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Präsidentenwahl in Simbabwe Ohne Mugabe scheint alles möglich

In Simbabwe wird ein neuer Präsident gewählt. Die grosse Frage ist: Wie fair ist diese Wahl?

Legende: Video Wahltag in Simbabwe abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.07.2018.

Heute wählt Simbabwe einen neuen Präsidenten, die Wahllokale sind seit Kurzem offen. Es sind dies die ersten Wahlen in der Geschichte des Landes ohne Langzeitherrscher Robert Mugabe. Die beiden Kandidaten – der nach dem Putsch letztes Jahr ins Amt gehievte Emmerson Mnangagwa und Oppositionsführer Nelson Chamisa – dürften sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Zeichen stehen auf Erneuerung

Wer in sich dieser Tage in Simbabwe umhört, hat das Gefühl, das Ende der Regierungspartei Zanu-PF sei nahe. Nach 38 Jahren an der Macht haben Simbabwerinnen und Simbabwer genug. Sie wollen Jobs und politische Freiheiten.

Zudem schafft es Oppositionsführer Nelson Chamisa, die Massen zu begeistern. Er ist erst 40-jährig und ein gewandter Redner. Der Anwalt und Pastor war einst Informationsminister und hat lange Jahre Erfahrung als Mitglied der Oppositionspartei MDC. Viele Simbabwer glauben, dass jetzt ein Machtwechsel möglich ist.

Doch an diesem Punkt stand Simbabwe vor zehn Jahren schon einmal. Mit Nelson Chamisas Vorgänger, dem langjährigen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai. Damals liess die Regierungspartei unter Mugabe einen Machtwechsel nicht zu.

Mnangagwa auf dem Land beliebt

Dieses Mal ist die Ausgangslage eine andere: Mugabe ist weg. Das Militär hat ihn letzten November von der Macht entfernt und den ehemaligen Vizepräsidenten Mnangagwa an seine Stelle gesetzt. Er führt das Land seither interimistisch, jetzt will er sich vom Volk zum Präsidenten wählen lassen.

Besonders auf dem Land geniesst die Zanu-PF grossen Zuspruch bei den Wählern. Der 75-jährige Mnangagwa war während 38 Jahren Teil der Regierung Mugabes. Seit er nach dem Putsch das Ruder übernommen hat, versucht er, sich und der Partei ein neues Image zu geben.

Menschenmenge mit grünen Hüten, ein Plakat mit Mnangagwa in der Menge.
Legende: Zanu-PF und ihr Kandidat Mnangagwa haben vor allem auf dem Land viele Anhänger. Reuters

Altlasten Mugabes

Und so unterscheiden sich die heutigen Wahlen teilweise tatsächlich von vorherigen. Erstmals seit 16 Jahren werden internationale Wahlbeobachter zugelassen – und die Opposition konnte ihre Wahlkampagnen ungehindertabhalten.

Doch die alten Parteistrukturen sind intakt. Und so gibt es auch dieses Mal Berichte über Wählereinschüchterungen, zudem ist die Wahlkommission äusserst intransparent.

Darum ist fraglich, wie frei diese Wahlen sind. Und ob ein Machtwechsel nach 38 Jahren möglich ist, hängt auch dieses Mal davon ab, ob die Regierungspartei und das Militär ihn zulassen.

Ex-Diktator Mugabe will Opposition wählen

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Gestern hat sich nach monatelangem Schweigen Ex-Diktator Robert Mugabe gemeldet und erklärt, er werde den Oppositionsführer Nelson Chamisa unterstützen und nicht den Kandidaten seiner eigenen Partei Zanu-PF, Emmerson Mnangagwa. Dieser reagierte in den Medien umgehend und erklärte, Chamisa stecke mit Mugabe unter einer Decke und wolle den Diktator zurück in die Regierung bringen. Bereits zeigen sich die erstmals seit 16 Jahren wieder zuglassenen EU-Wahlbeobachter besorgt, dass sich das Militär erneut einmischen könnte. Dem ehemaligen starken Mann des Putsches und derzeitigen Vizepräsidenten Constantino Chiwenga wird nachgesagt, dass er selbst Präsident werden möchte und Mnangagwa für seine Ziele benutzt.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Nur in stabilen Demokratien ist es nicht das Militär, das letztlich die Macht hat. Auch wenn sie diese nicht ausübt, die Macht ist bei ihr. Und weil so genau diese Machtstrukturen verwischt und verschleiert werden, ist Korruption auf allen Ebenen allgegenwärtig. Korruption ist der wahre Grund, warum arme Länder arm bleiben und Schwellenländer nie richtig über die Schwelle kommen. Aber letztlich ist das Resultat überall dasselbe: die Reichen werden immer reicher und die Armen wehren sich nicht.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Ich konnte sehr gut beobachten in Simbawe selber, wie es immer schwieriger geworden ist. Mugabe war kein Segen für Simbawe. Ob sich da mit der neuen Regierung etwas ändert wage ich mal zu bezweifeln.
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