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Portugal auf dem Weg zur aktiven Sterbehilfe
Aus 10 vor 10 vom 21.12.2020.
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Neues Gesetz Aktive Sterbehilfe: Zeichen des Wandels in Spanien und Portugal

Letzte Woche beschloss das spanische Parlament die aktive Sterbehilfe. Portugal steht kurz vor dem gleichen Schritt.

Es sind katholisch geprägte Länder, und doch ist es in Spanien und Portugal mit grosser Wahrscheinlichkeit schon bald möglich, die aktive Sterbehilfe zu beanspruchen – gegen den Willen der Kirche.

Klare Mehrheit in Spanien dafür

Die Debatten wurden seit Jahren geführt, in beiden Ländern liegt es an den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen in den Parlamenten, dass entsprechende Gesetzesvorlagen angenommen wurden. Die linken Parteien haben sich durchgesetzt und beeilen sich zu betonen, dass sie tun, was die Gesellschaft Umfragen zufolge längst verlangt. In Spanien befürwortet eine klare Mehrheit von 85 Prozent die Sterbehilfe, in Portugal ist es weniger klar: Doch auch hier sagen 50 Prozent Ja zur Sterbehilfe.

Betroffene sorgen für Umdenken

In beiden Ländern haben auch sterbewillige Personen für ein Umdenken gesorgt: Männer und Frauen, die ihr Leid und ihren Sterbenswunsch an die Öffentlichkeit trugen. In Spanien etwa schon Ende der 1990er-Jahre der Tetraplegiker Ramón Sampedro, dessen Leben später verfilmt wurde.

Andere folgten, in Portugal zuletzt der Tetraplegiker Luís Marques, der als 8-Jähriger ungeimpft an Polio erkrankte, dem Ausgangspunkt der Lähmungen. Die Komplikationen wurden im Lauf des Lebens immer grösser, die Abhängigkeit von anderen ebenfalls. Marques, der nicht mehr selber essen konnte, nur noch 10 Prozent Atemkapazität aufwies und rund um die Uhr an ein Atemgerät gebunden war, entschied sich für den Tod. Mit Freunden und Verwandten fuhr er im Sommer 2000 Kilometer weit in die Schweiz, wo er im Gegensatz zu Portugal Sterbehilfe legal in Anspruch nehmen durfte.

Sterbehilfe nur unter Bedingungen

In der Schweiz, die die passive und indirekte Sterbehilfe erlaubt, dürfen Ärzte selber keine Medikamente verabreichen, die zum Tod des Patienten führen. In Spanien und Portugal soll das mit aktiver Sterbehilfe künftig erlaubt sein. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: Die sterbewillige Person muss volljährig und im vollen Besitz ihrer geistigen Fähigkeiten sein und sie muss an einer unheilbaren Krankheit oder besonders schwerer Behinderung leiden, die nicht gemildert werden kann.

Sowohl in Portugal wie in Spanien muss die sterbewillige Person in einem mehrstufigen Verfahren, an dem Ärzte, Psychiater, Juristen und Kommissionen beteiligt sind, mehrfach ihren Willen äussern, ihr Leben beenden zu wollen.

Gesetz muss letzte Hürden nehmen

Noch ist nicht alles unter Dach und Fach: In Spanien wird der Senat im Januar mit grösster Wahrscheinlichkeit der grossen Kammer folgen. In Portugal sagte das Parlament schon letzten Februar im Grundsatz Ja zur aktiven Sterbehilfe, nach bereits erfolgter Detailberatung dürfte es im Januar definitiv Ja sagen. Ob das Sterbehilfegesetz in Portugal in Kraft tritt oder ob es abgeändert werden muss, entscheidet sich womöglich am Verfassungsgericht. Portugals Präsident, ein überzeugter Katholik, könnte es hier überprüfen lassen. Die Chancen, dass es in Kraft tritt, gelten dennoch als intakt.

Sollte es so weit sein, wären Portugal und Spanien das fünfte und sechste Land weltweit mit aktiver Sterbehilfe – nebst den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Kanada. Dass die katholisch geprägten Länder Portugal und Spanien möglicherweise schon bald neue Wege gehen, kommt für die einen überstürzt. Für die anderen – tendenziell die Mehrheit – ist es ein überfälliger Schritt.

SRF 4 News, 19.12.2020, 19 Uhr

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Aldo brändli  (aldo)
    Ein ungeborenes Kind darf getötet werden. Wenn ich aber selber bestimme, dass man mir bei einer bestimmten Krankheit aktive Sterbehilfe leistet, das geht nicht. Wer soll das noch verstehen?
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  • Kommentar von Bobby Senn  (Hardcorehansi)
    grundsätzlich hat weder staat gesellschaft, familie noch kirchliche obrigkeit, ein mitspracherecht! das einzige was mitsprechen darf, ist die rechtliche situation!
    wir gehen hier nicht von einer affekt handlung aus, sonderen einer wohlüberlegten entscheidung. selbstbestimmtes sterben ist ein menschrecht, egal ob dieser mensch nun unheilbar krank oder "blos" des lebens müde ist!
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  • Kommentar von Maria Heule  (marbel)
    Viele ältere gebrechliche Menschen
    sind sehr geprägt vom eine streng religiösen Erziehung .
    Sie haben sie nicht mit eine Patienten Verfügung Beschäftig .
    Ich kenne viel die meinen der Zeitpunkt der Tod sei vorbestimmt oder Gott entscheide .
    Trozden haben sie Todessehnsucht und sind Lebenssatt .
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