Worum geht es? Im norwegischen Parlament fand heute eine Abstimmung über eine Verfassungsreform statt, die einen Wechsel zur Republik ermöglicht hätte. Von den 169 Parlamentsmitgliedern votierten 141 für die Beibehaltung der Monarchie. 26 Abgeordnete stimmten für einen Übergang zu einer Republik.
Was meint das Volk dazu? Eine Umfrage in der Bevölkerung ergab, dass 61 Prozent der Menschen in Norwegen die Monarchie beibehalten wollen. Vor einem Jahr waren es noch 72 Prozent. Auf die Frage, ob Kronprinzessin Mette-Marit Norwegens nächste Königin werden solle, antworteten 44 Prozent der Befragten mit nein, 33 Prozent der Befragten mit ja. Der Rest – 23 Prozent der Befragten – wollten dazu keine Meinung äussern. Eigentlich seien die Norwegerinnen und Norweger Monarchie-freundlich, sagt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. «Aber man merkt es ganz klar, die Monarchie in Norwegen ist im Moment auf einem absteigenden Ast.»
Warum ist die norwegische Monarchie derart in die Kritik geraten? Aktuell sind vor allem zwei Gründe dafür verantwortlich: Einerseits ist es der Prozess gegen den Sohn der Kronprinzessin. Ihm werden diverse schwerwiegende Delikte vorgeworfen. Andererseits ist die Kronprinzessin selbst ins Zwielicht geraten. Ihr Name taucht Hunderte Male in den neu veröffentlichten Epstein-Akten auf. Dazu kommt die seit längerem umstrittene Geschäftstätigkeit der Schwester des Kronprinzen, Märtha Louise von Norwegen. Sie sagt, sie könne mit Engeln sprechen und verkauft Bücher zu diesem Thema.
Was wurde neu bekannt über die Beziehung von Epstein zu Mette-Marit von Norwegen? Bekannt war bereits seit längerem, dass die Ehefrau von Kronprinz Haakon Kontakt zu US-Sexualstraftäter Epstein hatte. Die nun veröffentlichten Details und der Fakt, dass die künftige norwegische Königin zumindest über einige von Epsteins Verbrechen Bescheid gewusst haben musste, schockieren aber die norwegische Bevölkerung. Gemäss dem Sender NRK hat Mette-Marit im Jahr 2013 Epstein gefragt, ob er sie nicht bald besuchen komme. «Ich vermisse dich, mein verrückter Freund», schrieb sie demnach.
Was sagen der norwegische König Harald V. und sein Sohn, Kronprinz Haakon dazu? Beide haben sich nicht öffentlich dazu geäussert.
Warum steht der Sohn von Mette-Marit vor Gericht? Der 29-jährige Marius Borg Høiby muss sich wegen 38 Vergehen vor Gericht verantworten. Zu den 38 Anklagepunkten zählen Fälle von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung, Drogen- und Verkehrsdelikte. Er wurde laut Medienberichten vor dem Prozess festgenommen, weil er jemandem mit einem Messer gedroht und gegen ein Kontaktverbot verstossen habe. Der Prozess wird sieben Wochen dauern. Mette-Marit und Haakon wollen nicht am Prozess teilnehmen. Gemäss Medienberichten drohen dem Sohn der Prinzessin bis zu 10 Jahre Haft.
Wie nehmen die norwegischen Medien die Krise im Königshaus auf? «Man könnte es fast als Krise für die norwegischen Medien bezeichnen», sagt Kaufmann. Sowohl die privaten als auch die öffentlichen Medien seien normalerweise sehr königsnah. «Nun müssen sie eine Gratwanderung machen.» Die Gerichtsverhandlung wird im norwegischen Fernsehen live übertragen. Immer wieder sei die Lautstärke der Tonübertragung ausgeschaltet worden, wenn es in der Verhandlung um private Details ging.