An Grossanlässen wie den Olympischen Winterspielen ist das Interesse derer, die um die Gunst eines Millionenpublikums buhlen, immens. Aber auch für Menschen, welche die kollektive Aufmerksamkeit nutzen, um Lügen und Falschinformationen unter die Leute zu bringen, ist Mailand-Cortina fruchtbarer Boden.
Journalistinnen von Eurovision News Spotlight, einem kollaborativen Netzwerk aus Journalistinnen, Forschern und Osint-Expertinnen (Open Source Intelligence), haben solche Fake News rund um die Winterspiele entlarvt und die dreistesten Beispiele zusammengetragen.
Ukrainische Athleten im Fadenkreuz der Schwurbler
Ein solches Beispiel ist ein Social-Media-Post um den ungarischen Langläufer Adam Konya. Ein Nutzer verbreitete ein Bild Konyas, das dessen Team auf dem offiziellen Facebook-Kanal am 8. Februar gepostet hat.
In der Version des Nutzers @wbfe klebt im Handschuh Konyas ein Zettel mit der Aufschrift (übersetzt) «WIR HABEN ALLE DIE SCHNAUZE VOLL VON ‹DIR›».
Nutzer behaupten nun, dies sei eine Geste des Ungaren, mit der er ukrainische Athleten desavouiere, in Anspielung auf den Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych. Der Ukrainer ist vom Olympischen Komitee disqualifiziert worden, nachdem er sich geweigert hatte, auf das Tragen eines Helms zu verzichten, der mit den Konterfeis im Krieg getöteter Athleten-Kollegen versehen war.
Hinweise deuten aber darauf hin, dass der Text auf dem Handschuh gestochen scharf erscheint und das Klebeband eher digital überlagert als physisch am Handschuh befestigt aussieht.
Auch renommierte Medien im Visier ...
Ein weiteres Beispiel ist die Selfie-Reportage der Chefkorrespondentin von CBC News, Adrienne Arsenault. Das Original-Video aus dem Olympischen Dorf ist laut Eurovision Spotlight am 4. Februar auf dem Tiktok-Kanal von CBC News erschienen.
Die Nutzerin @provemewrong411 hat Arsenaults Video am 12. Februar auf ihrem prorussischen X-Account geteilt. Allerdings ist ihre Version des Videos ab der 16. Sekunde durch eine KI-generierte Version ersetzt worden.
Darin wird behauptet, ukrainische Athleten seien im Olympischen Dorf separiert worden, weil sie sich an den Sommerspielen in Paris 2024 bereits «unangemessen verhalten hätten». Laut CBS Faktencheck entbehrt diese Behauptung jeder Grundlage.
... und königliche Familien
Selbst blaues Blut schützt nicht vor publizistischer Vereinnahmung. So postete der X-Nutzer @Dr. Sam Youssef ein Bild der schwedischen Skifahrerin Frieda Karlsson. Dazu behauptete er, bei der Abgebildeten handle es sich um die schwedische Prinzessin Frida. Diese habe unter anderem Trump einen Psychopathen genannt.
Weder die Skifahrerin Karlsson noch die schwedische Prinzessin hat solches geäussert. Sicherlich deshalb, weil es laut dem schwedischen Königshaus gar keine schwedische Prinzessin namens Frida gibt.
Ein letztes Beispiel von Spotlight thematisiert abermals ein Bild auf X. Der Nutzer @SAntonio10273 postete am 10. Februar das Foto einer russischen Athletin in Uniform und mit Flagge. Die Bildunterschrift behauptet: «Russland ist endlich bei den Olympischen Spielen in Italien angekommen.»
Das Bild ist laut Spotlight KI-generiert. De facto hat das Internationale Olympische Komitee die russische Flagge bei den Olympischen Spielen 2026 verboten.