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Ogi zum Tode Annans «Er hat versucht, eine bessere, friedliche Welt aufzubauen»

Legende: Video Ogi zum Tode Annans: «Ich bin sehr traurig» abspielen. Laufzeit 07:59 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.08.2018.

Der frühere UNO-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan ist im Alter von 80 Jahren in einem Spital in Bern gestorben. Alt Bundesrat Adolf Ogi kannte Annan seit vielen Jahren persönlich. Annan hat Ogi als Sonderberater zur UNO geholt, aber die beiden verband auch eine persönliche Freundschaft.

Er hat mit seiner Ruhe versucht, eine bessere, friedliche Welt aufzubauen. Das ist ihm vielleicht nicht gelungen, aber er hat es tagtäglich versucht.
Autor: Adolf OgiAlt-Bundesrat

SRF News: Was verliert die Welt – aus Ihrer Sicht – mit seinem Tod?

Adolf Ogi: Kofi Annan war ein ausserordentlicher Mensch, weil er durch seine Liebenswürdigkeit, durch seinen Anstand und sein Charisma der Welt sehr viel gegeben hat. Er hat mit seiner Ruhe versucht, eine bessere, friedliche Welt aufzubauen. Das ist ihm vielleicht nicht gelungen, aber er hat es tagtäglich versucht. Deshalb verlieren wir in ihm einen Menschen, der das Gute im Menschen suchte. Und das Gute an Menschen weitergeben wollte.

Sie haben ihn sehr gut gekannt. Was verlieren Sie persönlich?

Ich verliere einen Chef, der mir eine Chance gegeben hat, einen Freund, der mir in meinen schwierigen Zeiten beigestanden ist. Ich verliere eine Persönlichkeit, die mir viel gegeben hat und von der ich viel lernen konnte.

Wie ist es eigentlich zu diesem engen Verhältnis gekommen?

Im Jahr 2000 waren wir eine Woche rund um Kandersteg wandern. Wir haben endlose Gespräche geführt. Ich habe gar nicht realisiert, dass er mich in dieser Zeit getestet hat. Als er sich am Ende der Woche verabschiedete, sagte er mir, wenn ich einmal als Bundesrat zurücktrete, solle ich ein Zeitfenster für ihn offen lassen. Ich habe nicht nachgefragt.

Adolf Ogi und Kofi Annan beim Wandern.
Legende: 2000 zeigte Adolf Ogi Kofi Annan beim Wandern die schönen Seiten der Schweiz. Keystone

Später haben Sie es dann erfahren.

Als ich im Oktober 2000 demissioniert habe, hat er mich zu einem Mittagessen in Genf eingeladen. Auf seine Frage, was ich jetzt tun werde, antwortete ich, dass ich mich im Januar und Februar erholen müsse. Ich war wirklich sehr müde. Er sagte, ich solle nichts annehmen, ohne vorher mit ihm zu sprechen. Im Februar kam dann ein Telefon aus Washington: «Dolfi, ich würde dich gerne als meinen Vertreter für den Sport in Zusammenhang mit Frieden und Entwicklung anstellen.» Er beauftragte mich, nach Anchorage (Alaska) zu reisen, zu den Special Olympics, den Spielen der Familie Kennedy. Dort sollte ich ihn vertreten. Danach sollte ich nach New York kommen und das Pflichtenheft entgegennehmen. Ich habe nicht nach den Bedingungen oder dem Salär gefragt. Von diesem Moment an habe ich für ihn gearbeitet. Ich werde das nie vergessen. Ich durfte in seinem Namen für die Armen dieser Welt tätig sein.

Die Schweiz hat vielleicht wegen des Vertrauens in Kofi Annan Ja zum UNO-Beitritt gesagt.
Autor: Adolf OgiAlt Bundesrat

Bei der Abstimmung der Schweiz über einen UNO-Beitritt hat er Sie offenbar angerufen.

Das stimmt. Zuerst möchte ich festhalten: Die Schweiz hat vielleicht wegen des Vertrauens in Kofi Annan Ja gesagt. Er hat mich am Tag der Abstimmung angerufen und fürchtete, die Schweiz würde Nein stimmen. Ich beruhigte ihn. Kandersteg hatte schon Ja gesagt. Wie Kandersteg abstimmt, wird auch die Schweiz abstimmen. Ich war sehr erleichtert, als gegen 17 Uhr die Hochrechnung kam, dass die Schweiz Ja gesagt hat. Aber er kannte ja Kandersteg, er war sehr glücklich, und ich auch.

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen am meisten in Erinnerung bleibt?

Es ist die ganze Palette, der ganze Umgang mit ihm. Seine Freundlichkeit, die Aufmerksamkeit. In erster Linie aber, wie er mich getröstet hat, als ich meinen Sohn Mathias verloren habe. Er hat mir gesagt, in Afrika finde die Bestattung sehr rasch nach dem Tod statt. Da sei man sehr, sehr traurig. Wenn die Beerdigung vorbei ist, solle man die schönen Momente mit dem Verstorbenen abrufen. Wie einen Film. Das hat mir sehr geholfen.

Das Gespräch führte Samuel Wyss.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Lilian Grünig Louis (Lilian Grünig Louis)
    Mit dem Tode Kofi Annans verlieren wir einen wahren Freund dieser Welt und ihrer Bewohner. Mit allem Respekt gedenke ich diesem aussergewöhnlichen Diplomaten und Menschen und entbiete seinen Liebsten auf diesem Wege meine Anteilnahme.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Kofi Annan war ein Diplomat und Menschenfreund, der die Mission der Vereinten Nationen wie nur wenige andere verkörperte. Er habe sich mit Mut und Klugheit für eine friedliche und gerechte Welt eingesetzt. Annan war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit mit viel Charisma. Mein Beileid an die Familie.
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  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    "Die Welt besser machen" tönt wie "Schurkenstaat" und "Sanktionen". Diese Vorstellung ist schlicht lächerlich. Ich wäre schon mal zufrieden wenn das Gros der kantonalen Behörden sich nicht auf Kosten der Steuerzahler aushalten liessen oder Gemeindebehörden nicht soviel Sozialhilfe an Personen leisten müssen für die sie im Grunde nicht zuständig sind. Der überflüssige Amtsmoloch hat sich überall eingenistet vom Asyl bis Gesundheitswahn. Wer spricht den da von UNO und einer besseren Welt ?
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    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Es gibt echt grössere Probleme auf der Welt als die finanziellen Problemchen der Schweizer Mittelschicht.
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    2. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Harald Buchmann: Glauben Sie ? Wer's im Kleinen nicht packt, wie will er's dann im Grossen schaffen ? Hegemonie ist sicher keine Lösung ! Es geht nur über Eigenverantwortung und direkte Demokratie, aber davon sind wir noch meilenweit entfernt !
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    3. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Es ist erschütternd, mit welcher Verbitterung gewisse Leute bei jeder Gelegenheit nur das Schlechte sehen. Kofi Annans Tod ist jedenfalls nicht der geeignete Anlass für solch pauschale Behörden-Beschimpfungen.
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    4. Antwort von Markus Guggisberg (gugmar)
      @Markus Guggisberg: Der Kanton leistet gute Grundversorgung in Grundschule(Prim/Sek), Gesundheitswesen, Sicherheit(Polizei), Bauwesen und Rechtsprechung. All jene, die sich sehr gut selber organisieren können wie z.B UNIs, FHs, Berufsschule, Spitzenmedizin, Informatik, Statistik und Forschung können sehr gut durch nutzniessenden Firmen bezahlt oder abgebaut werden ! Dazu braucht's keine Steuergelder !
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