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Peru wählt Fujimori – und damit ganz rechts
Aus HeuteMorgen vom 07.06.2021.
abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
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Präsidentschaftswahl Peru Fujimori führt nur wenige tausend Stimmen vor Castillo

  • Bei der Präsidentenwahl in Peru zeichnet sich ein äusserst knappes Ergebnis ab.
  • Keiko Fujimori kam in der Stichwahl auf 50.17 Prozent der Stimmen.
  • Ihr Gegner Pedro Castillo erhielt 49.82 Prozent der Stimmen.
  • Diese Angaben veröffentlichte das Wahlamt, Link öffnet in einem neuen Fenster nach der Auszählung von über 90 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Die beiden Kandidierenden auf einer Bühne.
Legende: Trotz sehr ungleicher Herkunft fordert Pedro Castillo Keiko Fujimori heraus. Reuters

«Ich habe viel Hoffnung und Glaube, dass wir es schaffen», schrieb Keiko Fujimori nach ihrer Stimmabgabe am Sonntag auf Twitter. Auch Pedro Castillo gab sich siegessicher. «Der Wille des Volkes wird respektiert werden», sagte er vor seinen Anhängern.

Rechtsliberale Fujimori

Die Stichwahl in Peru war ein Kräftemessen der politischen Extreme: Fujimori steht für eine liberale Wirtschaftspolitik und die Durchsetzung von Sicherheit mit der «harten Hand». Auch ihre geplante Politik beschreibt sie als «Demodura», eine Mischung aus Demokratie und «mano dura» [harte Hand]. In den vergangenen Jahren sass sie aber selber mehrfach in Untersuchungshaft. In einem laufenden Korruptionsverfahren droht ihr eine langjährige Freiheitsstrafe.

Ihr Vater Alberto Fujimori verbüsst wegen Menschenrechtsverletzungen eine 25-jährige Haftstrafe. In seiner Amtszeit von 1990 bis 2000 liess Fujimori Sicherheitskräfte rigoros gegen linke Kräfte vorgehen und das Parlament wurde entmachtet. Zudem wurden Zehntausende indigene Frauen zwangssterilisiert.

Nach der Scheidung der Eltern galt Keiko Fujimori jahrelang als First Lady und begleitete ihren Vater auf zahlreichen Auslandsreisen. Im Falle eines Wahlsiegs will sie ihren Vater begnadigen.

Marxistischer Castillo

Der marxistische Dorfschullehrer Castillo hingegen will im Fall eines Wahlsiegs einen sozialistischen Staat aufbauen, die Medien stärker kontrollieren und das Verfassungsgericht abschaffen. Er stammt aus einer bäuerlichen Familie aus der Provinz Chota im Norden des Landes und hatte 2017 einen Streik der Lehrerinnen und Lehrer angeführt. Er gibt sich als Aussenseiter im Politikbetrieb.

Fujimori hingegen gehört zur Elite des Landes, studierte Betriebswirtschaft in den USA und bewegte sich bereits in jungen Jahren in den politischen Kreisen Perus.

Versöhnung notwendig

Trotzdem liegen Castillo und Fujimori bei ihren gesellschaftspolitischen Ansichten nicht sehr weit auseinander: Beide vertreten ein konservatives Familienbild, sind gegen gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung. Beide setzen auf die Ausbeutung von Bodenschätzen und messen dem Schutz von Umwelt und Menschenrechten keine grosse Bedeutung zu.

Politisch war Peru im vergangene Jahr von einem erbitterten Konflikt der Regierung mit dem Kongress geprägt. Zunächst drängten die Parlamentarier Präsident Martín Vizcarra aus dem Amt, dann trat dessen Nachfolger Manuel Merino nach heftigen Protesten zurück. Zuletzt wurde das südamerikanische Land von Übergangspräsident Francisco Sagasti geführt.

SRF 4 News, 07.06.2021; 03:00 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Was nicht sein dürfte ist, dass bei ihrer Wahl, sie ihren Vater, der 25 Jahre Gefängnis aufgebrummt bekommen hat, freigelassen werden sollte. 25 Jahre Knast bekommt man nicht einfach nur so, sonder wegen schwerer Verbrechen. So werden solche Urteile zur Farce. Gut leben wir in einer Demokratie, wo solche Praktiken nicht gestattet sind.
  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Frau Fujimori steht für ein Rezept das in China hunderte Millionen von Menschen aus der Armut geführt hat. Der Staat schaft für die Bürger Sicherheit und lässt den Kapitalismus aufleben. Das hat auch in Chile funktioniert. Es ist aus meiner Sicht der Richtige Weg für viele Entwicklungsländer. Der Marxismus und Sozialismus (Venezuela, Nordkorea und Cuba) gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Aber jedes Land soll selber entscheiden. Wie man sich bettet so liegt man.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Ich denke nicht, dass Frau Fujimori beabsichtigt, die soziale Marktwirtschaft einzuführen.
  • Kommentar von Hildegart Rüdisüli  (Hildegart Rüdisüli)
    ...das ist wohl eher die Wahl der Qual!