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Ausspannen im DDR-Betriebsferienlager
Aus Rendez-vous vom 03.08.2020.
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Ostalgie-Reise mit «Kerze» Ferien wie in der DDR? Kannste haben!

Unser Korrespondent hat sich ein DDR-Eis geschnappt und sich im «DDR-Betriebsferienlager» auf Rügen umgesehen.

«Du hast den Farbfilm vergessen» von Nina Hagen aus dem Jahre 1974 ist der berühmteste Strandhit der DDR. Dieses Gefühl kann man nochmals haben am Bakenberg Strand auf der Ostseeinsel Rügen. Für 7.50 Euro die Nacht. Aber der Reihe nach.

Candy Dassler ist Inhaber und Geschäftsführer des «Betriebsferienlagers Gera», dem letzten DDR-Feriendorf auf Rügen. Es gehörte einst dem volkseigenen Betrieb «Rationalisierung Gera», in dem Dasslers Vater arbeitete und Candy als Kind die Sommerferien verbrachte. «2017 hatte ich die Chance, das Ferienlager zu erwerben und versuche seitdem, es so zu 80 Prozent im Originalzustand der DDR-Zeit zu belassen», sagt Dassler.

DDR-Rettungsturm
Legende: Baywatch in der DDR. Der berühmteste DDR-Rettungsturm des Architekten Ulrich Müther in der Nähe des Ostseebads Binz auf Rügen. Peter Voegeli/SRF

Das heisst: Kein Fernsehen, kein W-LAN. Stattdessen gibt es ein Radio, die Besucher holen ihr Wasser im Sanitärgebäude. «So war es auch für uns damals. Wir mussten das Wasser mit Eimern in die Bungalows bringen. Sie haben zwar eine kleine Küche, aber ohne fliessend Wasser.» Auch Toiletten hat es keine in den Bungalows. «Man kann hier also genauso Urlaub machen wie zu DDR-Zeiten», bilanziert Dassler.

Westberliner Radioluft

Urlaub in der Mangelwirtschaft – zieht das? Offensichtlich. «Seit 2017, also dem Jahr der Eröffnung, sind wir Gott sei Dank fast ausgebucht. Und die Urlauber, die schon einmal hier waren, kommen auch wieder», sagt Dassler.

Die DDR-Bungalows im «Betriebsferienlager Gera».
Legende: Die DDR-Bungalows im «Betriebsferienlager Gera». Peter Voegeli/SRF

Das Preisniveau ist dem «Mangelwirtschafts-Urlaub» entsprechend. «Auf Rügen kann man sonst nirgends für 7.50 Euro pro Person direkt am Strand übernachten.» Und klar: Am Ostseekiosk im Betriebsferienlager gibt's nur Ostprodukte und Westmusik.

«Zu DDR-Zeiten hat ja fast niemand DDR-Radio gehört, der andere Sender reingekriegt hat», sagt Dassler. Im Kiosk läuft der einstige Westberliner Sender «Rias 2», die Aufnahmen stammen aus den 70er- und 80er-Jahren.

DDR-Ware im Sortiment
Legende: Der Ostseekiosk auf dem Betriebsgelände: Nur DDR-Ware. Peter Voegeli/SRF

Hinter dem Kiosk sitzen Jana und ihre Tochter vor ihrem Bungalow. «Die Blümchentapete, das Alubesteck ‹Gartensilber› – das ist ja irgendwo alles Kult», sagt Jana. Die Sehnsucht nach dem «Gartensilber» war aber nicht der Grund für den Besuch.

«Eigentlich ganz schön»

«Wir sind zum zweiten Mal da, weil der Urlaub hier recht preiswert ist. Dieses ganze DDR-Gedöns ist mir gar nicht wirklich wichtig. Die Nationalhymne, die DDR-Lieder, die am Sonntagabend auf der DDR-Party laufen... Das ist nicht wirklich meins.»

Trabi mit Zelt.
Legende: Trabi mit Zelt: Er hatte schon in der DDR Kultstatus, und auch heute wieder. Peter Voegeli/SRF

Die Teenager-Tochter in Shorts und Hütchen findet's ganz okay, im DDR-Style Urlaub zu machen. «Ist eigentlich ganz schön.» Auch ohne Handy-Empfang. «Geht eigentlich.» Ferien wie in der DDR, Kult-Party und Hymne? Jana muss schmunzeln. «Das hat uns damals alles total angenervt, wir wollten das überhaupt nicht. Jetzt tun wir uns das freiwillig an.»

Rendez-vous vom 03.08.2020, 12:30 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Esther Jordi  (EstherJ.)
    Toll, ein bisschen die DDR verherrlichen.
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    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Nicht die DDR verherrlichen, sondern die Lebensweise, mal wenige Tage ohne die Berieselung von Informationen 12 Stunden am Tag. Würde mancher Seele gut tun. Sie einfach mal baumeln zu lassen. Das ist wie ein Entzug.
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    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Wobei in der DDR ja nicht alles nur schlecht war. Im Gegenteil. Viele DDR Bürger*innen waren nach der Wende enttäuscht über die Dekadenz im Westen, wo sich alles um Lifestyle, Konsum usw. drehte, Frauen als brave Hausfrauen den Männern zu dienen hatten, (DDR-Frauen waren diesbezüglich viel emanzipierter), es keine staatlich finanzierte Kinderbetreuung für berufstätige Eltern gab usw.
      Im Westen neigte man dazu, die DDR darauf zu reduzieren, dass sie keine Bananen hatten.
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    3. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Etwas ist nicht richtig Frau Wädensweiler. Ich war zwei Mal während der DDR zu Tagungen dort. Und habe von Kollegen gehört, im Gegenteil, jeder Betrieb und auch die Unis hatten kostenlose Kinderbetreuung. Das sie nach der Vereinigung irritiert waren, es gab keine Steuern und auch keine Krankenkasse. Alles zahlte der Staat. Da musste erst mal umgedacht werden. Aber was die Emanzipierung betraf, waren sie uns viele Schritte
      voraus.
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    4. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Frau Wüstner - mit der Kinderbetreuung meinte ich den Westen.
      Aber was mich schmunzeln lässt - die "armen" Ossis (dachten die Westler) hatten für ihren Urlaub "nur" die Ostsee inkl. Sandstrände. Jetzt bedingt durch Corona wollen auch die Westler dort Urlaub machen - weil es so schön ist. :-)
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    5. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht ! Passt doch ? Allerdings muss man sagen, was die Infrastruktur betrifft, hat der Westen sehr viel Geld
      eingesetzt.
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  • Kommentar von Kurt Riedmann  (Kurt Riedmann)
    Kein Fernsehen, kein W-LAN, kein Handy-Empfang.
    Klingt für mich nach Traumurlaub.
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Der berühmte Rettungsturm wird jetzt als Unterkunft für 2 Personen gebaut, .mit Tisch und zwei Stühlen draussen.gedacht nicht um lange Ferien zu machen, sondern wenn man mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Finde ich ganz toll. Im Fernsehen wurde einer gezeigt, er stand auf einem Holzsteg , weit draussen im Wasser. Vor ihm eine Barriere mit einem
    Schild, besetzt. Also, bitte nicht stören.
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