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Israel: Palästinensische Häftlinge flüchten aus israelischem Gefängnis
Aus Rendez-vous vom 07.09.2021.
abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
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Palästinenser auf der Flucht Häme, Spott und Angst nach Gefängnisausbruch in Israel

Sechs Häftlinge fliehen aus einem Hochsicherheitsgefängnis: Die arabische Welt lacht, in Israel herrscht Bestürzung.

Es sind Szenen, die an Hollywood-Produktionen wie «Flucht aus Alcatraz» oder «Prison Break» erinnern: In Israel sind am Montag sechs Häftlinge aus dem Hochsicherheitsgefängnis Gilboa ausgebrochen – die Flucht gelang ihnen durch einen unterirdischen Tunnel. Ein kleines Loch bei einer Nebenstrasse, in dem sie ihre Gefängnisuniformen deponiert haben, ist ihre letzte Spur.

Besonders brisant: Bei den Geflohenen handelt es sich um militante Palästinenser, die allesamt zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt waren. Ihr spektakulärer Ausbruch erheitert die arabische Welt und wird in den sozialen Medien hämisch kommentiert. Für die neue israelische Regierung ist er vor allem eines: peinlich. Zumal immer mehr unschmeichelhafte Details ans Licht kommen.

Legende: In den Palästinensergebieten, wie hier in Hebron im Westjordanland, feierten Menschen die spektakuläre Flucht der sechs Häftlinge. Keystone

Die Häftlinge waren offenbar gemeinsam in einer Zelle untergebracht, die auf Stelzen gebaut ist. Unter dem Hohlraum gruben sie rund 20 Meter bis zu einer Gefängnismauer, von wo sie entkommen konnten. Heute wurde bekannt: Offenbar waren die Baupläne des Hochsicherheitsgefängnisses – auch bekannt als «The Safe» – im Internet publiziert worden.  

Eklatante Sicherheitslücken

«Ob die Häftlinge diese Pläne kannten, weiss man nicht», berichtet SRF-Korrespondentin Susanne Brunner. Was im hochtechnisierten Israel aber umso peinlicher ist: Die Handys der Häftlinge waren nicht, wie eigentlich üblich, blockiert. Sie konnten also offenbar auch Fluchthilfe organisieren.

«Und das Tüpfelchen auf i», so Brunner: «Just als die Häftlinge aus einem Loch in der Strasse krochen, soll der Wächter im Überwachungsturm eingenickt sein.»

Legende: Ende der 80er-Jahre brachen sechs Terroristen aus einem Gefängnis im Gazastreifen aus, den Israel damals noch kontrollierte. Die Suche nach den Flüchtigen dauerte fünf Monate. Im Bild: Das Gilboa-Hochsicherheitsgefängnis. Keystone

Der Ausbruch der Gefängnisinsassen trägt fast schon komödiantische Züge. Die Identität der Geflohenen beunruhigt aber nicht nur die israelischen Sicherheitsbehörden, sondern auch die Bevölkerung. «Es geht die Angst um, die Ausbrecher könnten Anschläge in Israel verüben», sagt Brunner.

Der bekannteste Ausbrecher ist Zakaria Zubeidi. «Der 45-Jährige stand lange zuoberst auf der Fahndungsliste der Israelis, weil er 2002 unter anderem bei einem Anschlag auf eine Likud-Parteizentrale sechs Menschen umbrachte.»

Legende: Zubeidi war auch Kommandant der berüchtigten Terrororganisation Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden. Die Aufnahme zeigt ihn 2004 in Jenin im Westjordanland. Keystone/Archiv

Auch die anderen fünf Ausbrecher – zwischen 26 und 49 Jahre alt – wurden entweder wegen Beteiligung an oder Planung und Ausführung von Anschlägen auf Israelis verurteilt. «Sie waren Mitglieder der Terrororganisation ‹Islamischer Jihad›», so die Korrespondentin.

Für Israels neue Regierung ist es bereits der zweite ernsthafte Sicherheitsgau.
Autor: Susanne Brunner Nahostkorrespondentin von SRF

Die Suche nach den Geflohenen läuft auf Hochtouren. Bislang allerdings ohne Erfolg – obwohl Israel über einen der besten Geheimdienste der Welt und einen grossen Sicherheitsapparat verfügt. Gegenüber Medien äusserte der israelische Verteidigungsapparat die Vermutung, dass die Häftlinge über die «grüne Grenze» nach Jordanien geflüchtet sein könnten.

«Sie könnten auch ins palästinensische Westjordanland geflohen sein, wo sie aufgewachsen sind», sagt die Korrespondentin. «Aber eine konkrete Spur scheinen Polizei, Militär und Geheimdienst noch nicht zu haben. Wobei man davon ausgehen kann, dass sie auch nicht öffentlich darüber reden würden.»

Legende: Der «Islamische Dschihad» schlachtet die Flucht propagandistisch aus und spricht von einer «heroischen Tat», die Israels Regierung und Armee einen «schweren Schlag» versetze. Im Bild: Angehöriger der Al-Quds-Brigaden, des bewaffneten Arms der Organisation. Keystone

Der Gefängnisausbruch hat auch eine politische Dimension. Denn die Sicherheitslücken im Gilboa-Gefängnis waren offenbar bekannt. Und: «Für Israels neue Regierung ist es bereits der zweite ernsthafte Sicherheitsgau», erklärt Brunner.

So wurde unlängst ein israelischer Soldat am Grenzzaun zu Gaza aus nächster Nähe von einem Hamas-Kämpfer erschossen. «Der Vorwurf an die Regierung lautete danach, sie sei nicht fähig, Israels Soldaten zu schützen.»

Rendez-vous, 07.09.2021, 12:30 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    @SRF:
    "Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet erklärte, dass die Häftlinge offenbar mit einem ins Gefängnis geschmuggelten Mobiltelefon zu Helfern Kontakt gehabt hätten."
    Quelle: https://www.juedische-allgemeine.de/israel/terroristen-fliehen-durch-tunnel-aus-gefaengnis/

    Ihr schreibt aber:
    "Die Handys der Häftlinge waren nicht, wie eigentlich üblich, blockiert. Sie konnten also offenbar auch Fluchthilfe organisieren."
    Was stimmt nun ?
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Maciek Luczynski Guten Tag Herr Luczynski. Im Gilboa-Gefängnis ist eine Mobiltelefon-Barriere installiert, die Anrufe verhindern soll. Diese Barriere war allerdings auf einer falschen Stufen eingestellt, so dass sie mit den geschmuggelten Mobiltelefonen umgangen werden konnte. Freundliche Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    "Was im hochtechnisierten Israel aber umso peinlicher ist: Die Handys der Häftlinge waren nicht, wie eigentlich üblich, blockiert. Sie konnten also offenbar auch Fluchthilfe organisieren."

    Seit wann gibt es Zugang zu Handys in einem Hochsicherheitsgefängnis?
    Was soll das für eine Hochsicherheitsgefängnis sein ?
  • Kommentar von Vinzenz Böttcher  (AfroKaiser)
    Hätte man diese Leute ganz einfach final außer Gefecht gesetzt, hätte man sich nicht nur die hohen Kosten für die Gefangenschaft, sondern auch die Gefährdung der eigenen Bevölkerung durch deren Ausbruch erspart. Die Lösung ist so einfach, dass es weh tut.
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Auch Wilhelm Tell war für die Habsburger ein Terrorist.
    2. Antwort von Martin Vischer  (Martin Vischer)
      @Steine
      Tell ist keine reale Person und so wie ich Schillers Stück kenne, auch kein Terrorist. Oder wissen Sie, wie viele Menschen, Frauen, Kinder und Männer, er gemeuchelt hat? Und an welcher Stelle das beschrieben wird?