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Legende: Video Afghanistan: «Loja Dschirga» soll Friedensprozessankurbeln abspielen. Laufzeit 02:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.04.2019.
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Ratsversammlung in Afghanistan Alle sollen mitreden, doch die Taliban machen das Tempo

  • Über 3000 Delegierte der Loja Dschirga sind in Kabul zusammengekommen.
  • Der Friedensprozess mit den radikalislamischen Taliban soll in Gang gebracht werden.
  • Die Taliban kontrollieren wieder grosse Teile des Landes, was vielen Menschen Angst einflösst.

Aus allen Landesteilen sind die Delegierten der Loja Dschirga, der Grossen Ratsversammlung, nach Kabul gereist. Sie stammen aus verschiedenen Ethnien und gesellschaftlichen Schichten, denn bei der grundlegenden Frage, wie man den Krieg mit den radikalislamischen Taliban beenden könnte, sollen alle mitreden dürfen. «Wir werden die Taliban auffordern, mit der Regierung zu verhandeln, so wie wir es schon einmal getan haben», sagt Malik Zadran, Delegierter der Provinz Chost.

Zu Beginn der Loja Dschirga ermuntert Afghanistans Präsident Ashraf Ghani die Delegierten, Geschlossenheit zu zeigen: «Gott hat uns alles gegeben. Wenn wir Frieden und Einigkeit erreicht haben, können wir schneller vorankommen und die Welt damit überraschen.»

«Loja Dschirga»: Bei grossen nationalen Fragen

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Delegierte an der «Loja Dschirga»
Legende:An der «Loja Dschirga» kommen Menschen verschiedener Ethnien zusammen.Keystone
  • Loja Dschirgas werden in Afghanistan einberufen, wenn grosse nationale Fragen geklärt werden sollen.
  • Seit dem Fall der Taliban im Jahr 2001 wurden fünf sogenannte Grosse Ratsversammlungen abgehalten.
  • Zuletzt geschah dies 2013 zur Frage, ob ein Sicherheitsabkommen mit den USA unterzeichnet werden soll.
  • Ergebnisse einer beratenden Loja Dschirga sind für den Präsidenten nicht bindend.

Taliban machen das Tempo

Das Tempo bestimmen allerdings die Taliban, die gegenwärtig mit den USA verhandeln. Die Loja Dschirga und die Regierung betrachten sie als Marionetten des Westens.

Die USA stellen die Hälfte der rund 17'000 ausländischen Soldaten. Diese unterstützen die afghanische Regierung in ihrem Kampf gegen die Taliban. Bevor sich die Vereinigten Staaten aber aus Afghanistan zurückziehen, wollen sie innerafghanische Gespräche ankurbeln.

Präsident Ashraf Ghani
Legende: Der afghanische Präsident Ghani rief die Delegierten zu Einigkeit auf. Keystone

Die Regierung hat klare Vorstellungen darüber, wie diese aussehen könnten – und will sie nun mit den Vertretern der Loja Dschirga ausloten. «Unsere roten Linien sind klar: Menschenrechte, freie Meinungsäusserung, Zivilrechte, das politische System und die Verfassung sind unantastbar», sagt Asadullah Zahiri, Mitglied des Hoher Rats für Friedensverhandlungen. Inwiefern die Loja Dschirga den Friedensprozess anzukurbeln vermag, bleibt abzuwarten.

Kurzeinschätzung des SRF-Korrespondenten

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SRF-Korrespondent Pascal Weber
Legende:Pascal Weber ist SRF-Korrespondent im Nahen Osten.SRF

«Der erfolglose Beginn dieser Loja Dschirga zeigt, wie gefährlich die Situation in Afghanistan ist. Die politischen Führer sind heillos zerstritten und boykottieren sich gegenseitig. Die Nutzniesser sind die Taliban, welche nicht mit der Regierung verhandeln, sondern direkt mit den Amerikanern. Dass die USA so schnell wie möglich aus Afghanistan abziehen wollen, spielt ebenfalls den Taliban in die Hände.»

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Kessler (KLERUS)
    Wie zu Zeiten des Vietnamkrieges! Zuerst werden grosse Reden geschwungen, „Der Feind wird in die Knie gezwungen“ usw. Um anschliessend diesem „Feind“ dann doch das Feld zu überlassen! Westliche Politik trieft nur so von Selbstüberschätzung und fehl Einschätzungen. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte ich darüber lachen! Mit freundlichen Grüßen
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      War die sowjetische Afghanistan-Politik besser?
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    2. Antwort von Beat Kessler (KLERUS)
      @Planta: Mit keinem Wort habe ich die Politik der Sowjetunion, oder die der aktuellen autokratischen Systeme gelobt. Ich verachte jede Form der Intervention, oder andere Formen der nackten Machtgewinnung. Meine Form der aussen Politik würde auf dem Prinzip des „Wandel durch Annäherung“ aufbauen. Da Bomben nie Frieden schaffen, sondern nur Friedhöfe! Mit freundlichen Grüßen
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    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Sie haben explizit über die "westliche Politik" gewettert, dabei ist gerade der Afghanistan-Konflikt von einer östlichen Macht in die Wege geleitet worden. Es ist ein Trugschluss zu meinen, nur der "Westen" sei die Macht des Bösen.
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    4. Antwort von Beat Kessler (KLERUS)
      @Planta: Trotzdem ist die westliches Politik unter US Führung nichts weiter als Neokolonialismus. Getarnt unter dem Label von Freiheit, Gleichheit und Demokratie. Die Rechte die wir geniessen, sicher nicht überall gleich, gellten nicht für den Rest der Welt! Aber egal, sind ja nur Menschenleben und solange die Bomben nicht in unseren Quartieren einschlagen, muss man sich ja nicht empören..! Mit freundlichen Grüßen
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    5. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Es gibt ja ausser der heutigen westlichen Politik und der sowjetischen Politik vor 40 Jahren schon etwas mehr an Optionen. Wie wäre es mit dem UNO Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten? Dafür kämpft heute vor allem China. China setzt zudem auf Wandel durch Handel und gegenseitigen Respekt für kulturelle Unterschiede. Das ist mir deutlich lieber.
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