Die Tour de France wird immer schneller. Auch in diesem Jahr wurden wieder diverse Rekorde gebrochen. Gesamtsieger Tadej Pogacar gewann das prestigeträchtigste Radrennen der Welt bereits zum fünften Mal und fuhr mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 43 Kilometern pro Stunde – so schnell wie noch nie ein Toursieger zuvor.
Auch andere Bestmarken aus den Dopingjahren sind inzwischen längst Geschichte. Gleichzeitig liegt der letzte positive Dopingtest an der Frankreichrundfahrt bereits über zehn Jahre zurück. Und dies obwohl die Fahrer heute so intensiv kontrolliert werden wie nie zuvor, teilweise sogar mitten in der Nacht.
Geweckt von den Dopingkontrolleuren
Etwa in der Nacht vor der 15. Etappe: Da wurden der spätere Toursieger Tadej Pogacar und sein grösster Rivale Jonas Vingegaard für eine Dopingkontrolle aus dem Schlaf geholt. Fahrer und Teams kritisierten das Vorgehen scharf.
Dopingkontrollen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich.
Ernst König, der Direktor der Schweizer Dopingagentur (Swiss Sport Integrity), widerspricht: «Kontrollen sind gemäss der Internationalen Dopingagentur Wada zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich.» Für eine nächtliche Kontrolle brauche es aber einen triftigen Grund. Das kann etwa ein konkreter Verdacht sein – oder wenn Auffälligkeiten im biologischen Pass – darin werden die Blutwerte regelmässig festgehalten – eines Athleten festgestellt werden.
Nächtliche Dopingkontrollen seien auch sinnvoll für einen fairen Wettbewerb, betont König. Schliesslich gebe es Substanzen, die schon wenige Stunden nach der Einnahme nicht mehr nachweisbar seien.
Die Substanz Aicar nachzuweisen, ist beinahe unmöglich.
Solche Kontrollen erhöhen das Risiko für Betrüger, entdeckt zu werden. Und dennoch liegt der letzte positive Dopingtest bei der Tour de France inzwischen mehr als elf Jahre zurück.
Dopingexperte Seppelt bleibt skeptisch
Für den deutschen Journalisten und Dopingexperten Hajo Seppelt sagt diese Zahl allerdings wenig aus. «Wer vor Ort dopt, der muss schon zu den etwas weniger Schlauen gehören», sagt er. Denn dann bestehe tatsächlich ein Risiko, erwischt zu werden.
Seppelt bleibt trotz den negativen Tests an der Tour skeptisch. Die immer neuen Rekordleistungen lassen sich aus seiner Sicht nicht allein mit Fortschritten bei Training, Ernährung oder Material erklären. Er vermutet, dass unerlaubte Leistungssteigerung vor allem vor Beginn einer Rundfahrt stattfindet.
Krebsmedikament als Dopingmittel?
Bereits vor einem Jahr publizierte Seppelt Recherchen, wonach das Krebsmedikament Aicar im Fahrerfeld verbreitet sein könnte. «Dieses Mittel nachzuweisen, ist beinahe unmöglich.»
Ob der Radsport sauberer geworden ist, lässt sich heute nicht abschliessend beantworten. Eine Antwort könnte aber in den kommenden Jahren kommen. Denn ausgewählte Blut- und Urinproben werden eingefroren und können später mit neuen wissenschaftlichen Methoden nochmals analysiert werden.
Bis dahin gilt im Radsport das Gleiche wie in jeder anderen Sportart auch: Wer nicht positiv getestet wird, gilt als sauber.