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Aufruf zum Generalstreik in Belarus
Aus Tagesschau vom 26.10.2020.
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Proteste in Belarus Opposition: «Lukaschenko bleiben drei Tage, um Koffer zu packen»

Das Ultimatum gegen Alexander Lukaschenko lief um Mitternacht von Sonntag auf Montag aus. Die bekannteste Oppositionelle des Landes, Swetlana Tichanowskaja, hatte vom belarussischen Machthaber die Freilassung aller politischen Gefangener, ein Ende der Gewalt und seinen Rücktritt gefordert.

Da Alexander Lukaschenko auf keine Forderung eingetreten ist, hat Tichanowskaja für heute landesweit zum Streik aufgerufen. SRF konnte mit der Sprecherin der Oppositionsführerin, Anna Krasulina, ein Interview führen.

Anna Krasulina

Anna Krasulina

Sprecherin der Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja

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Anna Krasulina ist zusammen mit Swetlana Tichanowskaja wenige Tage nach der Präsidentschaftswahlen im August zur Ausreise aus Belarus gezwungen worden.

SRF: Es schien absehbar, dass Lukaschenko nicht auf Ihre Forderungen eingehen und nicht zurücktreten wird. Weswegen haben Sie trotzdem ein Ultimatum gestellt?

Anna Krasulina: Das Ultimatum ist eine Beschleunigung der Ereignisse, die in ihrem Ablauf nur zu einem logischen Ende führen können: zum Sieg der Demokratiebewegung des ganzen Volkes. Die Deadline ist notwendig, um die Machtübergabe zu beschleunigen, die sich noch drei oder fünf Monate hinziehen könnte.

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Anna Krasulina, Sprecherin Tichanowskaja: «Die Deadline ist notwendig»
Aus News-Clip vom 26.10.2020.
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Weswegen ist aus Ihre Sicht der Streik ein Ausweg aus der politischen Sackgasse im Land?

Erstens hat sich gestern klar gezeigt, dass eine grosse Masse an Leuten demonstriert. Zweitens belastet der Streik tatsächlich die Wirtschaft sehr stark. Wenn die gesamte Wirtschaftsproduktion im ganzen Land heute still stehen wird – worauf wir sehr hoffen –, dann bleiben Lukaschenko noch zwei oder drei Tage, um seinen Koffer zu packen und sein Amt niederzulegen.

Selbst wenn wir beim ersten Mal scheitern, werden wir beim zweiten oder dritten Mal erfolgreich sein.
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Anna Krasulina, Sprecherin Tichanowskaja: «Dann bleiben Lukaschenko noch zwei oder drei Tage»
Aus News-Clip vom 26.10.2020.
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Was werden Sie tun, wenn der Streik nicht erfolgreich sein wird? Was wird aus der Rolle von Swetlana Tichanowskaja als Oppositionsfüherin?

Uns ist sehr bewusst, dass der Streik von heute unter Umständen nicht sehr gross wird. Die Situation ist sehr schwierig, besonders in den Regionen des Landes. Nicht jeder kann am Streik teilnehmen. Nach mehr als 20 Jahren Diktatur versuchen wir die innenpolitische Situation im Land schrittweise zu verändern. Selbst wenn wir beim ersten Mal scheitern, werden wir beim zweiten oder dritten Mal erfolgreich sein. Wir sind davon überzeugt, dass unser Sieg unausweichlich ist.

Sie haben auch den Sicherheitskräften ein Ultimatum gestellt. Diese waren Lukaschenko bisher treu. Weswegen sollten sie nun die Seiten wechseln?

Früher hatte Lukaschenko Geld, um hohe Gehälter an seinen Sicherheitsapparat auszubezahlen, heutzutage hat er dafür kein Geld. Unser Streik, die vollständige Einstellung der Arbeit in der Hauptstadt und den Regionen des Landes, bei den grösstem Unternehmen wie «Belaruskali» und «Grodno Azot», wird dazu führen, dass er noch weniger Geld für seine Sondereinheiten hat. Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn er seine Sondereinheiten nicht mehr bezahlen kann?

Putin hat einen sehr grossen Fehler gemacht, dass er auf Lukaschenko setzte.

Befürchten Sie nicht, dass Lukaschenko in dieser Situation Hilfe aus Russland erhalten wird?

Putin liebt Lukaschenko nicht sonderlich. Als Lukaschenko sich noch für die Interessen Russlands in Belarus eingesetzt hat, unterstützte Putin seine Macht. Aber jetzt fehlen Lukaschenko die Mittel dazu. Selbst wenn ihm danach wäre, könnte er die russischen Interessen in Belarus nicht sicherstellen.

Putin hat einen sehr grossen Fehler gemacht, als er auf Lukaschenko setzte. Dass er nicht begriffen hat, dass keiner der Demonstranten Geld erhalten hat, um zu demonstrieren, sondern es sich um den Willen des Volkes handelt. Hätte Putin dies verstanden, dann wäre die Situation heute anders. Er hätte mit dem Volk in Belarus verhandelt, selbst gegen seinen Willen. Denn es gäbe schlicht keine Alternativen.

Das Gespräch führte Luzia Tschirky.

Tagesschau vom 25. Oktober 2020;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Mark Keller  (mkel)
    Frau K. ist leider etwas gar geblendet. Das lässt sich nicht in 3 Tagen erledigen. Solange die Sicherheitskräfte zu AL halten, wird nicht viel passieren. Und denen wird er auch noch etwas länger als 3 Tage den Lohn zahlen können. So wie es derzeit aussieht, wird es eher Wochen bis Monate dauern und in dieser Zeit wird die Bevölkerung massiv leiden müssen. Und selbst wenn AL aufgibt, kommt erst mal der Übergang usw. Das dürfte sich dann noch Jahre hinziehen, bis so etwas wie Normalität einkehrt.
    1. Antwort von Mark Keller  (mkel)
      Hinzu kommt natürlich die Rolle Russlands. Die werden einen chaotischen Übergang mit ungewissem (ev. pro-westlichem?) Ausgang unbedingt vermeiden wollen und so gut es geht auf die Bremse drücken.
  • Kommentar von Christoph Trümpy  (Chris.62)
    Der Tyrann Lukaschenko muss dermassen unter Druck gestellt werden, dass ihm das Wasser bis zum Halse steht !
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Bleibt weiter dran, ihr tapferen Protestierenden. Ohne Blutvergiessen, aber mit Kraft verjagen mögt Ihr diesen Despoten. Dann soll ihn niemand aufnehmen auf dieser ganzen Welt!
    1. Antwort von Markus Gasser  (Markus Gasser)
      Warum nicht aufnehmen, z.B. in der Schweiz. Da er (Lukaschenko) sich jetzt schon einbunkert fände man für ihn irgendwo in den Bergen wohl einen ausgedienten Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Putin fände wohl auch in der Schweiz einen Lakaien, der im täglich das Essen brächte.
      Nur nicht verzagen - Putin fragen.
    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Tapfer?
      In dieser Zeit doch ziemlich unverantwortlich.
      Auch in Belarus ist das Virus & die Zahl an Infizierten steigt auch dort wieder an.
      Solchen Massenveranstaltungen sollte man jetzt nicht noch applaudieren - egal welcher Sache sie dienen.
      Auch völlig unverantwortlich von der Oppositionellen S. T., welche die Macht in WR übernehmen will, die Menschen jetzt zum Generalstreik aufzuwiegeln, während sie durch ihre Flucht faktisch in Quarantäne sitzt.
    3. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      EW: Wenn die Menschen in Belarus jetzt aufgeben, war alles umsonst. Dann hätten sie umsonst gelitten, wären umsonst der Gewalt ausgesetzt gewesen, das schlimmste aber wäre, dass sie umsonst für freie Wahlen demonstriert hätten. Doch, diese Menschen sind tapfer und ich wünsche ihnen nach wie vor, dass sie den Mut und den Willen behalten, weiter zu machen.