richter. North ist und bleibt ein Bauernopfer ohne selbstaendige Befehlsgewalt....
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Und in wie fern macht soll das den Herrn North entlasten? Einen Verbrecher in Schutz nehmen nennt man sonst auch Täterschutz.
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Mueller - Abgesehen davon, dass North als Befehlsnotstaender in allen Nochrechtsstaaten gar nicht erst angeklagt worden waere, wurde er in den USA nicht nur begnadigt, sonder das Strafurteil der Vorderrichter wurde von einem hoeheren Gericht gar aufgehoben. Die "Verbrecher"keule sollte nicht mehr so selektiv geschwungen werden....
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