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Parlamentswahlen im Krisenland Bangladesch sehnt sich nach Stabilität – die BNP soll sie bringen

Bangladesch hat gewählt: 127 Millionen Menschen waren am Donnerstag an die Urne gerufen. Es war die erste freie Wahl seit dem erzwungenen Rücktritt von Regierungschefin Sheikh Hasina vor eineinhalb Jahren. Sie hatte das Land zunehmend autoritär regiert und Wahlen manipuliert. Nach blutigen Massenprotesten musste sie zurücktreten.

BNP dürfte Wahl deutlich gewinnen

Auch, wenn noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind: Die Bangladesh Nationalist Party (BNP) hat schon jetzt eine so grosse Stimmenmehrheit, dass nichts mehr schiefgehen kann.

Parteiführer Tarique Rahman erklärte sich zum Wahlsieger. Erste ausländische Staatschefs gratulierten. Nur die abgeschlagene, islamistische Konkurrenzpartei, Jamaat-e-Islami, stellte das Wahlergebnis in Frage. Die Awami League von Sheikh Hasina, die rund ein Drittel der Wähler unterstützen, war gar nicht erst zugelassen.

BNP ist breit abgestützt – und gilt als korrupt

Mit der BNP haben sich die Bangladescher für eine konservative Partei und eine Dynastie entschieden. Sie ist die zweite grosse Partei neben der verbotenen Awami League, hat ein breites Fundament in der Bevölkerung, gilt aber auch als korrupt und gewalttätig. Doch sie umgibt noch immer die Aura ihres Gründervaters, dem Unabhängigkeitskämpfer Ziaur Rahman, der 1981 ermordet wurde. Er ist der Vater des wahrscheinlichen künftigen Premierministers. 

Die BNP war mehrfach an der Regierung. Doch nachdem 2009 Sheikh Hasinas mit ihrer Awami-League die Führung übernahm, wurden die Parteianhänger verfolgt. Die dreifache frühere BNP-Premierministerin Khaleda Zia, Frau des ermordeten Unabhängigkeitskämpfers und Dauerrivalin von Hasina, verbrachte ihre letzten Jahre im Gefängnis.

BNP soll für Sicherheit und Aufschwung sorgen

Ihr Sohn, Tarique Rahman, der nun an die Spitze strebt, hat noch keine Regierungserfahrung. Der 60-Jährige ist umstritten, wegen Vorwürfen von Korruption und Vetternwirtschaft. Die letzten 17 Jahre verbrachte er in London im Exil, erst Ende Dezember kehrte er nach Bangladesch zurück.

Dass ausgerechnet ein Sprössling des Zia-Clans und die BNP nun den Auftrag bekommen haben, das Land in eine neue, demokratische Zukunft zu führen, mag verwundern. 

Doch nach eineinhalb Jahren Übergangsregierung, die geprägt waren von Wirtschaftskrise, steigender Kriminalität und Mobattacken, sehnt sich die Bevölkerung nach Stabilität. Sie wiederherzustellen, trauen die Bangladescher offenbar am ehesten der dynastisch geprägten BNP zu.

Comeback der Islamisten?

Der erste Test für die neue Regierung wird es sein, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Erst danach kann die sie ihre eigentliche Aufgabe gehen: die demokratischen Reformen umzusetzen, für die viele junge Leute bei den Massendemonstrationen im Juli vor eineinhalb Jahren ihr Leben gelassen haben.

Gelingt das nicht, und bleibt die Awami-League als zweite grosse Partei weiter von Wahlen ausgeschlossen, dann hätten die Islamisten bei der nächsten Wahl gute Chancen auf den Sieg.

Maren Peters

Südasien-Korrespondentin

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Maren Peters ist seit September 2022 Südasien-Korrespondentin für Radio SRF und berichtet von Indien aus über Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Nepal, Bhutan und die Malediven. Zuvor war sie Wirtschaftsredaktorin bei Radio SRF. Dabei beschäftigte sie sich insbesondere mit internationaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik sowie Nachhaltigkeits- und Rohstofffragen.

Rendez-vous, 13.02.2026, 12:30 Uhr; noes

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