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In Idlib ist der Ramadan dieses Jahr kein Freudenmonat
Aus Tagesschau vom 23.04.2020.
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Ramadan während Corona «Wir sollten wirklich etwas vorsichtiger sein»

Wird der neue Mond sichtbar, beginnt heute Nacht der Ramadan, der heilige Monat der Muslime. Corona wird ihn zu einem anderen Ramadan machen als sonst.

Die Strassen von Idlib sind unmittelbar vor Beginn des Ramadans so voll wie andernorts auch in der muslimischen Welt. Es herrscht ein Gewusel, es ist laut, die Geschäfte laufen. Trotz Krieg und Coronavirus. «Die Leute hier haben keine Angst vor dem Tod. Ich denke, wir sollten zwar etwas vorsichtiger sein, aber bis jetzt ist es okay», sagt Abu Khaled al Agha.

Mann.
Legende: Das Coronavirus beeinträchtige die Geschäfte nicht, meint Abu Khaled al Agha. SRF

Er kommt ursprünglich aus Damaskus, aus Jobar, um genau zu sein. Von dort floh er Mitte des Krieges nach Idlib. «Das Coronavirus beeinträchtigt die Geschäfte überhaupt nicht. Ramadan steht vor der Tür, das Waffenstillstands-Abkommen, das die Türkei und Russland ausgehandelt haben, hält weitgehend. Die Situation ist besser als noch vor einem Monat.»

«Wir sollten vorsichtiger sein»

Ein paar Schritte weiter verkauft Hossam Abdullah el-Maara Erdbeeren. El-Maara traut der Sache weniger: «Wir sollten vorsichtiger sein. Die Leute sollten nicht zusammen beten, wir sollten überhaupt alle grösseren Ansammlungen vermeiden.»

Doch das ist in der Nordwest-syrischen Enklave, über die noch vor ein paar Wochen täglich russische und syrische Bomben niedergegangen sind, und in der vor allem islamistische Assad-Gegner das Sagen haben, leichter gesagt als getan.

Strassenkreuzung.
Legende: Die Strassen in Idlib sind bevölkert. SRF

Nach den Tagen in den Kellern oder auf der Flucht wollen die Menschen die herrschende Waffenruhe ausnutzen: «Die Leute wollen zusammensitzen. Sie wollen Zeit zusammen verbringen.» El-Maara schüttelt den Kopf: «Wir sollten wirklich etwas vorsichtiger sein.»

Corona betrifft Säulen des Islam

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen gläubige Muslime vor mehrere Herausforderungen. Das Virus trifft gleich drei der fünf Säulen des Islam. Viele auch muslimische Länder haben die Versammlungsfreiheit so weit eingeschränkt, dass das gemeinsame Gebet zurzeit nicht möglich ist.

Mekka und Medina geschlossen

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Die heilige Stadt Mekka bleibt gesperrt.
Legende: Keystone

Eine Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Gläubige in seinem Leben mindestens einmal zu absolvieren hat, ist momentan ebenfalls ausgeschlossen. Saudi-Arabien hat die beiden heiligen Städte Mekka und Medina für alle Gläubigen gesperrt, selbst einheimische Pilger erhalten zurzeit keinen Eintritt.

Im Ramadan treffen sich die Muslime gewöhnlich abends zum gemeinsamen Fastenbrechen. Man sitzt im Familien- oder Freundeskreis, beginnt den Abend mit Datteln, Süssigkeiten und einem Glas Wasser oder Milch. Nach dem gemeinsamen Gebet wird gegessen.

In vielen vor allem ärmeren Quartieren kommen zum Iftar, wie das öffentliche Fastenbrechen genannt wird, die Menschen zusammen, um sich an langen Ramadan-Tafeln von den Reichen bewirten zu lassen.

Ramadan-Tafeln verboten

Doch in Ägypten zum Beispiel hat die Regierung diese Ramadan-Tafeln verboten. Auch Saudi-Arabien, der Iran und viele andere Länder halten die Gläubigen dazu an, auf öffentliche Versammlungen zu verzichten.

So hat sich beispielsweise das geistige Oberhaupt des Iran, Ali Chamenei, bereits vor Wochen an die Iranerinnen und Iraner gewandt und ihnen eingeschärft, dass sowohl gemeinsame Gebete wie auch das gemeinsame Fastenbrechen dieses Jahr ausbleiben müssten.

Mann in Moschee.
Legende: Das Coronavirus trifft den Islam hart: Ein Mann desinfiziert eine Moschee in Pakistan. Keystone

In Saudi-Arabien hat der Minister für religiöse Angelegenheiten Anfang Woche noch einmal bekräftigt, dass alle Muslime, auch während des heiligen Fastenmonats, ausschliesslich zu Hause beten dürften.

Das wird in Idlib kaum der Fall sein. «Ein paar Leute schützen sich zwar etwas, und gehen nicht mehr in die Moschee, um zu beten.» Abu Khaled al Agha lacht. Aber das abendliche Fastenbrechen wegen Corona alleine zu Hause zu begehen, kommt für viele in diesem Kriegsgebiet nicht infrage.

Tagesschau, 23.4.2020, 19:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Vorher kamen Meldungen auf SRF über die humanitäre Katastrophe, über die vielen Flüchtenden und nachher kommen dann auch ähnliche Meldungen, dass idlib die Hölle auf Erden sei, nehme ich an... Hm... irgendwie empfinde ich es im Vgl. zum aktuellen Artikel total widersprüchlich.
  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Ich kann die Menschen verstehen. Sie haben wahrscheinlich eh nicht mehr viel zu verlieren. Ich weiss nicht wie wichtig der Ramadan für die Moslems ist. Ich stelle mir vor, wie bei uns etwa Weihnachten oder Ostern. Ich muss sagen, wenn ich Bomben Angriffe überlebt hätte und ich nicht weiss wann die nächsten kommen würde ich auch das Risko eingehen und mit den Freunden feiern. Wer weiss ob sie beim nächsten Ramadan noch leben.
  • Kommentar von Mark De Guingois  (MDG)
    Nach alle diesen Jahren habe ich schon Verständnis, wenn sich die Leute nichts mehr sagen lassen. Traurig, aber wahr. Aber jetzt kritisieren, dass sie kein social distancing machen finde ich sehr einfach. Wir haben keinerlei Ahnung was sie wirklich erlebt haben...
    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Wir haben aber eine Ahnung, was sie erleben werden... da ist es doch nett sie darauf hin zu weisen.