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Corona-Krise: Sexarbeiterinnen schaffen trotz Verbot an
Aus 10vor10 vom 29.04.2020.
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Prostitution trotz Covid-19 Der käufliche Sex geht in Amsterdams Privatwohnungen weiter

Freier verzichten trotz Corona nicht auf käuflichen Sex. Das ist für Sexarbeiterinnen nicht nur wegen des Virus gefährlich.

Die Abstandsregeln von mindestens 1.5 Metern stellen viele Menschen zurzeit vor gewisse Herausforderungen. Kein Händeschütteln, keine Umarmung mit den besten Freunden. Auch zahlreiche Berufssparten haben ihre Schwierigkeiten, einen solchen Abstand einzuhalten.

Für einen Berufszweig sind diese 1.5 Meter besonders heikel. Das älteste Gewerbe der Welt lebt von Körperkontakt. Dass Bordellbesuche oder Begleitservice zurzeit auf legalem Wege nicht möglich sind, ist nur schon wegen der Ansteckungsgefahr mit Covid-19 nachvollziehbar. Was allerdings nicht bedeutet, dass Freier auf den käuflichen Sex verzichten würden.

Bordelle sind geschlossen

In den Niederlanden, einem Staat, in dem es nach Schätzungen über 25'000 Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen gibt, sind seit dem 15. März Bordelle geschlossen und Escort-Services verboten. Besonders stark treffen die Massnahmen die Stadt Amsterdam. Es gibt wohl in Europa, nebst der norddeutschen Stadt Hamburg mit der Reeperbahn, keine andere Stadt, die für käuflichen Sex so bekannt ist wie die niederländische Hauptstadt.

Fenster im Rotlichtviertel
Legende: Die normalerweise belebten Gassen in Amsterdams Rotlichtviertel sind leer, die Vorhänge bleiben geschlossen. Getty Images

Normalerweise würden hunderte von Touristen dieser Tage im Rotlichtviertel «De Wallen» den Grachten entlang schlendern und immer mal wieder vor einem Schaufenster, in denen sich die Frauen präsentieren, stehen bleiben. Diese Schaufenster sind aber leer. Das Rotlichtviertel mit seinen Backsteinhäusern wirkt wie im Tiefschlaf. Die Prostituierten haben sich zurückgezogen aus dem Viertel.

Riskanter Sex in Privatwohnungen

In den Niederlanden erhalten Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen, die als Selbstständige im Sexgewerbe arbeiten, eine finanzielle Unterstützung vom Staat. Trotzdem haben wegen der staatlichen Notmassnahmen viele von ihnen finanzielle Schwierigkeiten oder fallen durch das soziale Sicherheitsnetz. Insbesondere jene, die illegal im Sexgewerbe arbeiten.

Da die Nachfrage nach käuflichem Sex trotz Covid-19 da ist, arbeiten viele Prostituierte illegal in der eigenen Wohnung weiter, sagt Lyle Muns, der in Amsterdam als Escort arbeitet. Er selber habe zwar geplante Treffen storniert, beobachte aber, dass andere weiterarbeiten würden. «Ich stelle fest, dass viele der Sexarbeiterinnen, die in Sexclubs oder hinter den Fenstern arbeiten, natürlich immer noch auf der Suche nach einer Einnahmequelle sind. Kein Einkommen ist für sie keine Option.»

Dies sei problematisch, sagt Minke Fischer, die als Managerin bei der Organisation Belle in der niederländischen Provinz Utrecht arbeitet. Sie unterstützt SexarbeiterInnen sowie Opfer von Menschenhandel. «Die Betroffenen laufen Gefahr, dass sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Oder sie denken: Ich muss Geld verdienen, also stell ich weniger Anforderungen», erzählt Fischer.

Das kann bedeuten, dass Prostituierte zu tieferen Preisen arbeiten oder sich auf Sex ohne Kondom einlassen. Auch die Gefahr von gewalttätigen Übergriffen ist in einer Privatwohnung grösser als in einem Bordell oder in einem der Schaufenster im Rotlichtviertel «De Wallen» in Amsterdam. Diese Schaufenster bleiben allerdings bis auf Weiteres geschlossen.

«10vor10», 29.04.20202, 21.50 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Den Verkauf von Alk und Rauch kann man verbieten und kontrollieren aber Sex.... das geht nur bedingt... und das mit em Abstand ist wohl auch nicht gegeben....;-)
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Dass das älteste Gewerbe ein bisschen hartnäckiger als das Coronavirus sein dürfte liegt auf der Hand. Bedürfnisse gewisser Kundengruppen lassen sich nicht einfach verbieten, so sehr man das möchte. Die Erkenntnis, dass solche Erlasse selten zum Ziel führen, machten die USA schon in den späten zwanziger und frühen dreissiger Jahren mit der Prohibition des Alkohols.
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    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Grundsätzlich habe Sie völlig recht. Prohibition hat im Bereich Drogen und Prostitution noch gar nie funktioniert. Am schlimmsten ist es ja sogar dort, wo Prostitution offiziell verboten ist, aber sich auf der Strasse sogar Minderjährige verkaufen. Im Moment wäre es aber meiner Meinung nach doch angebracht, das verantwortungslose Verhalten der Freier zu kritisieren. Dass man(n) nicht einmal ein paar Wochen verzichten kann, ist doch beschämend für unser Geschlecht.
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    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @Kleffel
      Mit der Kritik an der verantwortungslosen Haltung bin ich voll bei Ihnen, absolut richtig. Abgesehen davon ist es aber kein eigentliches Gender Problem, denn die Angebot-Nachfragediskussion ist eine Huhn Ei Situation, wo es das eine gibt, gibt es auch das andere. Und wer genau das Opfer ist, ist nicht in allen Fällen klar wirklich klar … ausser in den feministischen Sicht. Letztere ist aber nicht in jedem Fall von gesundem Menschenverstand geprägt ...
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