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George Floyd ist kein Einzelfall
Aus SRF News vom 29.05.2020.
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Polizeigewalt gegen Schwarze George Floyd weckt Erinnerungen an vergangene Fälle

Die Unruhen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis vor einer Woche halten an. Auslöser für die Wut der Demonstranten ist ein rund zehn Minuten langes Video, das auf Facebook gestellt wurde: Ein weisser Polizist drückte sein Knie mehrere Minuten lang auf den Hals Floyds, der um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte er: «Ich kann nicht atmen.» Er starb kurz danach im Spital. Floyds Tod ist kein Einzelfall. Ein paar Beispiele.

Trayvon Martin
Legende: Trayvon Martin, geboren am 7. Februar 1995, von tödlichen Schüssen getroffen am 26. Februar 2012. Keystone

Der Fall Trayvon Martin ereignete sich am Abend des 26. Februar 2012 in Sanford im US-Bundesstaat Florida. Der 17-jährige afroamerikanische Highschool-Schüler wurde vom 28-jährigen George Zimmerman, einem Nachbarschaftswachmann des betreffenden Viertels, erschossen.

Als Begründung gab der Wachmann Notwehr an. Der Todesfall und seine Umstände lösten in den USA eine landesweite Rassismus-Diskussion aus. Zimmerman wurde des Mordes mit bedingtem Vorsatz («second degree murder») angeklagt. Der Prozess begann am 10. Juni 2013 in Sanford. Am 13. Juli 2013 wurde Zimmerman von einer sechsköpfigen Jury nach 16-stündiger Beratung für unschuldig befunden und freigesprochen.

Eric Garner
Legende: Eric Garner starb am 17. Juli 2014 im Alter von 43 Jahren. Er erstickte, ähnlich wie George Floyd. Keystone

Der Todesfall Eric Garner ereignete sich am Nachmittag des 17. Juli 2014 auf Staten Island in New York City. Dabei wurde der 43-jährige Asthma-kranke Afroamerikaner beim gewaltsamen Anlegen von Handschellen durch mehrere Polizisten während seiner Festnahme zu Boden gedrückt und erstickte.

Bald darauf gelangten über Youtube zwei Videos des Vorfalls an die Öffentlichkeit und erregten grosses nationales und internationales Aufsehen. Der Vorfall führte zu einer Untersuchung. Eine Jury entschied am 3. Dezember 2014, dass gegen Daniel Pantaleo, Hauptakteur der Polizei, keine Anklage erhoben werde.

Michael Brown
Legende: Michael Brown starb mit 18 Jahren durch Polizeikugeln. Er lag mehrere Stunden tot am Boden. Keystone

Im August 2014 tötete ein weisser Polizist den unbewaffneten 18-jährigen Schüler Michael Brown in einem Wohnviertel von Ferguson im US-Bundesstaat Missouri. Mehrere Stunden lang lag Brown tot auf der Strasse.

Mutmasslich war ein Streit über die Benutzung des Trottoirs Auslöser für die tödlichen Schüsse. Weil sich der Polizist nicht vor einem Gericht verantworten musste, brachen in mehreren Städten der USA gewaltsame Proteste aus. Nach einem Bericht des US-Justizministeriums über weitverbreiteten Rassismus bei der Polizei trat der Polizeichef von Ferguson zurück.

Philando Castile
Legende: Philando Castile wurde ein kaputtes Rücklicht zum Verhängnis. Er starb im Alter von 32 Jahren. Keystone

Am 6. Juli 2016 wurde Philando Castile, ein 32-jähriger Afroamerikaner, während einer Autofahrt in Minnesota angehalten und von einem 29-jährigen Polizeibeamten getötet. Die Freundin des Getöteten, die mit im Auto sass, hatte die Situation live in einem Video auf Facebook festgehalten. Die Aufnahmen zeigen einen blutüberströmten Mann auf dem Fahrersitz und einen Polizisten, der mit gezückter Waffe vor dem Fenster steht.

Die Frau sagt in dem Video, dass sie wegen eines defekten Rücklichts angehalten worden seien. Der Polizeibeamte habe «ohne ersichtlichen Grund» mehrere Schüsse auf den Arm ihres Freundes abgegeben, noch bevor dieser seine Fahrzeugpapiere habe zeigen können. Er habe dem Polizisten zuvor mitgeteilt, dass er eine Pistole dabei habe, für die er aber eine Lizenz besitze.

Die Rassenunruhen von Los Angeles im Jahr 1992

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Eiin Strassenblock in Flammen, Feuerwehrwagen
Legende: Keystone/Archiv

Am Abend des 3. März 1991 wurde Rodney Glen King (1965-2012) von Polizisten des Los Angeles Police Departments gestellt, nachdem er sich eine Autoverfolgungsjagd mit mehreren Streifenwagen durch Los Angeles geliefert hatte. King widersetzte sich der Festnahme, worauf die Polizisten ihre Schlagstöcke einsetzten und über 50 Mal auf ihn einschlugen, auch noch, als dieser schon längst überwältigt war.

Ein Augenzeuge, der den Vorgang aus seiner nahegelegenen Wohnung mit einer Videokamera gefilmt hatte, reichte seine Aufzeichnung an Fernsehsender weiter. Nachdem die Polizisten, die ihn brutal traktiert hatten, im folgenden Jahr freigesprochen worden waren, brachen in Los Angeles gewalttätige Unruhen aus. Am Ende der Ausschreitungen mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen waren 53 Todesopfer zu beklagen, mehrere tausend Menschen wurden verletzt und es entstand Sachschaden in Höhe von etwa einer Milliarde Dollar.

SRF 4 News, 02.06.2020, 06:00 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Gerbrand Ronsmans  (GRo)
    Nur so eine Randbemerkung, @srf. Das vorgehen von der Polizisten ist conform regulierung "5-300 Use of Force - City of Minneapolis", leider ist der website mit eine IP-Sperre versehen. Das drucken auf der neck mit Arm oder Bein ist erlaubt.
    1. Antwort von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
      Nein, das kann nicht sein... in einen seit langem von Demokraten geführten Bundesstaat?
  • Kommentar von Theo Koller  (einaeugiger)
    Hier in den USA hat jeder eine Chance. Wer es nicht packt, darf doch nicht kriminell handeln.
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Nicht jeder. Wer sich als Schwarzer eine gute Ausbildung leisten kann ja.
      Wenn man in New York durch Brooklyn bummelt, falls man den Mu t hat, wird einen sofort klar, dass es noch heute Menschen gibt, die an der
      Untersten Grenze leben müssen.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Und jedes Mal werden die Polizisten nicht verurteilt. Wo sollen da die Afroamerikaner sich gerecht behandelt fühlen. Ist doch klar, dass sich der Frust Bahn bricht. Gesetzt gelten für sie wohl nur wenn sie Täter sind, nicht wenn sie Opfer sind