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Was machen Island, Grönland und die Färöer anders?
Aus Echo der Zeit vom 15.04.2020.
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Nordlichter meistern Corona Die Inseln der Glückseligkeit

Relativ viele Infizierte, aber kaum Tote: Aus Island, Grönland und von den Färöern gibt es keine Horrormeldungen. Warum?

Gute Nachrichten sind derzeit rar. Die täglich aktualisierten Todeszahlen in der Corona-Krise sind zu einem traurigen Ritual geworden. Hoffnungsvoll macht der Blick hinauf in den Norden: Island meldet acht Corona-Opfer, in Grönland und auf den Färöern ist noch niemand am Virus gestorben.

Und das, obwohl die Inseln im Nordatlantik relativ viele Corona-Infektionen haben. Denn die Abgeschiedenheit schützt in der globalisierten Welt nicht vor einer Pandemie. In Island etwa gibt es über 1700 bestätigte Falle – und das bei einer Bevölkerungszahl von rund 360'000. Allerdings: Wer viel testet, hat auch mehr bestätigte Infektionen.

Die Menschen sind bereit, ihre Gesundheitsdaten preiszugeben.
Autor: Bruno KaufmannSRF-Mitarbeiter in Nordeuropa

Und genau das haben die nordischen Inseln gemacht. «Sie haben früh reagiert, als die ersten Fälle bekannt wurden. Aber nicht durch einen Lockdown der Gesellschaft, sondern durch massenhafte Tests», erklärt Bruno Kaufmann, der für SRF über Nordeuropa berichtet.

Zudem seien die Menschen vor allem in Island, wo immer wieder Vulkane ausbrechen, katastrophenerprobt. Die Bereitschaft, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, sei sehr ausgeprägt.

Der Thufa-Hügel in Reykjavik
Legende: Von der Globalisierung verschontes Eiland? Mitnichten. Islands Hauptstadt Reykjavík dient als Stopover im Atlantik, das Umland zieht mit seinen Naturschönheiten massenhaft Touristen an. Keystone

Nirgendwo auf der Welt wurde ein so grosser Teil der Bevölkerung auf das Coronavirus getestet wie in Island. Die Tests zeigten, dass es viele Infizierte ohne Symptome gab. «So war es möglich, diese Menschen frühzeitig zu isolieren. Das hat sicher geholfen, das Virus einzudämmen und die Opferzahlen gering zu halten», ist Kaufmann überzeugt.

Island ist nicht nur offen gegenüber Corona-Tests, sondern traditionell auch gegenüber Gentests. Über hunderte Jahre lassen sich die Stammbäume der Bevölkerung zurückverfolgen. «Die Menschen haben weniger Datenschutzbedenken als andernorts. Sie sind bereit, ihre Gesundheitsdaten preiszugeben», so Kaufmann. Und auch jetzt durchleuchten Wissenschaftler die Bevölkerung.

Ein Labor für die Welt

Auch auf der Inselgruppe der Färöer mit ihren 50'000 Einwohnern hat man rund zehn Prozent der Bevölkerung getestet. Man habe aber auch davon profitiert, dass es in der Fischwirtschaft eine gute «Virenerkennungs-Infrastruktur» gebe, berichtet Kaufmann. Diese Erfahrung habe den Behörden auf den Färöern nun auch geholfen, die Epidemie einzudämmen.

Lachsfarm auf den Färöern
Legende: Um Lachse auf das ISA-Virus zu untersuchen, gibt es auf den Färöern eine grosse Test-Infrastruktur. Diese wurde schon 2009 während der Schweinegrippe-Epidemie umfunktioniert und auch jetzt adaptiert. imago images

Das Know-how der Nordlichter in Sachen Virusbekämpfung wird weltweit wahrgenommen. Gerade isländische Wissenschaftler seien bestens in die internationale Forschungsgemeinschaft integriert, sagt Kaufmann. Anfang April schätzte das Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention in den USA, dass bis zu 25 Prozent der Infizierten asymptomatisch sind – dies auch auf Grundlage der Erkenntnisse aus Island.

Gelassen und gesund

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Menschen baden in heissem Wasser
Legende: keystone

Isländer und Färöer seien gelassen im Umgang mit Krisen und Katastrophen, sagt Bruno Kaufmann. Das hänge auch mit den guten Lebensbedingungen und der Ernährung zusammen. «Und Island verfügt über eine sehr hohe Lebenserwartung. Die Menschen geniessen eine grosse Volksgesundheit.» Auch das dürfte mitverantwortlich dafür sein, dass es bisher so wenige Tote gab, glaubt Kaufmann. Und die grosse soziale Absicherung führe dazu, dass Menschen mit Krankheitssymptomen zuhause blieben, statt zur Arbeit zu gehen.

Man könne die Inseln im Nordatlantik durchaus als «Labor für die Welt» bezeichnen, schliesst Kaufmann. Dank der Massentests und der reichhaltigen Gen-Datenbanken sei es möglich, mehr über die Hintergründe gewisser Erkrankungen zu erfahren.

Auch im Fall des Coronavirus. «Man hat zum Beispiel herausgefunden, dass es zwei Typen der Viren gibt – einen weniger und einen viel stärker ansteckenden. Auf Island gab es eine Person, die beide hatte», so der SRF-Mitarbeiter.

Häuschen mit Hunden davor in Grönland
Legende: Sonderfall Grönland: Die grösste Insel der Welt ist extrem dünn besiedelt. Corona-Fälle gab es bisher nur in der Hauptstadt Nuuk, wo 15'000 Menschen leben. Keystone

Von der Epidemie verschont worden sind die abgelegenen Inseln also nicht. Doch auch sie planen nun den Weg zurück in die Normalität. Island will Schulen, Coiffeursalons, Museen und Schulen Anfang Mai wieder öffnen – Nachtclubs, Bars und Fitnesscenter sollen geschlossen bleiben.

«Echo der Zeit» 15.04.2020, 18:00 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt E. Müller  (KEM)
    Die Insel der Glückseligen liegt aber eher in Schweden, weil dort die verordnete und herbei geschriebene Massenpanik einfach nicht stattfindet - dank einer besonnenen Regierung. Schulen und Restaurants wurden gar nie geschlossen, nicht wie auf den nordischen Inseln. Falls unsere Regierung in der Schweiz nicht bald auf dem Panikmodus heraus findet, werde ich wohl nach Schweden auswandern müssen.
    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Die Schwedischen Gesundheitsministerin sagte: Schweden hat in zwei Punkten anders gehandelt: Zum einen sind die Schulen nicht geschlossen worden – Kindertagesstätten und Grundschulen sind geöffnet, an weiterführenden Schulen und Unis wird digital unterrichtet. Zum anderen, sind keine Regeln eingeführt worden, mit denen die Bürger gezwungen würden, zu Hause zu bleiben. Die Regierung habe sich mit Empfehlungen an die Bürger gewandt – und das sei erfolgreich gewesen.
      Nicht viel anders als bei uns.
    2. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      SWE hat auch bereits fast aktuell 14'777 bestätigte Fälle, 1'580 Tote und 550 Geheilte. Dagegen hat die CH 27'944 Fälle, 1'429 Tote und 18'600 Geheilte. (Stand 21.04.20; 09:30, Johns Hopkins University). Dass SWE bei fast der Hälfte der CH-Fallzahlen liegt, aber mehr Tote zu verzeichnen hat, spricht nicht für das SWE-Gesundheitssystem.

      Zudem zeigt die Kurve in SWE, im Gegensatz zur CH, noch keine Abflachung.
      Wie sich der SWE-Weg noch auswirken wird, zeigt sich erst noch.
  • Kommentar von Norbert Zehner  (ZeN)
    Im Ernst: bei solch dünn besiegelten Ländern hat es anteilsmässig viel weniger ÖV. Im Gegensatz dazu, die Hotspots der Pandemie waren allesamt städtisch dicht besiedelte Gebiete mit sehr dichten ÖV Netzen. Wie und wo ist wohl Ansteckung am grössten: genau dort, wo viele Leute in Rotation sich befinden, und das sind insbesondere Bahnhöfe, Züge, U-Bahnen, enge Busse, usw.
  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Im Vatikan übrigens sind 10 Personen geheilt, niemand gestorben.