Portugal hat am Sonntag gewählt. Doch wie erwartet hat keiner der elf Kandidierenden das absolute Mehr erreicht. In drei Wochen kommt es nun zur Stichwahl. Dabei treffen der Sozialist António José Seguro und der Rechtspopulist André Ventura aufeinander.
António José Seguro: Überraschender Sieger des ersten Wahlgangs
Der Sozialist Antonio Seguro liegt nach der ersten Runde mit 31 Prozent der Stimmen vorn. Das Ergebnis überrascht. Denn noch bei den Parlamentswahlen vor weniger als einem Jahr hatte die sozialdemokratisch orientierte Sozialistische Partei (PS) eine grosse Niederlage erlitten. Sie ist seither nur noch drittstärkste Kraft im Parlament. Und auch die Umfragen zur Präsidentenwahl hatten lange nicht auf einen Erfolg Seguros hingedeutet.
Keine Fehler und Mässigung: Überzeugen konnte Seguro laut SRF-Auslandredaktor Beat Vogt vor allem mit einem ruhigen und fehlerfreien Wahlkampf. Damit konnte er viele Wählerinnen und Wähler abholen, auch aus der politischen Mitte.
André Ventura: Rechtspopulist erreicht strategisches Ziel
Auf dem zweiten Platz folgt der Rechtspopulist André Ventura mit 23.5 Prozent der Stimmen. Damit blieb er hinter den Prognosen zurück, die ihn teils gar an erster Stelle gezeigt hatten. Eine klare Enttäuschung sei das Resultat für Ventura dennoch nicht, sagt Beat Vogt. Es entspreche in etwa dem Ergebnis seiner Partei «Chega» bei den Parlamentswahlen.
Ziel erreicht: Dass Venturas junge Partei in den zweiten Wahlgang komme, sei ein Wendepunkt für Portugal, so Vogt: «Seine rechtspopulistische Partei hat es nun definitiv geschafft, das System der beiden grossen traditionellen Volksparteien zu durchbrechen.» Ventura kann die Stichwahl nun als Bühne nutzen und Kritik am politischen System üben, das in seinen Augen versagt hat – von Anfang an ein zentrales Ziel Venturas.
João Cotrim de Fegueiredo: der Drittplatzierte
Auf dem dritten Platz unter den insgesamt elf Kandidaten landete João Cotrim de Fegueiredo von der rechtsgerichteten, wirtschaftsfreundlichen Partei «Liberale Initiative». Er erreichte rund 15 Prozent der Stimmen.
Luís Marques Mendes: Kandidat der Regierungspartei gescheitert
Deutlich gescheitert ist der Kandidat, der von der Regierungspartei von Premierminister Luís Montenegro, der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD), unterstützt wurde. Luís Marques Mendes kam nur auf 11 Prozent der Stimmen. Als direktes Misstrauensvotum gegen die Regierung wertet Vogt dieses Resultat jedoch nicht.
Persönliche Probleme und grosse Konkurrenz: Marques Mendes habe etwa mit Kritik an seinen hohen Einkünften aus Beratungsmandaten zu kämpfen gehabt, so Vogt. Zudem hatte er im bürgerlichen Lager mehrere Kontrahenten mit ähnlichen Positionen.
Wer hat die besseren Chancen – Seguro oder Ventura?
Die meisten rechnen jetzt mit einem Sieg des Sozialisten Antonio José Seguro. Für die Stichwahl am 8. Februar ist aber entscheidend, wohin die Stimmen derjenigen gehen, die im ersten Wahlgang bürgerliche Kandidaten gewählt haben.
Diese haben bislang keine Wahlempfehlung abgegeben oder angekündigt, darauf zu verzichten. Ebenso unklar ist, ob diese Wählerinnen und Wähler überhaupt nochmals an die Urne gehen. Am Ende könnte deshalb die Mobilisierung am Wahltag den entscheidenden Ausschlag geben.