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Proteste, Blackout, Tote Eskalierende Gewalt im Iran: Exilgemeinschaft bangt und hofft

Für eine Iranerin in der Schweiz kommen Bangen und Hoffen zusammen.

Zum dritten Mal in acht Jahren klammert sich das Regime in Teheran trotz landesweiter Massenproteste an die Macht. Und dabei greift es zu brutaler Gewalt: Laut Menschenrechts­organisationen schiessen Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstrierende.

Trump setzt Gespräche mit iranischer Führung aus

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US-Präsident Donald Trump hat als Reaktion auf die staatliche Gewalt gegen Demonstrierende im Iran alle Gespräche mit der Führung in Teheran ausgesetzt. Zuvor drohte er mit einem Strafzoll von 25 Prozent auf Importe aus Ländern, die mit dem Iran Handel treiben. Welche Länder konkret betroffen sind, ist unklar.

Unterdessen haben mehrere europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Grossbritannien sowie die EU iranische Botschafter einbestellt – ein scharfes diplomatisches Mittel. Die Brutalität des Regimes sei schockierend, teilte das deutsche Ministerium auf der Plattform X mit.

Im Iran ist derweil wieder etwas Normalität eingekehrt. Sicherheitskräfte und Polizei waren jedoch noch in den Metropolen an zentralen Plätzen postiert, wie Bewohner der Deutschen Presse-Agentur berichteten.

Der Exil-Sender Iran International berichtet von einem «Massaker» an 12'000 Menschen innerhalb von zwei Tagen – eine Zahl, die nicht verifizierbar ist. Andere Quellen sprechen von mindestens 2000 Toten.

Informationen dringen nur spärlich nach aussen

Die über 6000 Exil-Iranerinnen in der Schweiz bangen derzeit täglich um ihre Angehörigen und Freunde in der alten Heimat. Saghi Gholipour war zwei Jahre alt, als ihre Familie vor dem iranischen Regime in die Schweiz flüchtete. Die Politologin ist Mitgründerin des Vereins Free Iran Switzerland, der sich seit rund drei Jahren für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte im Iran einsetzt.

Saghi Gholipour

Politologin

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Saghi Gholipour ist Politologin und Mitgründerin der Organisation «Free Iran Switzerland». Ihre Familie floh in den 1980er Jahren aus dem Iran in die Schweiz.

Ihr bereitet die Eskalation in ihrem Heimatland Sorgen. «Die Angehörigen des Regimes, insbesondere der Revolutionsgarde, sind verantwortlich für die grausamen Massaker. Wir erhalten vermehrt Berichte über ausländische Schläger, die von den Verbündeten aus der ‹Achse des Widerstands› in den Iran geschickt werden.»

Das Regime wird für die wirtschaftliche und ökologische Misere verantwortlich gemacht.
Autor: Saghi Gholipour Verein Free Iran Switzerland

Noch immer sind Internet und Festnetz in weiten Teilen des Iran abgeschaltet – nur das Mobilfunknetz funktioniert vereinzelt. Deshalb kämen nur «tröpfchenweise» Informationen aus dem Land, erklärt Gholipour. Dennoch gelingt es ihr, den Kontakt zu einigen ihrer Freundinnen und Bekannten aufrechtzuerhalten.

Zivilgesellschaft stünde bereit für einen neuen Iran

Die Menschen im Iran seien fest entschlossen, so lange weiterzumachen, bis das Islamische Regime weg sei, analysiert Gholipour. Die Wirtschaftskrise im Land habe die Autorität der religiösen Führung des Landes stark erschüttert: «Das Regime wird für die wirtschaftliche und ökologische Misere verantwortlich gemacht», so die Politologin

Justiz leitet erste Anklagen ein

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Die iranische Justiz hat erste Anklagen gegen Teilnehmer der Proteste erhoben. Besonders schwere Fälle von sogenannten «Randalierern» sollen vorrangig behandelt werden. Der Vorwurf der «Kriegsführung gegen Gott» kann nach islamischem Recht mit der Todesstrafe geahndet werden. Irans Justizchef forderte Vergeltung für getötete Sicherheitskräfte. Nach den Protesten im Jahr 2022 wurden mindestens zwölf Teilnehmer hingerichtet.

Laut der Iran-Beobachterin ist der Aufstand organisch gewachsen und erfasst inzwischen sämtliche Gesellschaftsteile. In kleineren Städten werde genauso demonstriert wie in der Hauptstadt Teheran. Selbst innerhalb des Regierungsapparats herrsche nicht überall blinder Gehorsam: «In der iranischen Bürokratie gibt es vor allem in der mittleren Ebene viele Personen, die gegen das Regime sind.»

Frau mit farbenfroher Gesichtsbemalung.
Legende: Auch in der türkischen Metropole Istanbul gingen Iranerinnen und Iraner am Wochenende auf die Strassen, um ihre Solidarität mit den Menschen in ihrer Heimat auszudrücken. AP Photo/Emrah Gurel

Von der Schweiz erhofft sich Gholipour mehr Unterstützung für die iranische Zivilgesellschaft: «Wir fordern personalisierte Sanktionen gegen die Machtelite und dass die Revolutionsgarde endlich auf die Terrorliste gesetzt wird.»

Die iranischen Gefängnisse sind voller Menschen, die die Fähigkeit haben, einen demokratischen Staat aufzubauen.
Autor: Saghi Gholipour Verein Free Iran Switzerland

Für eine Zeit nach einem möglichen Fall des Regimes seien die Voraussetzungen innerhalb und ausserhalb des Landes gegeben. «Die iranischen Gefängnisse sind voller Menschen, die die Fähigkeit haben, einen demokratischen Staat aufzubauen. Auch in der Diaspora finden sich fähige Menschen in allen wichtigen Bereichen», ist die Exil-Iranerin überzeugt.

Am Dienstagabend haben Gholipour und ihr Verein zu einer Demonstration für in der Schweiz lebende Iraner und Iranerinnen in Zürich aufgerufen. Viele bangen um ihre Freunde und Angehörigen in der fernen Heimat und hoffen weiterhin, dass ein Ende des Regimes kommt – irgendwann.

Menschenmenge protestiert mit erhobenen Fäusten und Schildern.
Legende: Beim Hauptbahnhof Zürich demonstrierten am Dienstagabend mehrere hundert Menschen. Am Nachmittag war es in Bern zu einer Demonstration vor der iranischen Botschaft gekommen. Die Teilnehmenden blockierten eine Strasse entgegen Polizeianweisungen. Die Polizei setzte Reizstoff ein. Keystone/MICHAEL BUHOLZER

Mehr dazu in «10 vor 10»

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Sendelogo der «10vor10»-Serie zu Hochhäusern

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Tagesschau, 12.01.26, 19:30 Uhr ; 

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